Knallbunte Nattern und knuffige Spinnen

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Rodgau/Neu-Isenburg Kinder erfahren Wissenswertes über Kriech- und Krabbeltiere - und dürfen sie sogar anfassen

Auf sie haben alle gewartet: auf Thekla. Reglos hockt sie nun in der kleinen Plastikbox, schwarz-braun, haarig, acht Beine, acht Augen. Die Vogelspinne ist fast so groß wie die Hand von Petra Simon, die das Tier reihum den Kindern zeigt. Und die dürfen Thekla sogar streicheln, behutsam am pelzigen Hinterteil. "Voll weich", staunt der zehnjährige Rachid, "wie ein Kuscheltier". Auch Jules findet Thekla "echt knuddelig". Eine Vogelspinne als Haustier, das würde dem Siebenjährigen schon gefallen, genau wie seinem älteren Bruder Jerome.

Thekla jedenfalls wohnt bei Petra Simon, die überhaupt "ganz, ganz, ganz viele Tiere" beherbergt: Füchse, Igel, Fledermäuse, Eichhörnchen, Vögel und alles, was ansonsten durch die heimischen Gefilde prescht und pirscht. Allein im vergangenen Jahr hat sie fast 500 kranke, verletzte oder elternlose Geschöpfe in ihrer Wildtierauffangstation in Rodgau aufgenommen. Förster, Tierärzte und Privatleute bringen ihr die Tiere, um sie aufpäppeln und anschließend wieder auswildern zu lassen. Um etliche kümmert sich Petra Simon auch dauerhaft, darunter Kreaturen, die andere Menschen nicht unbedingt für possierlich halten: Spinnen, Schlangen, Skorpione, Rieseninsekten.

Manche hat sie sich selbst angeschafft. Andere bekommt sie vom Zoll oder Ordnungsamt, die exotische Exemplare beschlagnahmen, wenn sie eingeschmuggelt, ausgesetzt oder nicht artgerecht gehalten werden. Petra Simon, eigentlich gelernte Arzthelferin, hat ihre Tierliebe zum Beruf gemacht. Oder vielmehr: zur Berufung. "Jedes Tier ist etwas Besonderes und hat das Recht, auf dieser Erde zu leben", lautet das Credo der 43-Jährigen. Um das zu vermitteln, hält sie als Referentin für Tier- und Naturschutz Vorträge in Schulen und Kindergärten.

Oder in der Stadtbibliothek Neu-Isenburg. Knapp fünfzig Mädchen und Jungen drängen sich in der Kinderbuchabteilung und sind gespannt, welches Krabbelwesen die Frau mit dem Pferdeschwanz als nächstes aus der großen Truhe neben sich hervorholt. Fast alle Tiere dürfen die Kinder sogar vorsichtig anfassen. Die Fauchschabe aus Madagaskar zum Beispiel. "Fühlt sich an wie Holzkohle", meint ein Junge. "Glatt und kalt" findet ein vierjähriges Mädchen derweil die rot geringelte Königsnatter, die sich zwischen den Fingern von Petra Simon windet.

"Viele Menschen haben Angst vor Schlangen oder Spinnen", sagt diese. "Ja, meine Mama", ruft ein Kind. Viele dieser Tiere seien dabei nicht einmal giftig. Und selbst die, die es sind, würden nur stechen oder beißen, wenn sie sich in Lebensgefahr wähnten, klärt Petra Simon auf. Dazu zaubert sie gleich ein Demonstrationsobjekt aus der Kiste: einen pechschwarzen Skorpion, den sie leicht mit einem Stöckchen piesackt. Doch statt den Giftstachel niederzustoßen, versucht er, sich mit seinen Scheren zu schützen. Der zehnjährigen Maria ist der Skorpion trotzdem nicht geheuer. Aber ihn dürfen die Kinder auch nicht kraulen.

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