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Die stillgelegte Mühlheimer Fähre liegt in Maintal-Dörnigheim wieder vertäut am Mainufer.

Mühlheim

Kreis schreibt die Fährverbindung über den Main neu aus

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Der Kreis Offenbach hat einen Vergleich mit dem Betreiber der Mühlheimer Fähre geschlossen. Dieser findet den Umgang mit ihm „enttäuschend“.

Der Kreis Offenbach sucht einen neuen Betreiber für die Mainfähre, die zwischen Mühlheim und Maintal-Dörnigheim verkehrt. Mit dem bisherigen Betreiber Mahir Kolbüken sei ein Vergleich geschlossen worden, teilte der Kreis am Montag mit. Der Kreis hatte ihm am 26. August den Vertrag mit sofortiger Wirkung gekündigt, weil das Schiff am 8. Juli nur wenige Stunden nach der Wiederinbetriebnahme havarierte. Kolbüken ging gegen diese außerordentliche Kündigung rechtsanwaltlich vor. Mit dem Vergleich ist der Weg nun frei für eine erneute Ausschreibung der Fährverbindung.

Der Betreibervertrag sei einvernehmlich rückwirkend zum 31. August beendet worden, heißt es vonseiten des Kreises Offenbach, der Eigentümer der Fähre ist. Damit habe man einen möglicherweise monatelangen Rechtsstreit verhindern wollen. Über den Inhalt des Vergleichs sei Stillschweigen zwischen den Parteien vereinbart.

Die Unterlagen würden „so schnell wie möglich vorbereitet“, erklärte Kreissprecherin Ursula Luh. Die Ausschreibung der Verbindung über den Main werde deutschlandweit erfolgen. Beim letzten Mal hatten Interessenten vier Wochen Zeit, sich zu bewerben. Allerdings ging damals nur die Bewerbung von Mahir Kolbüken ein.

Zwei Jahre ohne Fähre
Ende Oktober 2017kündigte der Kreis Offenbach der damaligen Betreiberfamilie fristlos, weil sie gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen hatte.

Die Kreisverwaltungschrieb den Fährbetrieb neu aus und ließ das marode Schiff reparieren.

Bis zum 7. Julidieses Jahres fuhr kein Schiff zwischen Mühlheim und Maintal-Dörnigheim. Für Pendler bedeutet der Ausfall der Fähre teils erhebliche Umwege.

Am ersten Tagdes Neustarts riss nach wenigen Stunden ein Führungsseil an der Fähre. Sie trieb manövrierunfähig auf dem Main. Seither ist der Fährbetrieb wieder unterbrochen.

Am 26. Augustkündigte der Kreis daraufhin auch dem neuen Betreiber den Vertrag. ann

Dieser erklärte gestern gegenüber der FR, er habe dem Kreis klar gemacht, dass er als Pächter schon noch weiter machen wollte. Aber wenn kein Vertrauen mehr da sei, mache das keinen Sinn. „Ich reibe mich nur noch auf, wenn das Ganze vor Gericht geht und weitere sechs oder sieben Monate dauert“, sagte er.

Nach der Havarie am 8. Juli habe es mehrere Schriftwechsel zwischen ihm und der Rechtsabteilung des Kreises gegeben. „Erst als die außerordentliche Kündigung da war, habe ich einen Rechtsanwalt eingeschaltet“, sagte Kolbüken. Der Kreis sprach damals von „untragbaren Vertragsverstößen“ und warf ihm vor, er habe das Schiff von einem Mitarbeiter ohne die vorgeschriebene Qualifikation führen lassen.

Nach der Havarie habe der Kreis wissen wollen, ob er denn genügend Personal habe, wenn der Fährbetrieb weitergehen würde, berichtete Kolbüken. Er habe „Personen und Namen genannt“. Zum Neubeginn wären zwei patentiere Vollzeitkräfte zur Verfügung gestanden sowie zwei Mitarbeiter, die von den zwei Schiffsführern binnen 45 Tagen angelernt worden wären und damit dann auch die gesetzlich vorgeschriebene Qualifikation gehabt hätten. „Aber vom Kreis kamen keine Nachfragen, und es gab auch keine Resonanz“. Stattdessen sei ihm die Kündigung in den Briefkasten geworfen worden. Überhaupt moniert Kolbüken den Umgang mit ihm. Er sei „total enttäuscht“, dass es kein Gespräch mit dem Landrat gegeben habe. „Ich bin doch kein Schwerverbrecher“, äußerte er sich.

Für Petra Schneider von der Bürgerinitiative (BI) Fähre sind der Vergleich und die erneute Ausschreibung der Fährverbindung „gute Nachrichten“. Der Kreis sei somit wieder Besitzer und Eigentümer der Fähre, könne jetzt über das Schiff wieder verfügen. „Das ist der zweite Betreiber, der gekündigt wurde. Wir sind zuversichtlich, dass der Kreis Offenbach aus seinen Fehlern gelernt hat.“ Die Fähre sei repariert, die Zuschüsse seien ausgehandelt, „die Braut ist jetzt sexy“.

In den kommenden Tagen jährt es sich zum zweiten Mal, dass die Fähre zwischen Mühlheim und Dörnigheim stillsteht. Die BI Fähre organisiert deshalb am Samstag, 19. Oktober, um 14 Uhr eine Solidaritätsveranstaltung am Fähranleger in Mühlheim. Dabei gebe es Informationen über den Sachstand, so Schneider. Auch Politiker aus den Städten und Kreisen habe man eingeladen.

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