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Eldorado für Sonnenanbeter: Das Strandbad am Langener Waldsee lockt im Sommer zehntausende Gäste aus der ganzen Region an.

Vorgaben von 1991

Ringen um den Langener Waldsee: Pläne könnten See grundlegend verändern

Planungen aus den 1980er Jahren sehen die Verlagerung des Ufers am Langener Waldsee vor. Sie würden vieles ändern.

Langen – Wenn auf politischer Ebene über den Langener Waldsee im Landkreis Offenbach diskutiert wird, geht es seit Jahren ausschließlich um die Südosterweiterung, um Waldrodung und weitere Auskiesung. Doch es gibt auch andere, ganz anders gelagerte Probleme rund um den See. Und deren Lösung will der Magistrat nun angehen.

„Jahrelang ist der See gewachsen und gewachsen, jetzt schrumpft er wieder“, sagt Joachim Kolbe, städtischer Fachbereichsleiter und Geschäftsführer der Bäder- und Hallenmanagement Langen GmbH (BaHaMa). Grund sind Planungen aus den 1980er Jahren, die seinerzeit der Umlandverband (heute Regionalverband) verantwortete und die 1991 in einem Planfeststellungsbeschluss mündeten. Dieser hat heute noch Gültigkeit und beinhaltet Verfüllungen und Rekultivierungen, die den Zuschnitt der Wasserfläche verändern und somit die weitere Nutzung für Sport und Freizeit einschränken oder gar ganz unmöglich machen würden. Und das wollen weder die BaHaMa noch der Magistrat.

Langen Hessen: Strandbad am Langener Waldsee schreibt seit Jahren Gewinne

Knapp 800.000 Quadratmeter Wasserfläche hat der Langener Waldsee aktuell. Sein Strandbad lockt im Sommer zehntausende Badegäste aus dem gesamten südlichen Rhein-Main-Gebiet an. Es schreibt seit Jahren Gewinne – „nur deshalb kann sich Langen überhaupt drei Bäder leisten“, sagt Kolbe. Beliebt ist der See auch bei Seglern, Surfern, Anglern und Triathleten. Und das soll so bleiben.

Dem entgegen stehen aber die Rekultivierungsvorgaben des Planfeststellungsbescheids von 1991 für die Westgrube. Diese sehen eine Veränderung der Uferlinie im Südosten und Osten samt einer Insel vor. Die Wasserfläche würde sich dadurch deutlich reduzieren. Erschwerend hinzu kommt nach Kolbes Aussagen die Ausdehnung der sogenannten Spülfläche im Westen des Sees. Sie entsteht durch die Ablagerung der Fein- und Schwemmsände aus dem Kieswaschwasser der Aufbereitungsanlage, die von der Firma Sehring Sand & Kies GmbH & Co. KG betrieben wird. 

Langen Hessen: Gefahr, dass Langener Waldsee verlandet

Es bestehe die Gefahr, dass der See teilweise verlandet. Und dass aktuell der Wasserspiegel wieder einmal sinkt (allein in diesem Jahr um knapp einen Meter), verschärft die Situation weiter. Die Folge wäre: Auf dem See könnten dann weder Segelregatten noch das Schwimmen der Ironman-Europameisterschaft stattfinden.

Aber noch einmal zurück zu den Vorgaben aus dem Planfeststellungsbeschluss: Ihm zugrunde liegen Ideen und Vorstellungen der 1980er Jahre. Sie umfassen neben dem jetzigen Strandbad im Norden (gedacht für die Frankfurter) ein zweites im Süden mit ausladenden Strandflächen und mit Busverbindung nach Langen. Seinerzeit betrieben der Umlandverband Frankfurt (UVF) und die Stadt Langen das Strandbad gemeinsam. Durch eine gesetzliche Änderung wurde die Zusammenarbeit im Jahr 2000 beendet. Die Kommune beziehungsweise seit 2003 die BaHaMa ist seitdem wieder allein verantwortlich.

