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Die 1969 errichtete Kita Martinstraße ist seit Jahren in marodem Zustand.

Dietzenbach

Einigung kurz vor der Wahl

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Der Neubau der Kita Martinstraße ist beschlossene Sache. Die Stadtverordnetenversammlung hat sich kurz vor der Kommunalwahl doch noch einigen können.

Neubau, Sanierung mit Erweiterungsbau oder doch nur eine Bestandssanierung – die Zukunft der Kita 3 in der Martinstraße wurde lange diskutiert. Nun, wenige Wochen vor der Kommunalwahl, haben die Stadtverordneten eine Entscheidung getroffen: Das marode Gebäude wird durch einen rund 2,2 Millionen teuren Neubau ersetzt. Alle Fraktionen stimmten dem Neubau zu, Grüne und WIR-BfD enthielten sich.

Von der Besuchergalerie gab es am Freitag Applaus, als die Entscheidung für ein neues Gebäude fiel. Erster Stadtrat Dieter Lang (SPD) ergriff kurz das Wort und nannte das Votum „eine wichtige Entscheidung für die Stadt und die Zukunft“. Vorausgegangen war ein jahrelanges, zähes Ringen um die Steinberger Kita.

Sechs Varianten wurden diskutiert

Denn an dem 1969 errichteten Gebäude gibt es seit Jahren Probleme mit dem Flachdach, der Heizung, den Fenstern und den Sanitärräumen. Modernisiert wurde die Kita bisher nicht, in der Beschlussvorlage heißt es, dass „existenzielle Bauteile am Ende ihrer technischen Lebensdauer angekommen“ seien.

Schon 2012 schlug der Magistrat einen Neubau vor, um dann Anfang 2013 aus Kostengründen für eine Sanierung im kleineren Rahmen zu werben. Immer wieder beschäftigte das Thema seitdem die Stadtverordneten, Besichtigungstermine wurden ausgemacht und über Sanierungsmöglichkeiten und Reduzierung von Planungskosten diskutiert. Zeitweise standen sechs verschiedene Varianten zur Debatte.

Drei blieben am Freitag übrig, der Magistrat zog den Vorschlag, für knapp eine Million Euro das bisherige Gebäude zu sanieren und auf den Anbau zu verzichten, zurück. Es sei ohnehin nur ein Vorschlag gewesen, um den Stadtverordneten mehrere Möglichkeiten anzubieten, sagte Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) auf Nachfrage von Jens Hinrichsen (FW-UDS). Hinrichsen selbst hatte eine weitere Variante, Sanierung ohne Anbau und Nutzung des U3-Gebäudes für Kinder anderer Kitas, eingereicht, dann aber wieder zurückgezogen. Auch er stimmte für einem Neubau, warnte aber vor unüberschaubaren Planungskosten. Überlang sei die Diskussion um die Kita 3 gewesen, darin stimmten alle Fraktionen überein. „Wir haben uns in den letzten drei Jahren nicht mit Ruhm bekleckert“, sagte Hinrichsen.

Das alte Gebäude sei nicht für die Zukunft der Kinderbetreuung in Dietzenbach geeignet, begründete Sabine Goeser (SPD)das Votum ihrer Partei. „Die Stadt hat eigentlich für alle Varianten kein Geld“, sagte Guido Kaupat (CDU), doch dürfe dies nicht auf dem Rücken von Eltern und Kindern ausgetragen werden. Sowohl Goeser wie Kaupat betonten, ihre Parteien hätten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht.

Gerade in Anbetracht des zu erwartenden Zuzugs von Familien sei eine Entscheidung nötig, betonte Rudolf Reitz (DL). Eine Sanierung sei „eine Wundertüte, man weiß nie, was man ausgräbt“, deshalb sei ein Neubau sinnvoller. Zwar sei man sonst nicht für die teuerste Variante, sagte Barbara Cárdenas (Linke), doch der Neubau werde befürwortet, da man nur durch ihn das pädagogische Konzept umsetzen könne. „Andere Gemeinden schließen Kitas, wir bauen welche“, sagte Artus Rosenbusch (FDP), ein Neubau sei sinnvoll, da Dietzenbach mit einem Zuwachs an Kindern rechne.

Wegen der Finanzlage der Stadt hätte seine Fraktion sich eher für die Sanierung mit Anbau entschieden, sagte Harald Nalbach (WIR-BfD). Doch wolle man sich nicht gegen eine Entscheidung stellen, begründete er die Enthaltung seiner Fraktion. „Wichtig ist, dass endlich etwas geschieht“, sagte Nalbach. Enthalten hat sich auch Andrea Wacker-Hempel (Grüne) bei der Abstimmung. Es sei wenig nachhaltig und nicht nachvollziehbar, dass öffentliche Gebäude schon „nach rund 30 Jahren abgelebt sind und Geld kosten“.

Wacker-Hempel forderte zudem einen Plan für die Kinderbetreuung in Dietzenbach. „Es ist hoch an der Zeit, dass der Magistrat ein Konzept vorlegt“, sagte sie wie zuvor schon Hinrichsen. Das Fehlen eines Gesamtkonzeptes für den erwarteten Anstieg an zu betreuenden Kindern sei „schlimmer als alles, was wir in der Martinstraße erlebt haben“, sagte Hinrichsen.

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