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Wolfgang Mündl zeigt seine Skulturen in seinem Garten.

Tage der offenen Ateliers

Kopfkino, Rosen und die Ratte Ludwig

Die Tage der offenen Ateliers zeigen die Vielfalt regionaler Künstler.

In der herbstlichen Sonne kommen die Skulpturen von Wolfgang Mündl richtig zur Geltung: das Schiff, mit geblähten Segeln bereit zur Abfahrt Richtung Abenteuer. Fantastische, Grimassen schneidende Köpfe oder ein Männerakt, die Arme lässig in die Hüften gestemmt. Der Künstler hat sie in seinem Dietzenbacher Garten aufgestellt – anlässlich der Tage der offenen Ateliers, die im Rahmen des Kultursommers Südhessen zum 15. Mal stattfinden. 17 Künstlerinnen und Künstler aus dem Kreis sind an diesem Wochenende mit von der Partie.

Im Erdgeschoss, wo Mündl seine Arbeitsräume hat, und das Treppenhaus hinauf bis unters Dach zeigt sich eindrucksvolle Vielfalt: Großformatige Ölbilder und intime Aquarelle, realistische Tierbilder, Landschaften und fantastische Szenerien. Die liebt Mündl ganz besonders. Ein Bild zeigt den Künstler Domino spielend am Tisch mit zwei dubiosen Typen – Schlapphüte, Sonnenbrillen, Zigarre: Eine Szene aus dem Film Buena Vista Social Club, in die sich Mündl hineinversetzt hat.

„Ich liebe Kopfkino“, sagt er, und seine Augen verraten etwas vom Vergnügen, dass er beim Gestalten hat. Der 60-Jährige eignete sich sein Können in der Volkshochschule und in Abendkursen im Städel an. Er ist Mitglied des Künstlerkreises seiner Heimatstadt Dietzenbach. Eine große Holzskulptur von ihm steht im Innenhof der benachbarten Aueschule.

Wenige Straßen weiter, bei Anna Salzl-Wegner, dominiert ein Motiv: die Rose. Schwarz-weiß und in Farbe, in verschiedenen Formaten, bedeckt es die Wände der Wohnung fast vollständig. „Ich beiß’ mich gern an einer Sache fest“, sagt die Malerin, die 1989 mit Mann und Kindern aus der Oberpfalz nach Dietzenbach kam und hier eine neue Heimat fand. Ihre Kunst hat sie sich im Wesentlichen selbst beigebracht. „Je länger ich an einem Motiv arbeite, desto mehr entdecke ich.“ Wie die Farben bei verschiedenem Lichteinfall changieren, Tiefe gewinnen, fasziniert sie besonders – ganz wie draußen im Garten, wo die „Modelle“ der Rosenbilder blühen.

Erneuter Orts- und Szenenwechsel zu Uschi Heusel. Mit ihren Cartoons rund um die Ratte Ludwig feiert die Malerin und Zeichnerin seit 1997 Erfolge. Über 1000 Folgen hat sie inzwischen gezeichnet, fünf Bücher sind erschienen, der druckfrische Ludwig-Kalender liegt auf dem Ateliertisch. Auch in großformatigen Arbeiten zeigt sich das Können und die Vielseitigkeit der Künstlerin. Die Ratte als Ludwig XIV., als englische Queen oder als französischer Präsident auf einem Käse thronend – „à la Hollande“.

Heusel träumt von einer Ausstellung im Frankfurter Museum für komische Kunst. „Das wär mal was.“ Jetzt geht es aber erstmal nach Limoges, zum internationalen Spitzentreffen der Karikaturisten. (ech.)

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