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Die Pflanzenraritäten und Schaugärten waren nicht nur für Fotografen etwas Besonderes.

Langen

Ein Ereignis für alle Sinne

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Das Thema Italien ist beim Fürstlichen Gartenfest vielfältig umgesetzt worden. Mehr als 20 000 Besucher ließen sich entspannt für den heimischen Garten inspirieren .

Der Rat von Rosendoktor Stefan Rücker ist gefragt: Ständig ist der Stand der Rosenfreunde Frankfurt umlagert, wollen Hobbygärtner von ihm wissen, was sie denn falsch gemacht haben, weil die Rosen in diesem Jahr nicht so blühen wollten wie sie sollten. Dennoch: Gedränge gibt es nicht, die Ratsuchenden warten geduldig, sind tiefenentspannt – wie auch alle anderen Besucher des Fürstlichen Gartenfestes in Schloss Wolfsgarten bei Langen.

Mehr als 20 000 Besucher bevölkern den Schlosspark an den drei Gartenfesttagen – und trotzdem ist von hektischer Einkaufsatmosphäre nichts zu spüren. Auf dem riesigen Gelände der Landgrafen von Hessen ist Lustwandeln zwischen den 175 Verkaufsständen angesagt. Schauen, riechen, fühlen und staunen, dazu hier noch ein Nana-Minz-Tee bei lauen Temperaturen unter dem Sonnenschirm, dort geistige Nahrung bei einer Lesung mit Gitarrenbegleitung und zwischendurch die Stärkung mit Pasta oder Bruschetta. Binnen sieben Tagen haben fleißige Hände die trostlosen, vertrockneten Rasenflächen im Schlosspark mit hübschen weißen Pagodenzelten für die Aussteller bestückt, haben Stehtische, Sonnenschirme und Sitzgelegenheiten aufgebaut.

Italien ist in diesem Jahr auf dem Gartenfest zu Gast und begegnet den Besuchern nahezu überall. Am Stand von Eduardo Zanghirella etwa, der aus Venedig angereist ist, Trüffel- und Knoblauchsalami anbietet und gerade dicke Scheiben von großen Parmesanlaiben herunterschneidet. Oder bei Dr. Heinrich Niewöhner aus Düsseldorf, der Blumenzwiebeln verkauft und dabei Alpengarten-Raritäten und mehr als 100 Sorten Citrus-Gewächse im Gepäck hat. Oder bei Italia Feinkost aus Fulda, wo man Olivenöl, italienische Gewürze und Pesto erstehen kann.

Thomas Gerber, Inhaber von „Toskanagarten“ aus dem unterfränkischen Ort Burglauer, hat seine Sache besonders gut gemacht. Er ist einer der Aussteller, der von einer Fachjury prämiert worden ist. Der alte Fiat 500, Baujahr 1969, der vor seinen Zypressen, Terracottatöpfen und original italienischen Fensterläden platziert ist, hat ihm den Pressepreis beschert.

Italien hat auch am Stand der niederländischen Stiftung E.P.R.I.C. Einzug gehalten. Stiefelbaum und Pizza-Rasen verhalfen dem Aussteller zum Sonderpreis.

Alle Floristen durften eine Pflanze auswählen, die sie für die Prämierung zum Thema „hitzeresistente Pflanzen“ anmelden konnten. So kam die Gärtnerei Bartels aus Delmenhorst mit ihrem Gewächs Calycanthus zu einem Botanikpreis. Das Ehepaar hat den lang blühenden Gewürzstrauch mit burgunderroten Blüten kultiviert. „Dass ein Gehölz das ganze Jahr Blüte macht, ist sehr selten“, begründet Beatrice Bartels die Auswahl.

Auch die Zimmerpflanze Tabaiba von Norman Pelz aus Menden hat einen Botanikpreis abgeräumt. Das Wolfsmilchgewächs, das auf Lanzarote und in Südafrika vorkommt, wachse untypisch langsam und verzweige sich von ganz allein bonsaiartig, verrät der Kakteengärtner.

Die Pflanze Sideritis syriaca hat es dem Hausherrn Donatus Landgraf von Hessen besonders angetan; er vergab dafür „seinen“ Preis. „Das ist griechischer Bergtee“, sagt Stefanie Dittrich, Auszubildende am Stand der Staudengärtnerei Eidmann aus Groß-Umstadt. „Schmeckt sehr gut, hat eine heilende Wirkung“, erklärt ihre Kollegin Eva Domes.

Ein älterer Herr macht es sich gerade am Stand von „Holzleidenschaft“ aus Poppenhausen auf einer hölzernen Entspannungsliege aus Zedernholz bequem. „Die schwingt erst vorwärts und rückwärts und dann kreisrund wegen der Erddrehung“, erklärt ihm Inhaber Mario Link. „20 Minuten, dann schlafen Sie.“

Ein paar Stände weiter macht ein tiefer Ton auf „Die Welt der 1000 Klänge“ aus Moosburg aufmerksam. Große geschmiedete Bronzegongs aus China sind dort aufgehängt, eine junge Frau streicht mit dem Schlegel über die glänzende Oberfläche und erzeugt so dunkle und helle Töne.

Am Stand der Philipp-Holzmann-Schule wird noch fleißig gearbeitet. Dort sind Azubis zu Gange, die Landschaftsbau lernen. Auf ihrer Lehrbaustelle lassen sie während der drei Messetage einen Schaugarten mit Pergola und Brunnen entstehen, pflanzen Oliven, Rosen, Hortensien und Wein. Für das vorbildliche Nachwuchsprojekt gab es den Schaugartenpreis.

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