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65 Jahre alte Rohre haben ausgedient

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Von: Annette Schlegl

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Bis Ferienende wird der Kanal in der Ludwigstraße in Jügesheim erneuert. Die 65 Jahre alte Rohre haben ausgedient. Die Sanierung ist lange aufgeschoben worden.

Es ist ein Projekt, vor dem sich die Rodgauer Stadtwerke, so stellvertretender Betriebsleiter Helmut Wiegand, viele Jahre lang gescheut haben: Der Hauptkanal in der Ludwigstraße in Jügesheim wird auf 165 Meter Länge erneuert. Das ist zwar keine große Strecke, aber eine große Sache: Die Ludwigstraße ist die Hauptdurchgangsstraße, auf der täglich mehrere tausend Autos unterwegs sind. Während der gesamten Sommerferien müssen die Verkehrsteilnehmer nun Umleitungen in Kauf nehmen – und die Anwohner der angrenzenden Straßen mehr Verkehrslärm.

Erst einmal wird die Ludwigstraße auf 80 Metern Länge zwischen der Hochstädter Straße und der Gratian-Grimm-Straße aufgebuddelt. Drei Wochen lang gräbt sich der Bagger der bauausführenden Firma Aumann aus Babenhausen bis zu drei Metern in die Tiefe. Im zweiten Bauabschnitt verlagert sich die Baustelle auf den Bereich vom Nordring bis zum alten Friedhof. Dort sind 85 Meter Rohrleitung zu ersetzen. „Bis zum Ferienende wollen wir durch sein“, sagt Wiegand.

Die Kanalerneuerung ist dringend notwendig: Die Rohre stammen aus der Zeit um 1950 und lecken teilweise gewaltig, wie gestern einer der Bauarbeiter in der Grube bemerkte. Aber das ist nicht der Hauptgrund für das Bauvorhaben: Der Durchmesser der alten Abwasserrohre ist in diesem Bereich zu klein. Gerade auf diesen 165 Metern kommen von der Seite her Kanäle dazu. „Diese Engstelle muss nun größer dimensioniert werden“, sagt Wiegand. Deshalb werden die alten, 25 Zentimeter großen Rohre durch solche mit 40 und 50 Zentimetern Durchmesser ersetzt.

Keine hohe Priorität

Damit ist aber nicht automatisch garantiert, dass das Wasser bei sintflutartigem Starkregen zukünftig auch abfließt. Denn die Rohrleitungen sind für „mittlere Regenereignisse“, so Wiegand, konzipiert. „Riesige Wassermengen kann ich auch im neuen Kanal nicht abfangen“, sagt er. „Dafür haben wir unsere 15 Regenüberlaufbecken.“ Den Kanal noch größer zu dimensionieren, sei keine Lösung. Dann sei der Durchfluss zu gering, um die Schwebstoffe zur Kläranlage zu transportieren. Folge: Die Fäkalien setzen sich ab und verstopfen die Rohre.

Die Kanalerneuerung in der Ludwigstraße ist eine der letzten, die im Generalentwässerungsplan aufgelistet ist, der vor rund 15 Jahren erstellt wurde. Dabei wurde das gesamte Kanalnetz in Rodgau berechnet und man stieß auf zahlreiche Engstellen. Seither werden diese entsprechend ihrer Priorität beseitigt. „Die dringlichsten Kanalarbeiten wurden in sämtlichen Ortsteilen in den letzten Jahren abgearbeitet“, sagt Wiegand. Und jetzt ist endlich der Hauptkanal in Jügesheim dran.

In den Jahren 2010 und 2012 wurden andere Teile dieses Kanals schon mittels Inliner-Verfahren saniert. Dabei geht man durch die Kanaldeckel hindurch und schießt mittels Druckluft eine Innenhaut aus Kunstharz in die Abwasserrohre, um so kleine Undichtigkeiten zu schließen. Diese Methode eignet sich aber nicht für große Brüche und Risse und schon gar nicht, um Rohre zu erneuern.

Für die Stadtwerke schlägt die derzeitige Kanalsanierung mit 185 000 Euro zu Buche. Auch die Anwohner müssen zahlen: Geschätzt 600 Euro sind pro Liegenschaft fällig, weil die Hausanschlussleitungen umgehängt werden müssen. Nach den Bauarbeiten bekommt die Ludwigstraße in diesem Bereich eine neue Tragschicht und Fahrbahndecke. Dafür werden die Bürger allerdings nicht zur Kasse gebeten.

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