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Der neugewählte erste Stadtrat Ralf Sachtleber. 2007.

Maintal

Erster Stadtrat in Maintal: Keine Chance für dritte Amtszeit

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Der Erste Stadtrat in Maintal wird wohl nicht wiedergewählt werden. Die  SPD findet seine Arbeit nicht sozialdemokratisch.

Am kommenden Montag steht eine bedeutende Personalie auf der Tagesordnung der Stadtverordnetensitzung in Maintal: die Wiederwahl von Ralf Sachtleber, dessen Wahlzeit im Dezember endet, zum Ersten Stadtrat. Für den Parteilosen wäre es die dritte Amtszeit. Doch die Chance, dass es dazu kommt, tendiert gegenwärtig gegen null.

Die SPD sieht - wie bereits vor sechs Jahren - auch diesmal in Sachtleber nicht ihren Kandidaten, weil er nicht ausreichend die sozialdemokratischen Werte vertrete. Die CDU will keinen Ablehnungsgrund nennen. Lediglich die Grünen-Fraktion steht treu zu dem 58-Jährigen, sie ließ daher die Wiederwahl auf die Tagesordnung setzen. Doch auf die Mehrheit von CDU und SPD wird es ankommen.

„Inhaltlich ist Herr Sachtleber nicht der Richtige“, sagte SPD-Fraktionschef Sebastian Maier der FR auf Anfrage. Er räumt ein, dass Sachtleber keine schlechte Arbeit geleistet habe, aber er habe eben „nur pflichtbewusst seine Aufgaben erledigt“, wie es das Amt als hauptamtlicher Stadtrat erfordere. „In seiner Arbeit finden wir keine sozialdemokratische Politik wieder“, monierte Maier.

Die Wohnungsbaupolitik sei ein Beispiel. Sachtleber habe sich dabei zu sehr von den Investoren leiten lassen. Die Folge sei, dass es zu wenig günstigen Wohnraum in Maintal gebe, so Maier. Auch in der Sparte Bildung, besonders Ausbau und Qualität der städtischen Kindertagesstätten, sei es unter dem jetzigen Stadtrat nicht im von der SPD geforderten Maß vorangegangen.

Die Vermutung, dass eine parteilose Rathausspitze mit Sachtleber und Bürgermeisterin Monika Böttcher den Parteien zu wenig Spielraum für eine Profilierung lasse, um bei der nächsten Kommunalwahl in rund zweieinhalb Jahren beim Wähler zu punkten, weist Maier zurück. „Es geht nicht um Parteien und Kommunalwahl, es geht um Maintal“, versichert er.

Die Stadtverordnetensitzung beginnt am Montag, 23. September, im Bürgerhaus Bischofsheim um 18 Uhr.

Gleichwohl will die SPD bei einer Stadtratswahl einen Kandidaten ins Rennen schicken. Wen, das ist laut Maier noch offen. Dieser Anspruch ergibt sich für ihn aus dem Wahlerfolg im Jahr 2016. Mit 14 Sitzen ist die SPD die stärkste Fraktion vor der CDU mit zwölf Mandaten. „Der Bürger will das Wahlergebnis umgesetzt sehen, daher brauchen wir auch eine Mehrheit im Magistrat“, erläutert Maier.

Ob die CDU einen Bewerber aufstellen wird, „wird sich zeigen“, sagt Fraktionschef Martin Fischer. Die Union hat vor sechs Jahren noch hinter Sachtleber gestanden. Nach mehreren Gesprächen sei die Fraktion mehrheitlich zu dem Schluss gekommen, dies diesmal nicht zu tun.

Zu den Gründen dafür will Fischer nichts sagen. „Wir wollen damit Herrn Sachtlebers berufliche Zukunft nicht verbauen“, sagt der Fraktionschef. Er kritisiert, dass die Grünen die Wiederwahl beantragt haben. „Die wissen doch, die Wiederwahl wird nicht klappen.“

Sachtleber beschreibt seinen Gefühlszustand als „ganz formell und entspannt“. Natürlich habe er sich über den Antrag der Grünen gefreut. Ebenso, dass Bürger eine Resolution aufgesetzt hätten. „Das ist eine besondere Wertschätzung, nicht nur für mich, sondern für alle Mitarbeiter in der Verwaltung“, sagt Sachtleber.

Anders als die SPD behaupte, habe er in seiner Amtszeit vieles auf den Weg gebracht. Dem Vorwurf, sich zu wenig für den sozialen Wohnungsbau eingesetzt zu haben, hält er die mehr als 70 neuen, sozial gebundenen Wohnungen, die in den kommenden zwei Jahren unter der seit Oktober 2018 operierenden städtischen Maintal Immobiliengesellschaft (MIG) entstehen sollen, entgegen. Die Fraktionen und ebenso die SPD wollten Sachtleber an der Spitze der MIG sehen, wegen seiner Kompetenz, wie es hieß. Damit sollte wohl auch die Chance für einen zweiten Stadtratposten erhöht werden.

„Ich will gerne noch einige große Projekte zu Ende bringen“, sagte Sachtleber, der vor seiner Zeit als Wahlbeamter Amtsleiter bei der Stadt war. Er zählt das Baugebiet Eichenhege, das Gewerbegebiet West, das neue Bürgerhaus in Bischofsheim, die Nordmainische S-Bahn und nicht zuletzt den Neubau des Schwimmbads, wie ihn das Parlament beschlossen hat, auf.

Um für eine weitere Amtszeit zu werben, habe er Anfang des Jahres daher auch das Gespräch mit den Fraktionen gesucht. „Die SPD hat dies gleich abgelehnt“, berichtet Sachtleber.

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