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Manouchehr Moshtagh Khorasani (links) gibt sein Wissen in Dietzenbach weiter.

Dietzenbach Razmafzar

Kriegsstrategien fürs Büro

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Sportler in Dietzenbach rekonstruieren die historische persische Kampfkunst Razmafzar. Die Trainingswaffen, Schwerter und Schilder, werden nach historischen Vorlagen geschmiedet.

Es klirrt laut metallisch, als der gekrümmte Säbel von Michael Große auf den Schild von Manouchehr Moshtagh Khorasani trifft. Der hebt den Rundschild an, weicht einen Schritt zurück und holt zu einem schnellen, eleganten Schlag aus. Sein Säbel stoppt kurz vor Großes Achselhöhle. „Das wäre ein Treffer“, sagt Khorasani.

„Razmafzar“, „Kriegswaffen“, heißt der Kampfsport, den der promovierte Anglist und Amerikanist unterrichtet. „Es ist die historische Kampfkunst der alten Perser, wie sie über Jahrhunderte praktiziert wurde.“

Der 48-Jährige hat mehrere Bücher über die Waffen der Perser geschrieben, hatte Zugang zu iranischen Museen und Archiven. Dann packte den Kampfsportler das Interesse, die alten Kampftechniken zu rekonstruieren. Rund 20 Jahre hat er geforscht. „Und immer hieß es üben, üben, üben. Die historischen Abbildungen und Texte zeigen uns viel, aber wie genau man einen Säbel oder einen Bogen halten muss, das musste ich erst selbst ausprobieren.“ 2012 ging er mit seiner Forschung an die Öffentlichkeit und erteilt seitdem zweimal pro Woche Unterricht im Noruken-Kendo-Dojo in Dietzenbach.

Die Teilnehmerzahl sei überschaubar, sagt Khorasani. Ín Deutschland gebe es gut 20 Anhänger, in Prag 30, „hauptsächlich Stuntmänner“. Auch in Schottland und Kanada gebe es Schulen, demnächst sollen Schweiz und Italien folgen.

Daoud Ahbouki ist das erste Mal dabei, Dirk-Uthman Hillen hat ihn aus Köln mit nach Dietzenbach gebracht. „Ich habe eine Vorführung gesehen und wollte es unbedingt ausprobieren“, sagt Ahbouki, „aber dass es so schwierig ist, ein Schwert zu halten, hätte ich nicht gedacht“. Hillen trainiert seit Anfang des Jahres, reist extra aus Köln an. „Spannend ist, dass es sich um eine rekonstruierte Kampfkunst handelt – und es mal etwas anderes ist als die asiatischen Künste.“ Sein Ziel ist es, in Köln selbst zu unterrichten.

Schwerter sind stumpf

Khorasani ruft auf, die „Shamshir“ genannten Schwerter beiseite zu legen, Ringen steht nun auf dem Programm. „Mir gefällt gut, dass es eine umfassende Kampfkunst ist: Es wird mit Waffen gekämpft, aber auch gerungen oder geboxt“, sagt Andrea Duka. Die Frankfurterin soll mit Trainingspartner eine Hebeltechnik vorführen. Auf Kraft komme es da nicht an, sondern mehr auf Geschick. „Gerade als Frau ist es ein gutes Gefühl, durch den Kampfsport mit heiklen Situationen umgehen zu können – und auch bei Verhandlungen im Büro sind die Kriegsstrategien hilfreich“, sagt sie und lacht.

Die Sportler trainieren in roten Judokitteln, Chukhe genannt. Die Trainingswaffen sind nach historischen Vorlagen geschmiedet, rund 80 Euro kostet eines der knapp ein Meter langen Krummschwerter. Obwohl sie stumpf sind, muss jede Bewegung kontrolliert erfolgen. Das „Separ“ genannte Schild ist klein, es ist als zweite Waffe zu gebrauchen, erklärt Khorasani. „Anders als bei europäischen Schilden kann man sich nicht dahinter verstecken. Wir nutzen es, um den gegnerischen Schlag zu kontern.“

Eine Besonderheit ist, dass alle Übungen mit rechts und mit links auszuführen sind. Außerdem trainieren die Kampfsportler bei einem Schützenverein den Umgang mit dem Bogen. Da im alten Persien auch zu Pferde gekämpft wurde, sucht Khorasani noch einen Reiterhof. „Es geht darum, diese Kampfart originalgetreu wiederzubeleben“, sagt Große, der sie mit Khorasani oft auf Fechtsymposien vorstellt. Drei Stunden dauert ein Training, am Ende sind alle erschöpft. „Zumba braucht es dann nicht mehr“, sagt Große.

www.moshtaghkhorasani.com

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