Der Rodaumarkt ist mittlerweile nicht nur ein Verkaufspunkt von frischer Ware, sondern auch ein Ort des Austauschs und der Begegnung.

Rödermark

Klein, aber erfolgreich

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Der Rodaumarkt auf dem Rathausplatz in Rödermark wird ein Jahr alt. Ehrenamtliche „Kümmerer“ haben den Erzeugermarkt von vornherein professionell geplant.

Donnerstags ist Peter Raesch in seinem Element. Dann fragt er hier am Marktstand nach dem Befinden, dort nach den Geschäften, hört sich hier Beschwerden an, sucht dort nach Lösungen. Er und seine fünf Mitstreiter sind das Erfolgsrezept für den Rodaumarkt in Rödermark, der am 16. Mai ein Jahr alt wird. Die sechs Senioren sind allesamt Business Angels – ehemalige Fach- und Führungskräfte, die ihre berufliche Erfahrung ehrenamtlich weitergeben. Beim Erzeugermarkt auf dem Rathausplatz fungieren sie jede Woche als „Kümmerer“.

„Wir sind der emotionale, der menschliche Kitt“, sagt Raesch. Ohne diese ehrenamtlichen „Kümmerer“ wäre der Rodaumarkt wohl nicht so beliebt und erfolgreich – obwohl er wochentags von 8 bis 14 Uhr stattfindet, also zu einer Zeit, in der die meisten Bürger arbeiten müssen. „Aber viele schauen noch vor der Arbeit vorbei oder kommen in der Mittagspause oder schicken Oma und Opa hierher zum Einkaufen“, so Raesch. Abhängig von der Jahreszeit seien es jedes Mal 150 bis 200 Käufer, die die selbst produzierten Erzeugnisse oder die von Eigenerzeugern bezogene Ware zu schätzen wissen – von frisch zubereiteten italienischen Teigwaren über den „Kartoffelmann“ bis hin zur Essig- und Öl-Manufaktur. Dazu kämen noch viele Bürger, die sich „zum Schwätzen und Schoppentrinken“ am Weinstand einfinden.

Die Business-Angels waren auch die Ideengeber. Bei einem Treffen mit der städtischen Wirtschaftsförderung habe man vor eineinhalb Jahren überlegt, wie der Ortskern von Rödermark belebt werden könnte, „damit die Menschen nicht auf der grünen Wiese einkaufen“, so Raesch. Es folgte eine Standortanalyse, welche Orte in Frage kommen. Der Rathausplatz erwies sich dank Tiefgarage und Toiletten in der nahegelegenen Kulturhalle buchstäblich als das richtige Pflaster.

Mittlerweile sei „jeder Quadratzentimeter belegt“, aus ursprünglich zehn Beschickern seien 13 geworden. Die Business-Angels haben sie sorgfältig ausgewählt. „Wir haben die erfolgreichen Märkte in Hanau, Frankfurt und Offenbach besucht, haben ein Ranking gemacht, welches Angebots-Portfolio wir brauchen, damit der Markt funktioniert“, sagt der rührige Senior. Dann führten sie „Bewerbungsgespräche“ mit Premiumanbietern aus allen Bereichen – wobei sich herausstellte, dass die fraglichen Beschicker allesamt über Jahre hinweg an den Wochenenden ausgebucht sind. „Also haben wir den Donnerstag als Markttag beschlossen.“

Flyer wurden entwickelt und per Briefkasteneinwurf verteilt, eine Facebookseite und die Internetseite rodaumarkt.de kreiert. Dort finden sich auch kleine Geschichten rund um den Markt. Das Sextett kassiert von jedem Beschicker wöchentlich drei Euro Marketingumlage, die für besondere Aktionen in einen Topf gehen – wie Frühlingsblumen für die Besucher. Drei Monate nach der Eröffnung konnten die Besucher auf einem Fragebogen in acht Kriterien Schulnoten vergeben. Ergebnis: „Unter dem Strich eine 1,8.“

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