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Ismet Küpelikilinc ist neu in der Stadt.

Zuwanderer

Kompass für Neuankömmlinge

Neu-Isenburgs Migrationsberater Ismet Küpelikilinc hilft Zuwanderern

Von Maurice Farrouh

In seinem Amt als Migrationsberater ist Ismet Küpelikilinc zwar noch nicht lange. Tatsächlich hilft er Zuwanderern aber schon seit gut 30 Jahren, sich in Deutschland zurechtzufinden – seit er selbst 1979 aus der Türkei gekommen ist. „Damals war es ja noch ganz anders als heute, da gab es keinerlei offizielle Anlaufstellen oder Hilfsangebote. Da war jeder Türke, der halbwegs Deutsch konnte, ein gefragter Dolmetscher und Helfer bei Behördengängen.“

Dass Ismet Küpelikilinc sich zudem als Student und später diplomierter Politologe gut mit der Funktionsweise der deutschen Verwaltung auskannte, machte ihn bei seinen Landsleuten zu einem noch gefragteren Berater. Jetzt bietet er seine Hilfe auch Fremden an. In der Migrationsberatungsstelle im Stadtteilzentrum West, die vom Frankfurter Verein Kubi – Verein für Kultur und Bildung getragen wird, empfängt er sowohl gerade erst in Deutschland angekommene Zuwanderer als auch solche, die zwar schon länger hier sind, aber trotzdem Orientierung brauchen.

Davor hat Küpelikilinc sieben Jahre im Jobcenter des Kreises in Dietzenbach gearbeitet, wo er zudem im Ausländerbeirat und für die links orientierte Dietzenbacher Liste im Stadtparlament sitzt. „Die Arbeit als Migrationsberater hat mich inhaltlich gereizt, auch wenn die Finanzierung jedes Jahr neu bewilligt werden muss“, sagt der 51-jährige Familienvater, der mit einer Engländerin verheiratet ist. Die Stelle, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bezahlt wird, gibt es seit einem Jahr. Küpelikilinc übernahm sie im Januar. 15 Stunden die Woche arbeitet er in Neu-Isenburg, 15 im Kreis Darmstadt-Dieburg. „Das Angebot wird gut angenommen“, sagt Paola Fabri Lipsch vom Integrationsbüro.

Die Anliegen der Ratsuchenden sind vielfältig. „Das ist die ganze Bandbreite an Problemen, die Menschen mit den Behörden so haben“, sagt Küpelikilinc. Oft geht es um das Ausfüllen von Formularen, etwa fürs Jobcenter oder die Ausländerbehörde, oder um Fragen zu Aufenthaltsrecht und Staatsbürgerschaft.

Gerade für türkischstämmige Kinder ist die Entscheidung für die deutsche oder die türkische Staatsbürgerschaft, die nach dem 18. Geburtstag ansteht, oft schwierig. Generell will Küpelikilinc, der beide Pässe besitzt, weder zum einen noch zum anderen raten. „Das muss jeder selbst entscheiden.“ Der Zwiespalt, in dem viele Migrantenkinder seien, liege aber auch darin begründet, dass sie in Deutschland noch immer zu wenig akzeptiert seien.

Die Beratungsstelle, Kurt-Schumacher-Straße 8, hat dienstags und freitags von 10 bis 13 Uhr geöffnet sowie nach Vereinbarung, Telefon 06102/26830.

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