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Hunde müssen nicht an die Leine

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Von: Annette Schlegl

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In Dreieich haben Hunde freie Bahn. (Symbolbild)
In Dreieich haben Hunde freie Bahn. (Symbolbild) © dpa

Hundehalter in Dreieich (Kreis Offenbach) müssen in der Brut- und Setzzeit ihre Vierbeiner nicht anleinen. Die Entscheidung fällt im Stadtparlament denkbar knapp.

Elf von 13 Kommunen des Kreises Offenbach haben eine Anleinpflicht für Hunde, Dietzenbach führt sie laut Natascha Bingenheimer (Bürger für Dreieich) gerade ein. Nur in Dreieich konnte sich die Stadtverordnetenversammlung bisher nicht zu einem Leinenzwang durchringen. Daran hat sich auch nach der Sitzung am Dienstagabend nichts geändert: Der Antrag der Grünen, eine Satzung über eine Anleinpflicht für Hunde während der Brut- und Setzzeit einzuführen, wurde abgeschmettert.

Schon Ende 2015 hatte der Magistrat eine Vorlage für eine Anleinpflicht in der Brut- und Setzzeit aufgelegt, die im Fachausschuss jedoch abgelehnt wurde. Der Magistrat zog sie daraufhin zurück – „auch im Hinblick auf die damals anstehende Kommunalwahl“, sagt Bingenheimer.

Nun brachten die Grünen das Thema erneut aufs Tapet – und es mussten zusätzliche Stühle in den Sitzungssaal geschleppt werden, weil das Interesse der Naturschützer auf der einen und der Hundehalter auf der anderen Seite so groß war. Nach einer längeren Debatte fiel die Entscheidung denkbar knapp aus: 21 Stimmen für die Anleinpflicht, 23 dagegen. 

Dabei hatten die Grünen ihren Ursprungsantrag nach Einwänden von Zuhörern in den Ausschüssen sogar noch um einen zusätzlichen Punkt erweitert: In Abstimmung mit der AG Umwelt und Naturschutz sowie der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises sollte der Magistrat bis März 2019 Hundewiesen in den Baierhansenwiesen in Sprendlingen und so weit möglich auch in allen anderen Stadtteilen ausweisen. Wiesen und Felder, auf denen Hundehalter oft unterwegs sind, seien schließlich Privatbesitz der Landwirte, erläuterte Heidi Soboll (Grüne). 

Ihr Argument, die Vierbeiner könnten doch auf solchen Hundewiesen nicht nur während der Brut- und Setzzeit, sondern vielleicht sogar ganzjährig laufen und miteinander spielen, zog bei CDU, FDP, FWG und AfD nicht. Die SPD hatte ihre Fraktionsdisziplin aufgehoben, damit jedes Fraktionsmitglied nach seinem Gewissen abstimmen konnte.

Wenn Dreieich erneut keine Hundesatzung verabschiede, lade das Unvernünftige dazu ein, „hier noch intensiver jene selbstbezogenen Freiheiten zu genießen, die anderswo nicht gestattet sind“, warnte Bingenheimer. Marco Lang (FWG) dagegen meinte, dass keine Attraktion entstünde, nur weil es keine Leinenpflicht gebe. Dreieich solle doch dem Beispiel Frankfurts folgen: „Wer seinen Haufen nicht wegmacht, zahlt 80 Euro.“

Dass das Thema Leinenzwang diskutiert werden müsse, liege an jenen Hundehaltern, die ihren Hund nicht im Griff haben, befand Alexander Kowalski (FDP). „Die Antwort heißt Courage“, stellte er fest. „Den Anderen ansprechen, damit er seiner Verantwortung nachkommt.“

Hartmut Honka (CDU) erklärte, in der Nachbarstadt Neu-Isenburg gebe es die Anleinpflicht, aber nicht nur zur Brut- und Setzzeit. Auch in Langen regele die Satzung das Verhalten der Hundebesitzer das ganze Jahr über. „Mit einer Satzung erwische ich alle, die Guten und die Bösen“, sagte Honka. Die Bösen würden aber am Ende nicht mit etwas bekehrt, „was tot in der Schublade im Rathaus liegt“. Mit Vernunft komme man weiter als mit einer Satzung.

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