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Mehrmals hatten die Beschäftigten von BCM Kosmetik gegen die Schließung demonstriert.

Dietzenbach

Aus für Kosmetikfirma BCM

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Rund 300 Mitarbeiter der Kosmetikfirma BCM stehen ab Oktober auf der Straße.

Über ein halbes Jahr haben Beschäftigte des Kosmetikherstellers BCM in Dietzenbach um ihren Arbeitsplatz gebangt, haben mehrmals gegen die Schließung des Standorts demonstriert. Vergeblich: Der Vorsitzende der Einigungsstelle stellte am Samstagabend fest, dass die Verhandlungen über einen Interessenausgleich gescheitert sind. Damit kann der französische Mutterkonzern Fareva, der den Lohnhersteller BCM Kosmetik erst im Spätherbst 2017 vom US-Konzern Wallgreens Boots Alliance (WBA) übernommen hatte, den Betrieb zum 1. Oktober schließen. In den nächsten Tagen werden gut 300 Mitarbeiter die betriebsbedingte Kündigung erhalten.

Die Beschäftigten wurden am Montagnachmittag in einer Betriebsversammlung über das Ergebnis der Einigungsstelle informiert, die drei Mal tagte, da es in zentralen Fragen keine Bewegung gegeben hatte. Die Einigungsstelle setzte sich aus je drei Beisitzern von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite sowie einem externen Vorsitzenden zusammen.

Die Mitarbeiter erhalten nun Abfindungen, die aus dem vorhandenen bescheidenen Betriebsvermögen von BCM Kosmetik gezahlt werden – die Geschäftszahlen waren schon seit einigen Jahren wacklig. Der Fareva-Mutterkonzern mit fast 10 000 Beschäftigten und 1,4 Milliarden Dollar Jahresumsatz hatte es abgelehnt, den Sozialplan zu finanzieren. „Der Konzern hätte dafür sorgen müssen, dass BCM mit genügend Mitteln ausgestattet ist, um einen geordneten Sozialplan zu ermöglichen“, sagt Jürgen Glaser, Bezirksleiter der Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie. Nun werden die Arbeitnehmer pro Beschäftigungsjahr mit einem halben Monatsgrundgehalt abgefunden. Vor allem die vielen Frauen und Älteren, die in der Produktion arbeiten, hätten es schwer, gleichwertige Arbeit zu finden, sagt Glaser. Sie seien keine Facharbeiter, sondern übten eine „angelernte Tätigkeit in unteren Entgeltgruppen“ aus, verdienten aber ganz gut, weil sie nach dem Chemie-Tarifvertrag bezahlt wurden.

Der Betriebsrat hatte noch ein Gutachten beauftragt, das ausloten sollte, wie der Standort fortgeführt werden könnte. Doch nach kurzer Beratung erklärte Fareva, man habe kein Interesse an einer Nachnutzung.

Im Herbst 2017 hatte Fareva mit WBA einen zehnjährigen Liefervertrag geschlossen. Der Verkauf von BCM Kosmetik war dabei Teil des Deals. Es sei anzunehmen, dass die Schließung des Standorts beim Verkauf bereits festgestanden habe, so Glaser. „Es gibt Indizien, dass BCM nur ein Opfer ist und das große Geschäft der Liefervertrag war.“ Noch seien Rechtsmittel gegen den Spruch der Einigungsstelle möglich. „Aber es wird schwer, an der Entscheidung noch etwas zu rütteln.“

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