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Kein Interessent für Mühlheimer Fähre

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Von: Annette Schlegl

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Zum Stillstand verdammt: Die Mainfähre liegt immer noch vertäut am Maintaler Ufer.
Zum Stillstand verdammt: Die Mainfähre liegt immer noch vertäut am Maintaler Ufer. © Annette Schlegl

Die Markterkundung des Kreises für die Mühlheimer Fähre endet mit einem enttäuschenden Ergebnis.

Die Mühlheimer Mainfähre bleibt weiterhin festgezurrt am Maintaler Ufer liegen. Das Markterkundungsverfahren, das der Kreis Offenbach als Eigentümer eingeleitet hatte, habe „bedauerlicherweise kein Ergebnis erbracht“, heißt es vonseiten der Kreisbehörde. Die Freien Wähler (FW) im Kreis Offenbach fordern nun eine öffentliche Trägerschaft für den laufenden Betrieb der Fähre, „da sich offensichtlich kein Übernahmeinteressent findet“.

Ende Februar hatte der Kreis Offenbach noch von sechs Interessenten für die stillgelegte Fähre gesprochen. Nach der Markterkundung ist nun kein einziger übrig geblieben. „In dem von uns gesetzten Zeitrahmen ist von keinem der Interessenten ein schriftliches, verwertbares Angebot eingegangen“, sagt Kreispressesprecherin Kordula Egenolf. Für den Kreis sei das selbst überraschend gewesen, zumal man mit den Bewerbern im Vorfeld intensive Gespräche geführt und die Fähre vor Ort besichtigt hatte.

Ein Bewerber habe die benötigten Unterlagen eingereicht, hatten dagegen die Freien Wähler im Kreis Offenbach in einer Pressemitteilung geschrieben. Er sei jedoch „aus nicht näher erläuterten Gründen abgelehnt worden“. FW-Fraktionsvorsitzender Rudolf Schulz mutmaßt, es sei wohl ein Betreiber mit der Vorgabe gesucht worden, dass der Betrieb der Fähre nichts kosten dürfe. Mit der Devise „Tragt das Risiko und wir geben nichts dazu“ komme man aber nicht weiter.

Modalitäten für Ausschreibungen werden geprüft

Der Kreis Offenbach will nun auf jeden Fall die Fährverbindung wie verabredet ausschreiben. Vorher müssen allerdings noch die Ausschreibungsmodalitäten geprüft werden – schließlich kann es auch ganz andere Modelle für den Fährbetrieb geben. Wenn man die Rahmenbedingungen ändert, könnte sich ein Betreiber mit eigenem Schiff für die Fährverbindung interessieren.

Das Krisenmanagement des Kreises zu diesem Thema sei nicht sehr glücklich, sagt Schulz. Ihm sei es schleierhaft, warum der Kreis die Fährverbindung nicht gleich ausgeschrieben habe, sondern „erst mal mit dem einen oder anderen reden wollte“. Sein Parteikollege Jürgen Ries fordert, dass die öffentliche Hand einspringt. Im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge müsse an eine Verkehrsverbindung keine Renditeerwartung geknüpft sein. Auch der RMV fahre ein Minus, ebenso wie die Busse der kreisangehörigen Kommunen.

Die Fraktion greift auch den Mühlheimer Bürgermeister Daniel Tybussek (SPD) an, der „beharrlich seine Aussage wiederholt, keinen Cent für die Fährverbindung bereitzustellen“. Und Maintals Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) habe sich bezüglich der stillgelegten Fährverbindung öffentlich überhaupt noch nicht geäußert, obwohl die zahlreichen Pendler aus Mühlheim und Maintal die Hauptbetroffenen der Stilllegung seien.

„Das war und ist eine Kreisangelegenheit“, erklärt Tybussek gegenüber der FR. Eine wirtschaftliche Betätigung der Kommune verbiete sich nach Paragraph 121 Hessische Gemeindeordnung (HGO). Aus dem Interessenbekundungsverfahren habe der Kreis Ergebnisse für eine Ausschreibung ziehen wollen. „Wir haben uns darauf verständigt, das Ergebnis dieser Ausschreibung abzuwarten.“ Im Anschluss gebe es dann durchaus Gesprächsbereitschaft, um die Entwicklung positiv zu begleiten.

Auch Monika Böttcher verteidigt sich: „Ich bin niemand, der zu allem und jedem eine Pressemitteilung macht.“ Unmittelbar, nachdem die fehlenden Angebote für die Fähre öffentlich wurden, habe sie eine Gesprächseinladung an Tybussek, Landrat Oliver Quilling (CDU) und Thorsten Stolz (SPD), Landrat des Main-Kinzig-Kreises, gesandt. Stolz und Tybussek sagten zu, vom Kreis Offenbach kam erst keine Antwort und dann der Vorschlag, man solle sich doch zu einem Runden Tisch in Dietzenbach treffen. Vergangene Woche offerierte der Kreis dann, so Böttcher, drei Terminvorschläge für Mitte Juni.

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