VHS in Dietzenbach

Volkshochschule muss an die Stadt zahlen

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Für die Volkshochschule Dietzenbach brechen schwere Zeiten an. Für genutzte Räume muss sie nun Miete zahlen.

Noch steht die Volkshochschule (Vhs) Dietzenbach gut da: Den allergrößten Teil der Betriebskosten kann sie selbst erwirtschaften, erhält laut Leiterin Petra Lück nur einen „extrem kleinen Zuschuss“, der bei acht Prozent des Umsatzes liegt. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt werden die Volkshochschulen mit 40 bis 50 Prozent bezuschusst. Jetzt aber brechen für die Vhs Dietzenbach schwere Zeiten an: Seit 1. Juli ist Miete zu zahlen. Die im Frühjahr beschlossene Satzung über die Nutzung städtischer Immobilien will das so. Im Klartext heißt das: jährlich rund 17.500 Euro Mehrkosten.

Auf Grundlage der neuen Satzung wurde der Mietsatz für die Vhs berechnet: Jährlich fallen demnach 13.511 Euro für die Liegenschaft an der Wilhelm-Leuschner-Straße an, die der Stadt gehört. Dazu kommen noch 4000 Euro pro Jahr für Sporthallen und Räume, die sporadisch genutzt werden, wie etwa das Haus der Integration an der Justus-von-Liebig-Straße.

„Es gab viele Gespräche mit dem Ersten Stadtrat und der Leiterin des Fachbereichs Immobilienmanagement. Wir wussten, dass die Miete kommt“, sagt Lück. Jetzt liegt der Mietvertrag vor, der rückwirkend zum 1. Juli Mietzahlungen festsetzt. „Es wird deshalb noch weitere Gesprächstermine geben, um eine Lösung zu finden“, so Lück.

Für die Vhs sind die 17 500 Euro nämlich kein Pappenstiel. Die Institution macht laut Lück 550 000 Euro Gesamtumsatz pro Jahr. 32 000 Euro fließen von der Stadt als Zuschuss, 12 000 Euro vom Kreis. Zwar sei die Vhs Dietzenbach die einzige im Kreis, die bisher keine Miete bezahlt habe, und eine Miete, die man nicht zahlt, sei auch ein versteckter Zuschuss, aber die Förderung von acht Prozent des Umsatzes habe sich in den vergangenen Jahren trotz Inflation nicht erhöht.

Nun ist über die Hälfte der städtischen Zuschüsse für die Mehrbelastung durch Mieten zu zahlen. Die Vhs könne das „ein bis zwei Jahre wegpuffern“, aber im langfristigen Bestehen erwirtschafte man diese Summe nicht. „Wir brauchen nicht die ganz schnelle Lösung, aber wir brauchen eine Perspektive, wo die Reise hingehen kann“, so Lück. Ihre Vhs sei im Kreis Offenbach eine der wenigen, die als eingetragener gemeinnütziger Verein existiere. Die anderen Volkshochschulen seien kommunal getragen.

Die Vhs Dietzenbach könne ihre Wirtschaftlichkeit nicht maßgeblich verändern. Wenn man die Unterrichtsstunden pro tausend Einwohner betrachte, gehöre sie zwar zu den großen Volkshochschulen im Kreis Offenbach, und die letzten Jahre seien auch ganz gute gewesen, weil die Kurse „Deutsch als Fremdsprache“ sehr gut gefüllt waren. „Aber selbst da hätten wir das Geld für die Miete nicht erwirtschaftet.“

Die Leiterin hat selbst eine Analyse gemacht, um zu sehen, ob es noch finanzielle Stellschrauben gibt. Der Großteil der Einnahmen resultiere schon seit Jahren eben aus den Kursen „Deutsch als Fremdsprache“. „Da gibt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Regeln vor“, so Lück. Zehn bis elf Integrationskurse laufen fast täglich zu unterschiedlichen Zeiten und machen fast 50 Prozent der Stunden aus, die an der Vhs unterrichtet werden. 20 Teilnehmer werden pro Kurs aufgenommen, diese seien regelmäßig ausgebucht. Der Kursträger bekomme aber kein Geld, wenn ein Teilnehmer unentschuldigt fehlt. Damit sei in den Deutschkursen „viel Unwägbarkeit drin“ und kaum Gestaltungsspielraum. „In diesem Bereich können wir die Wirtschaftlichkeit nicht erhöhen. Mehr als ausgebucht geht nicht.“

Bei den Gebühren für die übrigen Kurse bewege sich die Vhs Dietzenbach „im ganz normalen Mittelfeld“, so Lück. Über die Kursgebühr werde das Honorar der Kursleitung erwirtschaftet, dazu sei noch ein kleiner Obolus für Verwaltungskosten mit einkalkuliert. „Wir rechnen mit 2,85 Euro pro Nase bei einer Gruppengröße von acht Personen. Das ergibt 22,80 Euro.“ Den Honorarkräften zahlt die Vhs 23 Euro pro 45 Minuten mit Vor- und Nachbereitung. „Wir zahlen das, was die meisten zahlen“, so Lück. Alles in allem gehe die Rechnung gerade so auf.
Einfach die Kursgebühr zu erhöhen, um die 17 500 Euro Miete zu erwirtschaften, sei keine Lösung. „Wenn wir das tun, ist zu erwarten, dass Teilnehmer wegbleiben und Kurse in umliegenden Volkshochschulen belegen.“

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