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Kein Grund für Biber-Panik

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Von: Annette Schlegl

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Kurz vor Weihnachten hatte der Biber in Mühlheim Bäume gefällt. Seitdem aber nicht mehr.
Kurz vor Weihnachten hatte der Biber in Mühlheim Bäume gefällt. Seitdem aber nicht mehr. © Privat

Der NABU hat seine Befürchtungen wegen der Schäden durch Biberzähne an der Rodau relativiert. Jetzt spricht der Vorstand sogar von Vorteilen für die Umwelt.

Der Aufruhr war groß, der Schaden scheint nun aber doch nur klein: Der Biber hat es bei den paar jungen Bäumen belassen, die er kurz vor Weihnachten in Mühlheim an der Rodau angenagt und gefällt hatte. Das Tier hatte für Differenzen gesorgt: Ein Bürger hatte vor dem gefräßigen Nager am renaturierten Ufer gewarnt, der Vizevorsitzende der NABU-Ortsgruppe Mühlheim-Offenbach gab ihm in Teilen Recht, der Vorsitzende las diese Aussagen danach „mit Entsetzen“.

NABU-Vizevorsitzender Ernst von Hermanni rudert jetzt in seiner Argumentation zurück. „Ich hätte mir die Verbissschädenselbst anschauen sollen, dann hätte ich viel gelassener reagiert“, sagt er. Der Wasserstand der Rodau sei in Mühlheim zu niedrig für den Biber, das Szenario, das der Mühlheimer Helge Nyncke heraufbeschworen hatte, werde nicht eintreffen. Nyncke hatte gewarnt, dass die Natur und das biologische Gleichgewicht am Ufer der Rodau zerstört werden könnte. Gegenüber dem Biber sei so ein Vorbehalt aufgebaut worden, der „nicht angemessen ist“, so von Hermanni – auch wenn man dem Artenschutz gerecht werden müsse und gleichzeitig die Bedürfnisse des Menschen nicht außer Acht lassen dürfe.

Der Biber schade der Biodiversität nicht, widerlegt Christian Engel, 1. Vorsitzender des NABU Mühlheim-Offenbach, entsprechende Aussagen von Nyncke. Im Gegenteil: Der Nager erreiche durch das Anstauen von Wasser, dass für die Biodiversität neue Wasserflächen entstehen. Durch die gefällten Bäume werde der Boden mit Mineralien versorgt, durch den Dammbau reinige sich das Wasser stärker, die Giftstoffe einer Überdüngung würden herausgefiltert. Auch der Grundwasserspiegel erhöhe sich, was die Gefahr von Hochwasser vermindere.

Außerdem seien derzeit nur 0,5 Prozent des in den letzten Jahren angesiedelten Baumbestandes betroffen. Engel vermutet, dass der Biber von der Mainseite gegenüber der Mühlheimer Kläranlage – also vom Maintal-Dörnigheimer Ufer – vertrieben worden ist und in Mühlheim nach einer geeigneten Stelle Ausschau gehalten hatte.

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