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Das Kino öffnet wieder

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Von: Annette Schlegl

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Bruno Ugazio betreibt künftig das Langener Kino.
Bruno Ugazio betreibt künftig das Langener Kino. © Monika Müller

Nur fünf Wochen nach der Schließung geht in der Lichtburg der Projektor wieder an. Der neue Betreiber, ein Schweizer, verspricht jede Menge Erlebnis in drei Sälen

Schwarz auf weiß hängt es in den Schaukästen: „Ab Ende September wieder auf Sendung“. Dass diese Terminankündigung wohl ein bisschen optimistisch ist, wird Bruno Ugazio sicher kein Langener übel nehmen. Schließlich ist er der Retter des örtlichen Kinos. Am 3. Oktober will er die Lichtburg wiedereröffnen – nur fünf Wochen, nachdem die bisherigen Betreiber Jürgen Seebacher und Sandra Fuchs-Seebacher die Segel gestrichen hatten.

Das Lichtspielhaus an der Bahnstraße gleicht derzeit einer großen Baustelle, und kündet so davon, dass der Schweizer Nägel mit Köpfen macht. „Sofortmaßnahmen“ nennt der neue Betreiber das, was hinter der Hausfassade an der Bahnstraße 73b derzeit passiert. Am Eröffnungstag, dem Tag der Deutschen Einheit, wird erst einmal nur der große Kinosaal mit 130 Plätzen zugänglich sein. In der oberen Etage möchte Bruno Ugazio den Raum teilen und so ein Kino mit rund 60 Plätzen und Minikino mit 35 bis 40 Plätzen schaffen.

„Ich möchte das Kino so schnell wie möglich wieder öffnen“, sagt Ugazio, und begründet: „Wenn die Besucher erst einmal abgewandert sind, sind sie weg.“ Deshalb wartet er auch nicht, bis die Filmförderung über den Zuschuss für die Umstellung auf Digitaltechnik entscheidet. „Bei einem positiven Bescheid kommt die Digitalisierung Ende Oktober“, sagt der neue Betreiber. Bis dahin laufen die Filme noch analog über 35mm-Rollen.

Vertrag über zehn Jahre

70 000 bis 80 000 Euro wird die Digitalisierung pro Saal kosten, meint der Schweizer. Ein Drittel davon muss er selbst bezahlen. Diese Summe deckt er zum einen aus seinem Eigenkapital, zum anderen greift ihm beim großen Saal ein Sponsor unter die Arme, dessen Namen er jedoch nicht nennen will.

Ugazio hat mit den Eigentümern der Lichtburg, einer Erbengemeinschaft, einen Zehnjahresvertrag abgeschlossen. Sie haben das Haus beliehen und bauen eine Lüftung, eine Heizung, eine neue Notstromanlage und eine Entlüftung ein. Überhaupt hätte sich die Erbengemeinschaft sehr fair verhalten: Sie sei für ein Jahr probeweise mit einer Umsatzpacht einverstanden. „Ich überweise von jedem Eintritt einen bestimmten Prozentsatz abzüglich der Basispacht“, sagt Ugazio.

Da es noch keine Heizung gibt – der Vorbesitzer hatte die Heizung ausgebaut –, springt die Stadt in die Bresche: Sie stellt einen sogenannten Hot Spot, einen transportablen Heizofen, zur Verfügung. Ugazio hofft, dass ihm die Stadt auch noch in einem weiteren Punkt entgegenkommt: Da das erforderliche Führungszeugnis aus der Schweiz auf sich warten lässt, bräuchte er in den ersten Wochen eine provisorische Schankerlaubnis für alkoholische Flaschengetränke.

"Alter Hase" im Geschäft

Der neue Betreiber möchte ein Erlebniskino schaffen. „Es wird permanent was los sein“, blickt er voraus. Deshalb sind im 60-Platz-Kino auch Powersitze geplant, die vibrieren. Das Minikino soll eventuell zum Wettbewerbskino avancieren, in dem die Besucher Preise gewinnen können. In allen drei Kinos soll es im Herbst kommenden Jahres Zweier-Sitze für Paare geben.

Der 59-Jährige ist ein „alter Hase“ im Geschäft. Seit Mitte 20 sei er permanent im Kino tätig gewesen, sagt er. „Cinephil“ sei er dagegen schon, seit er vom Vater eine Kamera geschenkt bekam. Von 1998 bis 2004 führte er ein Lichtspielhaus in Weinfelden im Kanton Thurgau. Ein Jahr lang übernahm er ein kleines Kino in Kitzingen bei Würzburg, musste nach dem Tod des Immobilienbesitzers aber aufgeben. Dann ging er zurück in die Schweiz und arbeitete bei einem Freund im Kino. „Dort lernte ich die Digitalisierung kennen“, erinnert er sich.

In einem Filmvorführer-Forum im Internet hatte Ugazio gelesen, dass die Langener Kinos schließen. Daraufhin nahm er Kontakt auf mit der Erbengemeinschaft – und wurde sich auch schnell handelseinig. „Ich möchte das Kino nicht nur aus der Ferne betreiben, sondern möchte an der Kasse stehen“, sagt er. Deshalb hat er ein Zimmer in Kelsterbach gemietet.

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