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Kampfansage an Raser

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Von: Annette Schlegl

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Viele Namensschilder hatte die Verwaltung für die Teilnehmer der Ortsbegehung parat.
Viele Namensschilder hatte die Verwaltung für die Teilnehmer der Ortsbegehung parat. © Peter Jülich

Wenn die Ortsumgehung fertig und die Bundesstraße herabgestuft ist, beginnt in Offenthal ein neues Kapitel. Die Bewohner des Dreieicher Stadtteils machen sich Gedanken zur Umgestaltung ihres Ortes.

Offenthal soll unattraktiv werden. Nicht für die Einwohner, sondern für den Durchgangsverkehr und „Ausweichler“, die mögliche Staus auf der künftigen Ortsumgehung umfahren wollen. Durch Schwellen, Bäume und parkende Autos sollen künstliche Hindernisse und optische Verengungen geschaffen werden – zum einen, um den Verkehr aus Offenthal herauszuhalten, wenn die Ortsumgehung fertig ist, zum anderen, um die Geschwindigkeit der Autofahrer zu reduzieren. Rund 50 Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung machten sich am Samstag drei Stunden lang Gedanken zu einer Umgestaltung der Straßen.

Ende 2014 könnte es losgehen

Die Ortsbegehung von Offenthal ist der erste Termin der Planungswerkstatt – eine Arbeitsgruppe, die sich aus Spontan-Interessierten aus der Bürgerversammlung im Juni zusammensetzt, aus Vertretern von Politik und Verwaltung, der Baugenossenschaft Langen und des Investors Rahlfs Immobilien. Alle befassen sich mit der möglichen Entwicklung der Ortsmitte nach Eröffnung der Umfahrung. Wenn die Noch-Landes- und die Noch-Bundesstraße, die durch Ort laufen, zur Gemeindestraße abgestuft sind, kann die Kommune Änderungen vornehmen. Frühestens Ende 2014 habe die Stadt die Verfügungsgewalt über diese Straßen, erklärt Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos).

„Wir möchten heute keine fertige Planung vorstellen, sondern stehen vor einem weißen Blatt“, sagt Martin Krauskopf, Leiter Fachbereich Planung und Bau. Die erste Zusammenkunft solle Denkprozesse anstoßen und Möglichkeiten aufzeigen.

Fünf „Haltepunkte“ sind für die Tour vorgesehen. Gleich beim ersten, dem Bahnhofsvorplatz, macht Reinhard Frank klar, was ihm wichtig ist: Den öffentlichen Raum für Menschen öffnen und so liebens- und lebenswert machen. „Es ist für mich ein Frevel, hier Parkplätze zu installieren“, sagt er, und widerspricht damit Ingeborg Milzetti, die Park-and-Ride-Stellplätze fordert. Der Vorschlag von Alfred Nuss dagegen stößt auf anerkennendes Kopfnicken: Er regt an, heimische Stauden aus den zahlreichen privaten Gärten fürs öffentliche Grün an den Straßen zu verwenden.

Historische Mitte erschließen

Einig sind sich die Anwesenden, dass die Ampel am Haltepunkt Weiherstraße-Ecke Dieburger Straße verschwinden muss. „Weil es ja später keine vorrangigen Straßen mehr geben wird“, regt Walter Haller eine Rechts-vor-Links-Regelung an. „Wenn eine Straße noch als Straße erkennbar ist, wird schnell gefahren“, gibt Marc Spangenberg zu bedenken. Deshalb solle man Flächen nicht in Bürgersteige und Fahrbahnen trennen.

Karin Eisenhauer spricht sich dafür aus, die Halteverbote an der Mainzer Straße in nächster Zeit zu beseitigen. „Derjenige, der auf seiner Durchfahrt fünfmal wegen parkender Autos anhalten muss, wird Offenthal in Zukunft meiden“, meint sie. Der Vorschlag, ein paar Quadratmeter in Höhe Bahnhofstraße zu pflastern, um so zu zeigen, dass hier der Ortskern ist, stößt auf allgemeine Zustimmung. Offenthal müsse seine historische Mitte für die Menschen erschließen, erklärt auch Reinhard Frank. „Ich trinke doch lieber im Kirchgarten einen Kaffee als in einem Supermarkt.“

Die Pflasterung solle doch bis zur Ecke Borngartenstraße-Mainzer Straße durchgezogen werden, meint Martin Burlon bei der Besichtigung dieses neuralgischen Punktes. Und auch hier hat Alfred Nuss eine zündende Idee: Die Pflasterung müsse die Stadt kein Geld kosten. Bürger könnten doch Patenschaften für farbige oder glänzende Verbundsteine übernehmen.Für den Kreuzungsbereich Messeler Straße schwebt Martin Krauskopf entweder eine Einmündung, die einer T-Form gleicht, vor, oder ein Minikreisel. Auf jeden Fall müsse dort Aufenthaltsfläche geschaffen werden.

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