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Die Politik muss in den kommenden Wochen darüber entscheiden, ob das Open-Air-Kino im Waldschwimmbad wieder auflebt.

Dietzenbach

Kinorettung dauert noch

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Die Fördergelder können noch nicht abgerufen werden. Zudem ist der Brandschutz kompliziert. Die Kinorettung dauert daher noch.

Es ist still geworden um die Kinorettung in Dietzenbach. Vor einem halben Jahr hatten sich Bürger für das Open-Air-Kino im Waldschwimmbad und das kommunale „Kino D“ im Bürgerhaus stark gemacht, aber seitdem ist nichts mehr passiert. Wo ist der Tatendrang geblieben, der im Juli vergangenen Jahres in einer Ideenwerkstatt zu spüren war? Christoph Zens-Petzinger, Leiter der Stadtmarketing-Agentur, beruhigt: „Alles gut.“ Das Thema sei nicht aus den Augen verloren, die konstruktiven Vorschläge aus den Reihen der Bürger kamen einfach zu früh.

Die Leinwand des Open-Air-Kinos im Waldschwimmbad blieb im vergangenen Sommer dunkel, weil der Projektor nur analoge 35-Millimeter-Filme spielen konnte, sämtliche Produktionen aber nur noch in digitaler Form zu haben sind. Das kommunale „Kino D“ im Souterrain des Bürgerhauses war schon Monate vorher zu, weil die strengen Brandschutzauflagen nicht mehr erfüllt werden konnten.

48 000 Euro kostet ein Digitalprojektor – Geld, das die Stadt weder hat noch ausgeben darf, weil Kinoförderung unter die freiwilligen Leistungen fällt. Und die sind für Schutzschirmkommunen, wie Dietzenbach nun mal eine ist, vom Regierungspräsidium quasi verboten, bis ein ausgeglichener Haushalt vorgelegt werden kann.

Um Quellen für Fördergelder anzapfen zu können, sind im Haushaltsentwurf 2016 aktuell 50 000 Euro eingestellt mit einem Sperrvermerk, den der Kämmerer aufheben kann – aber erst, wenn ein Grundsatzbeschluss über die Fortführung der beiden Kinos gefällt worden ist. „Die Politik muss ihren Willen bekunden“, erklärt Zens-Petzinger, und berichtet, dass der Magistrat erst eine Grundsatzvorlage zum Kino einbringen muss, bevor sich das Stadtparlament damit beschäftigen wird. Wann genau, ist noch nicht klar. „Im ersten Halbjahr“, so Zens-Petzinger.

Unverzüglich ausgeben

Erst wenn der Grundsatzbeschluss gefällt ist, können die Fördergelder abgerufen werden, die dann auch unverzüglich ausgegeben werden müssen. „Das Land subventioniert 50 Prozent der Digitalisierung“, sagt der Stadtmarketing-Leiter. Die anderen 50 Prozent sollen aus Spenden und von Sponsoren kommen. Hier greifen dann die Ideen, die von den Bürgern im Sommer zur Kinorettung entwickelt worden sind – wie etwa Crowdfunding, die Gründung eines Fördervereins oder Sparbüchsen in den Dietzenbacher Geschäften. „Zu einigen Ideengebern habe ich nach wie vor Kontakt“, sagt er. Das Interesse werde wohl wieder aufflammen, wenn die Kinorettung konkret wird.

Das Land gewährt seine Förderung nur für Kinos, nicht für Open-Air-Vorführungen. Laut Zens-Petzinger trotzdem kein Problem: Schon vor eineinhalb Jahren ging ein Angebot für einen Digitalprojektor ein, mit dem man sowohl das Kino D als auch das Open-Air-Kino bedienen kann. Das Gerät in Koffergröße sei mit einem überdimensionalen Beamer vergleichbar. „Mittlerweile ist sogar schon die nächste Generation auf dem Markt.“

Das größte Problem ist jedoch, dass die Brandschutzmaßnahmen im Bürgerhaus noch nicht umgesetzt werden können. Somit kann auch der Kinosaal noch nicht genutzt werden. Zens-Petzinger geht davon aus, dass noch ein halbes Jahr ins Land ziehen wird. Erst in der zweiten Jahreshälfte werde man wohl alle gesetzlichen Auflagen erfüllen und die Baumaßnahmen umsetzen können. „Nichts ist so kompliziert wie der Brandschutz“, begründet er.

Optimistischer ist er in puncto Open-Air-Kino im Schwimmbad. Umbaumaßnahmen seien dort nicht vonnöten, die Infrastruktur sei ja da. „In den nächsten Wochen wird sich entscheiden, ob das Sommerkino wieder auflebt.“

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