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Ein Kunststar im Elternhaus

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Von: Andreas Hartmann

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Katarina Peters ist mit Bildern ihres einst weltberühmten Vaters Jürgen im „Elternhaus“ von Anjali Goebel zu Gast.
Katarina Peters ist mit Bildern ihres einst weltberühmten Vaters Jürgen im „Elternhaus“ von Anjali Goebel zu Gast. © Renate Hoyer

Die Regisseurin Katarina Peters erinnert an ihren einst weltberühmten Vater Jürgen, dessen Werke vor allem in den USA in zahlreichen Wohnzimmern hingen.

Im Film „Kramer gegen Kramer“ streiten Dustin Hoffman und Meryl Streep ziemlich eindrücklich miteinander, „und zwar passenderweise vor einem Bild meines Vaters“, erzählt die Berliner Regisseurin und Künstlerin Katarina Peters. Den hatte seine Kunst in den 70er Jahren zum internationalen Star gemacht, schwerreich und omnipräsent.

Werke von Jürgen Peters hingen vor allem in den USA in zahlreichen Wohnzimmern. Sie traffen den Zeitgeist wie wenige andere. Es gibt unendlich viele Fernsehserien, die mit Peters’ Arbeiten dekoriert wurden. Auch Buchgestalter wählten seine bunten Bilder gerne für Umschläge für Lebensratgeber oder Computer-Einführungen in längst vergessene Computersprachen. Die Geschichte des Malers, überhaupt die der ganzen Familie, ist selbst spannend wie ein Film und zeigt gleichzeitig so deutlich wie selten, wie launisch der Geschmack des Kunstmarkts und des Publikums ist.

Ein Vermögen mit Kunst

Aufstieg und Fall, die Kurzfassung: Der Vater soll eigentlich eine Metzgerlehre machen, obwohl er doch so sensibel ist. Ergattert als Hochbegabter einen Platz an der Hamburger Kunsthochschule. Lernt eine Frau kennen, die schwanger wird, ein „Unfall“, wie man das so unschön nennt. Die junge Familie haust im Gartenhaus, doch dann trifft er mit seinen Bildern offenbar den Zeitgeist. Wird schnell berühmt und verdient ein Vermögen. Die Eltern ziehen in die USA, lassen die einzige Tochter mit 16 Jahren in Hamburg zurück. Villa mit Meerblick bei San Francisco, Yacht in der Bay, eigene Angestellte, viele Galeristen, noch mehr Kunden.

Und dann: Geschmackswandel, Misserfolg, Pfändung, viel zu viel Alkohol. „Er hat sich am Dosenbier festgehalten“, sagt die Tochter. Irgendwann arbeitet der Vater als Wachmann. Die Eltern kommen zurück nach Deutschland, Trennung, endgültiger Absturz. Schließlich bittet der Vater, obdachlos geworden, seine Tochter, die inzwischen eine bekannte Regisseurin ist und preisgekrönte Dokumentarfilme gedreht hat, um Hilfe. Und hat dann auch noch am Ende seines Lebens sein schwules Coming Out. Schreibt das Leben nicht die besten Geschichten?

Erstmals hat Katarina Peters nun den Nachlass ausgepackt, der seit dem Tode des Vaters 1997 in zahllosen Kisten in ihrem Keller am Potsdamer Platz lagerte. Tausende Kunstwerke stapeln sich dort, dazu Tagebücher, Erinnerungsstücke oder auch der weiße Arbeitsanzug, den die Tochter nun selbst trägt. Und zum allerersten Mal seither zeigt sie nun eine Ausstellung mit Werken des Vaters – und zwar nicht in Berlin, sondern in Sprendlingen, im Elternhaus von Anjali Göbel, ebenfalls Künstlerin.

„Wir sind uns bei einer Tagung begegnet und haben kurz miteinander geredet“, berichtet Göbel, die das Haus als Galerie nutzt. „Wir hatten sofort einen Draht zueinander und wussten, dass wir etwas gemeinsam machen wollen“, ergänzt Peters. Beide sind 58, beide haben einen Nachlass, den es zu bewältigen galt und gilt.

Göbel hat aus dem Ausräumen des elterlichen Hauses eine sehr ästhetische, sich immer wieder verändernde Kunst-Aktion gemacht, und Katarina Peters dreht einen Film über den Vater. Die ersten Minuten sind bereits fertiggestellt, und er verspricht, sehr sehenswert zu werden. „Diesen Prozess der Transformierung machen wir ja nicht nur für uns selbst, sondern für andere“, betont Göbel. Kein Zweifel: Es lohnt sich, Jürgen Peters und seine doch sehr qualitätvollen Arbeiten wiederzuentdecken – das „Elternhaus“ bietet dazu nun drei Wochenenden lang die Gelegenheit.

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