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Kreisler, Klavier und Klarinette

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Von: Andrea-Maria Streb

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Mika Degaida und Heinz Hepp führen einen äußerst musikalischen Haushalt.
Mika Degaida und Heinz Hepp führen einen äußerst musikalischen Haushalt. © Rolf Oeser

Die Dreieicher Mika Degaita und Heinz Hepp sind seit mehr als 50 Jahren ein Duo und ein Paar. Sie geben geben Benefizkonzerte und unterstützen Musiker.

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Will man von dem Musikerpaar sprechen, muss man mit Georg Kreisler beginnen. Denn der Verfasser von bitterbösen Liedern wie „Tauben vergiften“, der Sänger, Autor und Komponist hat es ihnen angetan. Mit ihrem Kreisler-Programm sind Mika Degaita und Heinz Hepp erst kürzlich wieder aufgetreten: in München und im jüdischen Treffpunkt für Holocaust-Überlebende in Frankfurt. „Kreisler hat es verdient, dass er weiterhin gespielt und bekannt gemacht wird“, sagt Hepp, und seine Augen leuchten – der kritische Kopf steht ihm nahe.

Die Pianistin Degaita und der Klarinettist und Sänger Hepp, sie sind seit mehr als fünf Jahrzehnten ein Paar. Sie haben zwei Kinder und vier Enkel; leben in ihrem Haus im ruhigen Dreieicher Stadtteil Götzenhain. Und sie sind ein Duo, das seit ebenso vielen Jahrzehnten gemeinsam, aber auch mit anderen Musik macht. 30 Jahre lang war Heinz Hepp Solo-Klarinettist beim HR-Sinfonieorchester, seine Frau Mika Degaita arbeitete freiberuflich. Heute nutzen sie ihr Können für andere. Sie geben Benefizkonzerte, unterstützen Musiker. Es geht ihnen gut, und sie möchten teilen.

In Dreieich kennt man sie etwa von ihren Neujahrskonzerten unter dem Titel „Drei Generationen machen Musik“. Zugunsten des Bürgervereins Götzenhain spielen Degaita und Hepp mit Sohn Andreas und Enkel Artur – Kreisler natürlich, aber auch Salonmusik der 20er bis 40er Jahre.

Denn auch rund um die Schlager dieser Zeit hat das Künstlerpaar Programme entwickelt. Dabei versieht Hepp die Musik mit eigenen aktuellen Texten. Politisch wach, zeitkritisch und mit Lust an der Satire entstand so ihr Programm „Berlin nostalgisch“. „Die Musik ist gut, doch die Texte passen heute nicht mehr“, findet Hepp. „Das ist eine Form des Protests, die ich machen kann.“ Die Menschen zum Nachdenken bringen, das wünscht er sich.

Ihr politisches Interesse führen die beiden auch auf ihren früheren Nachbarn Karl Anders zurück. Der Autor und Verleger, der in den 50er Jahren Verlagsleiter und Geschäftsführer der Frankfurter Rundschau war, habe ihnen „die Augen geöffnet“, wie Degaita es ausdrückt. Dieses Interesse hat das Paar künstlerisch umgesetzt, etwa in Programmen zu Heine oder Büchner.

Mit dem Singen hat der Klarinettist Hepp dabei erst vor einigen Jahren so richtig begonnen. „Als ich jung war und in einem Salonorchester spielte, habe ich zwar den Sänger vertreten“, erzählt er. Aber dann trat der Gesang in den Hintergrund. Vor einigen Jahren nahm er dann doch noch mal Gesangsunterricht. Seine Frau sagt: „Es kommt gut an, wenn er singt, die Leute toben.“

Degaita und Hepp haben sich Anfang der 60er Jahre kennengelernt, als sie beide an der Musikakademie in Detmold studierten. Degaita hatte bereits in ihrer Heimatstadt Athen ihr Examen als Konzert- und Kammermusikerin mit Auszeichnung bestanden, als sie mit einem Stipendium nach Deutschland kam. „In Detmold waren die Studenten in einem strengen Internat untergebracht, nach Männern und Frauen getrennt, das beruhigte meine Mutter. Aber dann habe ich ja doch gleich jemanden kennengelernt.“

Die Pianistin hat seither viel im Duo mit Hepp gearbeitet, aber auch im Trio mit Violinisten oder Cellisten und in größeren Ensembles. Die Veröffentlichungen des Paars ergeben zusammen über 100 Aufnahmen, sagt Hepp. Er hat als Kind mit dem Geigenspiel begonnen, später Klarinette und Saxofon gespielt. Hepp ist in Thüringen aufgewachsen, unweit der späteren Zonengrenze. Mitte der 50er Jahre erhielt der damals 17-Jährige eine Reisegenehmigung zu Verwandten in Wuppertal. Er blieb im Westen. „Mit nichts als einem Koffer bin ich hier angekommen“, sagt er.

Als Hepp und Degaita in den 80er Jahren ihr Götzenhainer Haus mit einem Anbau versehen hatten, begannen sie, Hauskonzerte zu geben. Mehrmals im Jahr lädt das Paar seither Gäste dazu ein. „Wir hatten auch schon 100 Leute hier“, sagt Hepp. Die Besucher hören dann Konzerte bekannter Musiker oder sehen andere Künstler.

„Giora Feidmann war schon bei uns, Robert Kreis“, berichtet Hepp. Für diese Veranstaltungen nimmt das Paar Eintritt, den es für einen guten Zweck verwendet: um Künstler zu unterstützen oder für soziale Belange.

Die nächste Gelegenheit, das Künstlerpaar zu erleben, bietet sich am 31. März im Heinrich-Heine-Club in Offenbach. Dort macht das Duo, gemeinsam mit Sohn Andreas Hepp (Schlagzeug) und Arnold Ilg (Violoncello) die Musik zum Stummfilm „Hamlet“ aus dem Jahr 1921. Zusammengestellt hat das Paar die Stücke natürlich selbst.

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