Bei Verdacht auf Infektionskrankheiten kommt das besondere Fahrzeug der Johanniter zum Einsatz.

Rodgau

Keime haben in Rodgau keine Chance

  • schließen

Bei den Johannitern in Rodgau steht der einzige Infektionskrankentransportwagen Hessens. Er kommt zum Einsatz, wenn Risiko-Patienten gefahren werden müssen.

Multiresistente Erreger (MRE), auch als multiresistente Keime bezeichnet, sind Bakterien, gegen die die meisten Antibiotika unwirksam sind. Sie sind in den vergangenen Jahren zum großen Problem geworden, breiten sich immer mehr aus. Die Johanniter-Unfall-Hilfe in Rodgau hat deshalb ein besonderes Fahrzeug im Einsatz: einen Infektionskrankentransportwagen, kurz IKTW. Er ist der Einzige seiner Art in ganz Hessen.

Das Besondere an diesem Krankenwagen: Er ist innen fast nackt. Nur eine Trage und ein Betreuerstuhl finden sich hinter der Heckklappe des Fahrzeugs. Überall sind glatte Flächen, die man schnell mit Desinfektionsmitteln abwischen kann. Eine Umluftklimaanlage mit UV-Röhren desinfiziert die Luft. Schubladen und Schubfächer sucht man vergebens, genauso wie Geräte und Materialien. „Das ist alles in den Außenschränken des Fahrzeugs verstaut und hat keine direkte Verbindung nach innen“, sagt Sven Korsch, Regionalvorstand der Johanniter. So wird eine Kontamination des Innenraums vermieden und die Gefahr für alle nachfolgenden Patienten minimiert. „Ein Patient, der ein Polytrauma hat, kann alles brauchen, nur nicht einen MRE“, sagt Dirk Stadtfeld, Hygienebeauftragter der Johanniter.

„Der IKTW ist schnell wieder einsatzfähig“, erklärt Korsch die Vorzüge des Wagens, für den die Johanniter-Unfall-Hilfe rund 125 000 Euro hingeblättert hat. Binnen 15 Minuten ist in der Regel alles desinfiziert. Zum Vergleich: Die Desinfektion eines normalen Rettungswagens dauert rund eine Stunde. Die Frankfurter Berufsfeuerwehr habe ein ähnliches Fahrzeug, sagt Stadtfeld, doch sei das nicht für Infektionskrankheiten konzipiert, sondern für hochpathogene Krankheitserreger wie Ebola.

Die „klassische Klientel“ für den Einsatz des IKTW seien Dialysepatienten, aber auch Menschen mit Durchfallerkrankungen, sagt Rettungsdienstleister Christian Keller. „Alles, was infektiös sein könnte.“ Es dauert nämlich vier bis sechs Wochen, bis sich der Verdacht erhärtet, dass ein Keim multiresistent ist.

Überhaupt wird das Thema MRE bei den Johannitern in Rodgau großgeschrieben. Sie haben einen Hygieneplan erstellt und Mitarbeiter entsprechend weitergebildet. Dafür gab es am Dienstag aus den Händen von Doris Bobyk, der ärztlichen Leiterin des Gesundheitsamtes des Kreises Offenbach, das Siegel des MRE-Netzes Rhein-Main.

Das MRE-Netzwerk Rhein-Mainerarbeitet unter anderem Hygienemaßnahmen, damit sich die multiresistenten Keime nicht weiterverbreiten.

Unter organisatorischer Leitungvon neun Gesundheitsämtern der Region arbeiten Kliniken, Pflegedienste und Altenpflegeheime, Rettungsdienste, Labore, die Landesärztekammer

Hessen und die Kassenärztliche

Vereinigung zusammen.

MRE-Netz Rhein-Main Das MRE-Netzwerk Rhein-Mainerarbeitet unter anderem Hygienemaßnahmen, damit sich die multiresistenten Keime nicht weiterverbreiten.

Unter organisatorischer Leitungvon neun Gesundheitsämtern der Region arbeiten Kliniken, Pflegedienste und Altenpflegeheime, Rettungsdienste, Labore, die Landesärztekammer Hessen und die Kassenärztliche Vereinigung zusammen.

Einrichtungen,die Hygieneempfehlungen vorbildlich umsetzen, erhalten das MRE -Siegel Rhein-Main. ann

www.mre-rhein-main.de

Einrichtungen,die Hygieneempfehlungen vorbildlich umsetzen, erhalten das MRE -Siegel Rhein-Main. ann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare