Rödermark

Rödermark: Kommunales Wahlrecht gefordert

Der Ausländerbeirat feiert sein 25-jähriges Bestehen. Es ertönt der Ruf nach einer besseren Finanzausstattung.

Die Erfolge des Ausländerbeirats können sich sehen lassen: Seit dem Schuljahr 2015/16 gibt es an der Schule unter den Linden islamischen Religionsunterricht, auf dem Friedhof wurde ein muslimisches Gräberfeld ohne Sargzwang eingerichtet, Veranstaltungen des interreligiösen Dialogs in der Stadt sind stets gut besucht und was die Wahlbeteiligung anbelangt, liegt Rödermark weit vorn in Hessen.

Zeit also, das Erreichte zu feiern. Daher lud der Ausländerbeirat am Samstag zur 25-Jahr-Feier in die Kulturhalle ein. Dabei befindet sich der Beirat schon im 26. Jahr seines Bestehens, wie mancher Gast augenzwinkernd anmerkte.

Aus dem demokratischen Gefüge und dem gesellschaftlichen Leben der Stadt sei der Ausländerbeirat nicht mehr wegzudenken, sagt Bürgermeister Roland Kern (AL/Grüne). Dabei waren die Anfänge nicht leicht, erinnert sich Hidir Karademir, Gründungsmitglied und erster Vorsitzender des Beirates. Man habe um das Gremium kämpfen müssen, sagt Karademir.

Bereits 1972 hätten Wohlfahrtsverbände, Kirchen und Gewerkschaften ein Wahlrecht für Ausländer zur Sprache gebracht, erst 20 Jahre später habe das Land die Wahl von Ausländerbeiräten ermöglicht. „Seitdem hat sich viel getan – nur die finanzielle Unterstützung lässt wie 1993 noch zu wünschen übrig“, sagt er und fordert mehr Geld von Land und Kommune für den Beirat.

„Die Zusammenarbeit mit der Stadt läuft sehr gut“, sagt Zahide Demiral, Vorsitzende des Ausländerbeirats. Die Vorschläge würden stets respektvoll geprüft und soweit möglich umgesetzt. Auch an der stets hohen Wahlbeteiligung sei erkennbar, dass der Beirat erfolgreich arbeite. 2010 erreichte Rödermark gar die zweithöchste Wahlbeteiligung in Hessen. Im Kreis Offenbach belegt Rödermark damit den Spitzenplatz.

Große Projekte wie islamischer Religionsunterricht, ein städtisches Integrationskonzept oder Präventionsprojekte seien umgesetzt, ein Thema aber bleibe für die Zukunft: „Das kommunale Wahlrecht für Ausländer liegt mir sehr am Herzen“, sagt Demiral. Es sei nicht einzusehen, dass EU-Bürger bereits nach drei Monaten Aufenthalt wählen dürften, andere, die seit Jahrzehnten in den Städten lebten, aber nicht. „Von mir aus soll man es so machen, dass wählen darf, wer mindestens fünf Jahre hier lebt“, sagt sie, „aber es ist wichtig, dass alle die gleichen Rechte wie Pflichten erhalten.“ Nur so sei wirkliche Inklusion möglich. „Integration ist als Begriff eigentlich veraltet – um was es geht, ist Inklusion, eine echte Einbindung“, sagt Demiral.

Im kommenden Jahr steht die Wahl des siebten Ausländerbeirats an, die Vorarbeit hat für Demiral längst begonnen. „Ich würde mir wünschen, dass sich gerade mehr jüngere Leute finden würden, die sich zur Wahl stellen“, sagt sie. Denn die Frage der Teilhabe sei zu wichtig, wie auch Karademir beim Fest erläutert: „Deutschland ist unsere Heimat – es ist ein Zeichen von Gegenseitigkeit, in Freundschaft miteinander zu arbeiten.“

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