Am 15. März sind Stefan Löbig (links) und Jan Werner in der Stichwahl wieder Kontrahenten.
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Am 15. März sind Stefan Löbig (links) und Jan Werner in der Stichwahl wieder Kontrahenten.

Langen

Bürgermeisterwahl: Nicht einmal jeder Zweite wählte in Langen

Die Bürgermeisterwahl in Langen interessierte zu wenige, obwohl im Vorfeld viel Werbung gemacht wurde.

In Langen haben Parteien, Kandidaten und unabhängige Initiativen nichts unversucht gelassen, um die rund 28 000 Wahlberechtigten zur Bürgermeisterwahl an die Urnen zu bringen. Trotzdem hat nicht einmal jeder Zweite am Sonntag sein Kreuzchen auf den Wahlzettel gemacht.

Knapp 45 Prozent Wahlbeteiligung sind nur zwei Prozentpunkte mehr als bei der Bürgermeisterwahl vor sechs Jahren (damals: 42,98 Prozent) – trotz der unabhängigen Initiative Wählengehen, die sich vor drei Jahren gründete und mit Öffentlichkeitsarbeit und Plakaten für die Stimmabgabe warb.

„Dass nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung zur Wahl geht, ist schon bedenklich“, sagte denn auch die SPD-Bürgermeisterkandidatin Angela Kasikci. „In anderen Ländern kämpfen Menschen um ihr Wahlrecht, und bei uns bekommen sie es auf dem Silbertablett präsentiert und nehmen es nicht wahr“, ärgerte sie sich. Dabei betreffe die Bürgermeisterwahl die Leute doch in ihren direkten Lebensbereichen, und die Wahl selbst sei mit einem einzigen Kreuzchen sehr einfach.

Mit ihrem eigenen Abschneiden war die SPD-Frau zufrieden – auch wenn es am Sonntag nur zum dritten Platz und damit nicht für die Stichwahl am 15. März reichte. „Es war ja ein Kaltstart für mich“, sagte sie. Das Ergebnis sei „wirklich respektabel“, zumal ihre Partei auch bundespolitisch aktuell keinen Rückenwind habe. Von Anfang an sei ihr klar gewesen, dass sie und der Grünen-Kandidat Stefan Löbig in ähnlichen Gewässern fischen – sprich: in der gleichen Wählerschicht – und sich gegenseitig Stimmen wegnehmen würden. Auch nach der sonntäglichen Niederlage werde sie der Kommunalpolitik treu bleiben und fürs Stadtparlament kandidieren.

Claudia Trippel, die Bürgermeisterkandidatin der FWG-NEV, hatte sich „ein bisschen mehr erhofft“. Sie sei aber „sehr zufrieden, dass der SPD-Erbhof jetzt beendet ist“. Am Sonntag ging nämlich eine Ära zu Ende: Seit 1945 hat die SPD in Langen den Bürgermeister gestellt.

„Zwei Prozent für zwei Monate Wahlkampf“, damit sei sie zufrieden, sagte die parteilose Stephanie Tsomakaeva. Sie werde auch in Zukunft als „Pinkweste“ unterwegs sein, um ihrer Forderung nach Amtszeitbegrenzung für Politiker oder auch Haftung für Steuerverschwendung Nachdruck zu verleihen.

Der ebenfalls parteilose Joost Reinke hätte sich ein bis zwei Prozent mehr gewünscht, „aber mit knapp 1400 Euro Budget war gegen die Marketingmaschinen der anderen kein Staat zu machen“. Er beklagte sich über „Trolle“, die ihm in den sozialen Medien halbanonym oder anonym die Worte verdreht hätten.

Am heutigen Dienstag will sich die SPD zusammensetzen, um zu entscheiden, ob sie eine Wahlempfehlung für Löbig ausspricht. Auch bei der FWG-NEV-Fraktion soll heute Abend eine Entscheidung fallen, ob sie einen der Kandidaten bei der Stichwahl am 15. März unterstützen wird.

Am 30. Juni läuft übrigens nicht nur die Amtszeit von Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD), sondern auch die Amtszeit des Ersten Stadtrats ab. Man darf gespannt sein, ob dieses Amt dann für einen der unterlegenen Kandidaten eine Option ist.

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