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Langen und Egelsbach kooperieren seit 2. Januar in der Kinderbetreuung.

Kinder in Langen

Jede Menge Kita-Personal und viel Platz

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Die Egelsbacher befinden sich bei der Kinderbetreuung in einer Luxussituation: Sie haben viel Personal und Platz. Das verhilft Langener Eltern zu 50 neuen Kitaplätzen.

Davon können andere Kommunen nur träumen: In Egelsbach gibt es genügend Erzieherinnen, ausreichend Platz für die Kleinen und keine Wartelisten auf einen Krippen- oder Kindergartenplatz. Und es kommt noch besser: Die 11 700-Einwohner-Gemeinde hat so viele freie Kapazitäten, dass sie der Nachbarstadt Langen zum Jahresbeginn 50 Vollzeitplätze für Kindergartenkinder abtreten konnte.

Im Oktober 2018 standen in Langen 148 Kindergartenkinder auf der Warteliste. Kapazitäten entstehen dort erst in der zweiten Jahreshälfte durch einen Anbau an die Kita Sonnenschein an der Ohmstraße (23 Ü3-Plätze) sowie erst im Winter durch eine Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt, die an der Frankfurter Straße eine große Kita für 75 Kindergartenkinder errichtet. „Die 50 neuen Plätze in Egelsbach sind eine schnelle Lösung und eine deutliche Entlastung für uns“, freut sich Langens Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD). Das helfe der Stadt aus der Bredouille, auch wenn das Problem deshalb noch nicht gelöst sei.

Dass die Gemeinde Egelsbach Räumlichkeiten für Kindergartenkinder „übrig“ hat, ist einem Wasserschaden zu verdanken. 2012 schlug eine Anlage in der Kita im Brühl leck, Wasser drang ein, es kam zu Schimmelbefall. Die Einrichtung wurde geschlossen, als modulare Ersatzlösung auf dem gleichen Gelände mietete die Gemeinde Container an. Nach jahrelangen Verhandlungen über Schadenersatzzahlungen der beteiligten Bauunternehmen wird die Ursprungs-Kita jetzt saniert, die Egelsbacher Kindergartenkinder sollen sie im Frühjahr wieder beziehen können. Die Gemeinde gibt die gemieteten Container aber nicht zurück, sondern stellt sie den Langener Kindern zur Verfügung. Bis zum Frühjahr rückt man in dem Modulbau eben ein bisschen enger zusammen.

Die Egelsbacher sind bei der Kinderbetreuung aber nicht nur räumlich gut ausgestattet, sondern auch personell bestens aufgestellt. Bürgermeister Tobias Wilbrand (Grüne) erklärt, schon vor längerer Zeit habe es einen politischen Beschluss gegeben, Springer einzustellen, die die pädagogische Arbeit für das Stammpersonal einfacher machen. Die Erzieherinnen müssen somit beispielsweise in Urlaubszeiten der Kollegin nicht alleine mit den Kindern klarkommen. Der Springer-Pool sei mittlerweile sehr groß, so Wilbrand. Dass die Gemeinde bei der Bezahlung auch die Vor- und Nachbereitungszeiten berücksichtigt, ist noch ein zusätzliches Pfund, mit dem bei den Erzieherinnen gewuchert werden kann. Die Folge: Sie bleiben der Kommune treu, wandern nicht ab.

„Wir haben schon früh relativ viel in die Kinderbetreuung investiert“, sagt Wilbrand. Seine Kommune sei eine der ersten gewesen, die nach der höheren Tarifgruppe 8b bezahlt habe. Der Preis dafür ist ein hohes Defizit: 2017 schlug die Kinderbetreuung inklusive Grundschulbetreuung mit 3,7 Millionen Euro „Miesen“ zu Buche, war der größte Kostentreiber im 30-Millionen-Gesamthaushalt. Die 50 Vollzeitplätze für Langener Kinder sorgen nun für eine halbe Million Euro an Zusatzeinnahmen. Die Stadt Langen hat für die zwei Gruppen nämlich alles zu bezahlen: Personal, Containermiete, Abwasser, Strom und Ausstattung der Räume. Die Egelsbacher hatten es den Langenern freigestellt, ob sie in dem Modulbau Kleinkinder oder Kindergartenkinder unterbringen. „Wir wollten nur eine Vollkostenfinanzierung“, so Wilbrand.

Für die Langener Eltern sei der Vollzeit-Kitaplatz in der Nachbarkommune geringfügig teurer als ein heimischer Ü3-Platz, sagt Bürgermeister Gebhardt. Wilbrand relativiert: „Die Langener Eltern zahlen bei uns das, was auch unsere einheimischen Eltern zahlen.“

Am 2. Januar sind die zwei Langener Gruppen im Egelsbacher Modulbau mit je einem Dutzend Plätzen gestartet. Nach der Eingewöhnung wird dann sukzessive aufgestockt. „Wir haben unsere gute personelle Ausstattung damit ein bisschen reduziert mit dem Risiko, dass wir auch mal Ausfallzeiten haben“, sagt Wilbrand. Das sei aber mit den Leitungen der Kitas und der pädagogischen Gesamtleitung abgesprochen.

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