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Sergej Justus ist Projektleiter der Renaturierung. Der Verlauf der nördlichen Bieber wurde bereits verändert.

Gewässer

Ideen für Renaturierung der Bieber gefragt

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Note 5 für den Bieberbach ? nun soll ein Teilstück bis Ende 2019 umgestaltet werden.

Idyllisch fließt der kleine Bieberbach an Feldern entlang Richtung Mühlheim, um sich dort mit der Rodau zu vereinen. Doch die Idylle trügt: Der Zustand des rund 17 Kilometer langen Fließgewässers ist schlecht. Eine Untersuchung des Baches bescherte diesem die Note Fünf. „Das ist die schlechteste Note, die die Bieber hat bekommen können“, sagt Sergej Justus von der Unteren Wasser- und Bodenschutzbehörde der Stadt.

Der ökologische Zustand sei „unbefriedigend“, der chemische Zustand „zu 100 Prozent schlecht“, heißt es in der Untersuchung. „Das kommt durch die beiden Kläranlagen in Dietzenbach und Heusenstamm, die Wasser einleiten“, sagt Justus. Das Gewässer sei schwer mit Quecksilber oder Phosphor belastet.

Zudem ist rund ein Drittel des Bachlaufs auf Offenbacher Gemarkung begradigt. Nachdem die Stadt in den vergangenen Jahren bereits den nördlichen Teil der Bieber bis Mühlheim renaturiert hat, soll bis Ende 2019 der rund 1,8 Kilometer lange südliche Teil zwischen der Gemarkungsgrenze Heusenstamm und der Wikingerstraße wieder einen natürlichen Verlauf erhalten.

Sechsstelliger Betrag für Renaturierung

Am Donnerstag hat die Stadt das Renaturierungsprojekt der hessischen Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) vorgestellt. Durch neue Förderrichtlinien erhofft sich die finanziell klamme Stadt weitreichende Hilfe bei der Umsetzung der Renaturierungsarbeiten. Wie teuer die Renaturierung insgesamt wird, ist noch nicht bekannt. Ein sechsstelliger Betrag sei aber realistisch. Da kommt es gelegen, dass das Land für Teilmaßnahmen nun bis zu 95 Prozent der Kosten übernehmen kann. Zuvor förderte das Land entsprechende Projekte nur bis zu 85 Prozent.

„Wir setzen bei der Renaturierung auf die Unterstützung der Bürger“, sagt Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach. Bis Jahresende sollen in Workshops Ideen der Bürger gesammelt werden, wie die Bieber zukünftig verlaufen soll. „Wir werden auch in die Kindergärten gehen und dort für die Renaturierung werben“, sagt Hollerbach, „denn auch die spätere Instand- und Sauberhaltung sei Sache aller Bürger. „Da müssen wir ein Bewusstsein schaffen, dass die Leute den Bach auch sauberhalten und keine Abfälle hineinkippen“, meint sie.

Begradigung schon vor Jahrhunderten

Die Begradigung des Bachlaufs sei schon vor Jahrhunderten erfolgt, sagt Justus. „Karten aus dem 18. Jahrhundert zeigen, dass man den Bach gerade angelegt hat, damit das Wasser für die Mühlen schneller geflossen ist.“

Im Kreis haben etwa Mühlheim oder Heusenstamm bereits in den vergangenen Jahren Geld in Renaturierungsmaßnahmen von Bieber und Rodau gesteckt. Während der Zustand der Rodau sich erheblich gebessert habe, bleibe die Bieber weiterhin problematisch. „Im Grunde fängt das Projekt erst jetzt richtig an, die Renaturierung ist nur der Anfang“, so Sergej Justus.

Das Ziel müsse sein, die Belastung des Wassers mit Schwermetallen zu verringern und für einen ausgewogenen Fischbestand zu sorgen. Viele Arten wie Ukelei, Schleie oder Äsche fänden sich nicht mehr in der Bieber, andere wie Schmerle oder Gründling dagegen überproportional häufig. „Wichtig wäre es, wieder eine stabile Fischfauna zu erzielen“, sagt Justus.

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