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"Ich kontrolliere die Eltern nicht"

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Es geht ums Baby: Margit Begon bei Alex und Sonja Ak.
Es geht ums Baby: Margit Begon bei Alex und Sonja Ak. © Renate Hoyer

Margit Begon ist eine von sieben Familienhebammen im Kreis Offenbach. Sie hilft frischgebackenen Eltern, die Schwierigkeiten haben, ihr Familienleben zu strukturieren.

Von Dirk Rüsing

Dem kleinen Alex geht es gut. Nur will der Einjährige mittags nicht immer essen, was ihm seine Mutter Sonja Ak kocht. Die Frau aus Urberach berät sich daher mit Hebamme Margit Begon, was sie Alex am besten füttern könnte. Begon betreut Alex und seine Eltern bereits seit einem Jahr als Familienhebamme.

Mehrfach in der Woche schaut sie bei ihnen vorbei, um zu sehen, wie die Eltern mit dem Jungen klarkommen. Sie achtet darauf, ob Mutter und Vater die Bedürfnisse von Alex erkennen, und macht sich ein Bild von der Eltern-Kind-Bindung. Margit Begons Rolle ist die einer Ratgeberin. „Ich kontrolliere die Eltern nicht“, betont sie. Über die Familie Ak sagt sie, alles sei in Ordnung.

Als die Familienhebamme das Ehepaar aus Urberach kennenlernte, war gerade gar nichts in Ordnung. Alex war nur wenige Tage alt und lebte bei Pflegeeltern. „Das Jugendamt hat ihn mir direkt nach der Geburt weggenommen“, erzählt Sonja Ak. Das Amt habe ohne Vorwarnung gehandelt und erklärt, es sehe das Wohl des Kindes in Gefahr. Vorausgegangen war laut Sonja Ak ein Hausbesuch eines Jugendamts-Sachbearbeiters, nachdem sie bei der Behörde um mögliche finanzielle Unterstützung nachgefragt hatte. Ak war zu diesem Zeitpunkt bereits Mutter zweier weiterer Kinder, die nicht bei ihr lebten. „Wegen meiner Vorgeschichte und unserer angeblich verdreckten Wohnung hielt man uns nicht für fähig, Alex großzuziehen“, sagt sie.

Zwei Wochen später entschied eine Richterin, dass das Baby zurück zu seinen Eltern durfte. In diesem Zusammenhang wurde Familienhebamme Begon hinzugezogen. Seitdem kümmert sie sich, um die drei Aks.

Im Kreis Offenbach ist Margit Begon eine von sieben Familienhebammen, die innerhalb des Projekts „Keiner fällt durchs Netz“ junge Eltern betreuen, die schwierige Lebensumstände haben. Bis zu einem Jahr lang kann sie die Familien unterstützen und wird dafür vom Kreis bezahlt. Die Hebammen erleben Mütter und Väter mit unterschiedlichen Problemen. Viele haben keine Jobs und kaum Geld. An anderen Stellen gibt es Gewalt, Sucht oder psychische Schwierigkeiten. „Und in solche Situationen wird ein Kind hineingeboren“, sagt Begon.

Ihr Job sei dann, im ersten Lebensjahr des Kindes Strukturen in die Familien zu bringen. „Ich erlebe Mütter, die nicht mal in der Lage sind, die Fläschchen ihrer Kinder zu säubern“, sagt Begon. Darauf weise sie dann so lange hin, „bis die Eltern von sich aus spülen.“ Andere Familien begleitet sie zu den vorgeschrieben Untersuchungen beim Kinderarzt oder hilft bei Behördengängen.

„All das dient der guten Kindesentwicklung“, sagt sie. Begon betreut derzeit etwa sieben Familien und betont, dass ihre Hilfe freiwillig in Anspruch genommen wird. „Ich bin nicht der verlängerte Arm des Jugendamts.“

Kontakte zu den Eltern kommen in der Regel über Frauenärzte, Kliniken und Beratungsstellen zustande, denen Schwangere mit Problemen auffallen. „Die Stellen wenden sich an unsere Vermittlungsstelle, und wir bieten dann unsere Hilfe an.“

Nicht für jede Situation haben Familienhebammen eine Lösung. „Aber dann können wir professionelle Unterstützung vermitteln“, sagt Margit Begon.

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