Rodgau

Rodgau: Keine Autos mehr am Straßenrand

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Das Neubaugebiet für mehr als 4000 Menschen in Rodgau soll Quartiersgaragen bekommen. Der Grüne Gedanke stehe bei allen Planungen im Zentrum.

Wer harte Worte oder gar wütenden Protest erwartet hatte, sah sich getäuscht: Bei der Informationsveranstaltung darüber, was im riesigen Baugebiet Rodgau-West alles geplant ist, blieb es sachlich und vor allem konstruktiv. Lag es nun am Veranstaltungsformat, an der akribischen Vorplanung der Verantwortlichen oder an der Zusicherung, dass Anregungen und Wünsche ernst genommen würden – was andernorts Emotionen hochkochen lässt, lief am Donnerstagabend im Bürgerhaus Dudenhofen völlig friedlich ab.

Dabei hat Rodgau-West eine Dimension, die in Rhein-Main seinesgleichen sucht: In einigen Jahren wird das 460 000 Quadratmeter große Areal zwischen den Stadtteilen Jügesheim und Hainhausen für mehr als 4000 Menschen ein Zuhause sein. Die Stadtverordneten stimmten Anfang September der ersten Phase des Rahmenplans zu, der die Ziele der Entwicklung vorgibt. Am Donnerstagabend sollten nun die Bürger ihre Meinungen äußern, die dann so weit als möglich Berücksichtigung finden sollten. An Thementischen diskutierten sie über ihre Anregungen zu den Themen „Städtebau“, „Freiraum“ und „stadtverträgliche Mobilität“ mit den zuständigen Planern, die dann auf großen Karteikarten vermerkt und an Pinnwänden angebracht wurden.

Drei Frischluftschneisen, mindestens 30 Prozent bezahlbarer Wohnraum, verschiedene Wohntypologien direkt nebeneinander, Nachbarschaftsgärten, eine Quartiersmitte mit Grundschule, Kita und Mobilitätsstation, privates Parken in Quartiersgaragen, Nutzung der Dächer zur Energiegewinnung oder Regenrückhaltung – die Planer schaffen ein Areal, das anders ist als bisherige Wohngebiete. Der „grüne“ Gedanke nimmt viel Raum ein.

Alternativangebote zum Auto

Alternativangebote zum Auto werden favorisiert – also Carsharing, Bikesharing und ÖPNV. Alle Grundstücke sollen zwar mit dem Auto erreichbar sein, aber das soll am besten in oberirdischen Quartiersgaragen abgestellt werden, die maximal 150 Meter von den Häusern entfernt liegen. Damit will man vermeiden, dass Autos am Straßenrand parken. Es wird nur eine Haupterschließungsstraße geben, die von der Südtrasse abgeht und auf halber Höhe in Richtung Rodgau-Ring-Straße abzweigt. Dazwischen liegen kleinteilige, kurze Wege.

Die 46 000 Rodgauer müssten keinen Cent für das großdimensionierte Vorhaben ausgeben, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD). Das Neubaugebiet finanziere sich inklusive Straßen, Kitas, Parks, Sportplätzen und Spielplätzen aus dem Verkauf der Grundstücke selbst.

Der Wert des Ackers liege bei 4,50 Euro pro Quadratmeter, die Hessische Landgesellschaft (HLG) als staatliche Treuhandstelle für ländliche Bodenordnung kauft die Grundstücke im Auftrag der Stadt für 65 Euro pro Quadratmeter, entwickelt das Gebiet und veräußert die erschlossenen Grundstück dann. Der Erste Stadtrat Michael Schüßler (FDP) prognostizierte, dass Häuslebauer wohl zwischen 450 und 500 Euro pro Quadratmeter bezahlen müssten.

Der angestrebte Mietpreis für bezahlbaren Wohnraum liege bei 8,50 Euro pro Quadratmeter, sagte Stadtplanerin Katharina Rauh vom Darmstädter Architekturbüro Prosa. Laut Schüßler entspricht dieser Preis der Maßgabe für soziale Wohnraumförderung, 20 bis 25 Prozent unter der ortsüblichen Vergleichsmiete zu bleiben. Auch bei den neu gebauten Sozialwohnungen am Mühlweg sowie zwischen Mühlstraße und Dudenhöfer Straße sei dieser Preis zugrunde gelegt worden.

Lärmschutz für Bürger besonders Anliegen

Der Lärmschutz war den Bürgern am Donnerstagabend ein besonders Anliegen. Das Neubaugebiet wird zur Rodgau-Ring-Straße hin eine Lärmschutzwand erhalten, die entweder aus Gabionen oder aus einem aufgeschütteten Wall oder aus einer Kombination von beidem besteht. Für den Lärmschutz an den S-Bahn-Gleisen sei allerdings die Deutsche Bahn zuständig, sagte Peter Kämmerling, der im Rathaus für Stadtplanung zuständig ist.

Die Durchmischung der Wohnbauformen war einigen Bürgern ein Dorn im Auge. „Einfamilienhäuser sollten neben Einfamilienhäusern stehen und nicht neben Mehrfamilienhäusern“, meinten sie. Auch der mögliche Schleichverkehr durch das Wohngebiet zum alten Ortskern war ein Einwand, genauso wie der Parkdruck, der wegen der geplanten Quartiersgaragen im bestehenden Wohngebiet auf der anderen Seite der S-Bahn entstehen könnte. Mehrgenerationenhäuser und Hundewiesen innerhalb des Neubaugebiets wurden angeregt, genauso wie drei statt zwei Bushaltestellen. Und schließlich muss auch noch eine Lösung für die Geruchsbelästigung gefunden werden, die ein Landwirt vorhersagte, dessen Bauernhof direkt an einer der geplanten Frischluftschneisen liegt.

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