Langen Hessen: Pläne für Langener Waldsee müssen korrigiert werden

„Im Planfeststellungsbeschluss von 1991 sind eine ganze Menge Dinge festgeschrieben, die aus heutiger Sicht einer Korrektur bedürften“, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt. Und Kolbe ergänzt: „Niemand will den Planfeststellungsbeschluss ändern, aber wir wollen ihn in einigen Bereichen anpassen.“ Dies sei aber politisch, juristisch und auch menschlich äußert kompliziert. Zumal für den Waldsee Bergrecht gilt und die Stadt somit nur indirekt wirken kann; Änderungen müssten von der Firma Sehring beantragt werden.

An diese Vorgaben gebunden, ist Sehring derzeit jedoch dabei, die ausladenden Strandflächen im Südosten aufzuschütten. Für Gebhardt und Kolbe wäre ein zweiter Sandstrand aber die denkbar schlechteste Lösung. Aufgrund der Kosten für Erschließung (verkehrliche Anbindung, Parkplätze, Abwasserentsorgung, Wasser- und Energieversorgung) sowie Doppelstrukturen beim Personal wäre dies für die BaHaMa „mit Sicherheit ein Verlustgeschäft“, so Gebhardt.

Langen Hessen: Wie soll der Langener Waldsee in Zukunft aussehen?

Aber auch eine unbewachte Badefläche sei keine Alternative, betont Kolbe und verweist auf fehlende sanitäre Infrastruktur und Gefahren durch nicht vorhandene Überwachung des Badebetriebs. Zudem werde einer Vielzahl illegaler Nutzungen wie Partys und Grillfesten Raum geboten. Und schließlich würde eine offene Ufergestaltung die Attraktivität für unerwünschte Tierarten wie Kanada- und Nilgänse deutlich steigern und damit die Probleme mit diesen Vögeln verschärfen.

Das Ziel ist aber ganz klar: Der Langener Waldsee soll in seinem bisherigen Zuschnitt ein regionales Freizeit-, Sport- und Erholungsgebiet bleiben. Nebenbei soll die Situation für die Vereine verbessert werden (eigene Zufahrten, Strom- und Abwasseranschluss). Deshalb plädiert der Magistrat dafür, dass gemeinsam mit der BaHaMa, der Firma Sehring, den ansässigen Vereinen und einem Fachbüro ein Konzept erarbeitet wird, das die alten Planungen korrigiert, eine geringere Ausdehnung der Spülfläche ermöglicht und im Hinblick auf eine modifizierte Uferlinie im Südosten einer Umweltverträglichkeitsprüfung standhält. 

Langen Hessen: Langener Waldsee als regionales Erholungsgebiet

Mit im Boot sitzt der Regionalverband Frankfurt RheinMain, der der Überzeugung ist, dass die Bedeutung des Waldsees im Ballungsraum sogar noch zunehmen wird. Er will nach Kolbes Informationen dazu beitragen, die Funktionen und Möglichkeiten der Einrichtung aufzuwerten.

Politische Beratung

Die Vorlage des Magistrats liegt dem Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport in seiner Sitzung am Donnerstag (24.10.2019) zur Beratung vor. Die Beschlussfassung in der Stadtverordnetenversammlung ist für Donnerstag (05.12.2019) geplant.

VON MARKUS SCHAIBLE

Eine Demonstration mit dem Titel „Hände weg vom Bannwald“ hat den erbitterten Streit zwischen Gegnern und Befürwortern des Kiesabbaus am Langener Waldsee wieder einmal befeuert.

Wetterprognose: Am Freitag wird es in Hessen ungemütlich. Lokal kann es laut DWD Gewitter geben, ein kräftiger Wind weht. Samstag und Sonntag werden kaum besser.

Der Bedarf an Wohnraum in Langen birgt ungeheure soziale Sprengkraft. Mehr als 3000 Menschen sollen etwa bald an der Liebigstraße wohnen. Die Planung geht auf die Zielgerade.

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