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Das Improvisieren geht weiter

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Von: Christoph Manus

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Bibliothek.
Bibliothek. © dpa

Die Dietzenbacher Ernst-Reuter-Schule braucht eine dauerhafte Lösung für ihre Schulbücherei. Rund 4700 Exemplare müssen irgendwo untergebracht werden.

Etwa 4700 Titel hat die Bibliothek im Angebot. Bücher über Geografie, Geschichte und allerhand andere Themengebiete, die die Schüler der Dietzenbacher Ernst-Reuter-Schule für Referate oder die Hausaufgaben gebrauchen können. In den Regalen stehen auch Schmöker wie die Harry-Potter-Bände, die besonders gern ausgeliehen werden, wie Grazyna Testka berichtet, die stundenweise dort arbeitet.

Doch die vor mehr als 20 Jahren gegründete Bücherei der Kooperativen Gesamtschule ist kaum geöffnet. Nur in der ersten großen Pause können Schüler dort Bücher abgeben oder neue leihen. Gern würde die Schule sie wieder den ganzen Vormittag öffnen. Doch dafür reichen die personellen Kapazitäten nicht. „Wir hangeln uns schon die ganze Zeit so durch“, sagt die Lehrerin und ausgebildete Buchhändlerin Doris Heger, die die Bücherei vor 18 Jahren übernahm. Sie sei bis zur Halskrause belastet. Zusätzlich zu ihrer vollen Stelle binde sie zu Hause Bücher ein, versuche mit dem knappen Budget von 600 Euro im Jahr und mit Spenden für alle Schulfächer der Mittelstufe neue Titel anzuschaffen. Zudem betreut sie eine AG, die in den Pausen bei der Ausleihe hilft.

Die Schüler reparieren – angeleitet von Heger – aber auch Bücher und geben neue Titel in den PC ein. Mittwochs hilft eine Mutter. Die Schule versuche immer wieder, auch Eltern einzubinden, sagt Köhler. Doch das sei nicht so einfach. Oft arbeiteten beide Elternteile. Großeltern seien zum Teil schon in anderen Projekten aktiv, etwa bei den Lese-Opas.

Zwei Jahre lang war die Situation deutlich besser. Doch das Landes-Projekt „Erfahrung hat Zukunft“, über das Testka in Vollzeit die Bibliothek betreuen konnte, lief im Sommer 2009 aus. „Sang und klanglos“, wie Schulleiter Georg Köhler kritisiert. Beim Ministerium habe es nur geheißen: „Kein Geld.“ Ein halbes Jahr habe die Schule Testka aus ihren eigenen Mitteln weiterbeschäftigt. Seitdem improvisiere man wieder. Köhler ist heilfroh, dass die Sparkasse Langen-Seligenstadt es ihm über eine Spende ermöglicht, Testka erstmal bis zu den Sommerferien wenigstens stundenweise zu beschäftigen.

„Wir standen fast vor der Schließung.“ Nötig sei aber eine dauerhafte Lösung, stellt der Schulleiter klar. Schließlich bräuchten auch die Schüler Verlässlichkeit. Dazu hofft Köhler auf mehr Hilfe vom Land. „Am besten wäre eine Halbtagsstelle.“ Denn erst dann wäre möglich, die Schulbücherei wieder länger zu öffnen. Dann könne jeweils eine bestimmte Auswahl vom Büchern zusammengestellt werden, die Lehrer und Schüler für den Unterricht nutzen. Eine Medienerziehung sei möglich.

Köhler und Heger ärgert, dass die Schulen zwar Wert auf die Förderung der Lesekompetenz legen sollen, aber keine Mittel für die Bücherei erhalten. Dabei spare die Förderung von Bildung dem Staat langfristig Geld.

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