Dem Untergang geweiht: Das ehemalige Druckereigelände der FR wurde an einen Investor verkauft.

Stadtentwicklung

Hotelbett statt Rotationsdruck in Neu-Isenburg

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Die ehemaligen Rundschau-Gebäude an der Rathenaustraße sind bald Geschichte. Der Abrissbagger arbeitet sich Stück für Stück vor.

In großen Lettern prangen noch die Worte „Frankfurter Rundschau“ an den Gebäuden des ehemaligen Druckereiareals an der Rathenaustraße in Neu-Isenburg, und hinter den großen, dick verstaubten Scheiben der Einlasskontrolle sieht es aus, als hätte der Pförtner gestern noch Dienst getan. Sein großes Schalttableau scheint noch intakt, Aktenordner sind im Regal gestapelt, ein PC steht auf dem Schreibtisch. Doch schon ein paar Meter weiter das untrügliche Zeichen, dass die Vergangenheit von der Zukunft eingeholt wird: Die Zähne eines Baggers graben sich in das alte Verwaltungsgebäude, von dem jetzt nur noch ein Betongerippe übrig ist.

Wie die Zukunft aussehen wird, bestimmt nun ein bayerisches Unternehmen: Die Isarkies Wohn- und Gewerbegrund GmbH aus Unterwattenbach bei Landshut hat das ehemalige Druckereiareal der FR im Sommer 2017 für einen zweistelligen Millionenbetrag gekauft – und ist sich nun noch nicht sicher, ob auf dem 53 000 Quadratmeter großen Gelände überhaupt ein Stein auf dem anderen bleibt. „In unserem Haus besteht eine große Bereitschaft, einen Neubau zu realisieren – wenn die Abrisskosten im Rahmen bleiben“, sagt Isarkies-Geschäftsführer Herbert Blaschke. „Man hat andere Möglichkeiten, wenn man neu baut.“ Trotzdem stehe auch noch die Entkernung und Revitalisierung zur Debatte – so wie ursprünglich einmal geplant.

Weichen muss auf jeden Fall das fünfgeschossige Verwaltungsgebäude an der Ecke Rathenau-/Hermannstraße, das seit November letzten Jahres entkernt wird. Es sei veraltet und werde deshalb abgerissen, so der Geschäftsführer. Aktuell zeugen große Geröllhalden und Berge von Metallen von den Plänen des Investors. Im Mai sind die Abrissarbeiten beendet, dann wird dort ein Hotel mit 120 bis 140 Betten hochgezogen.

Wie die anderen bisher noch nicht entkernten Gebäude genutzt werden sollen, ist nicht so ganz klar. „Ein endgültiges Konzept ist noch nicht da“, sagt Bauleiter Otto Hien. Es werde eine Vielzahl von Nutzern geben, erklärt Geschäftsführer Blaschke. Der Stadt schwebt ein Gründerzentrum vor, auf jeden Fall sei kleinteiliges Gewerbe geplant sowie ein Handwerkerhof, der den mittelständischen Betrieben Ausstellungs- und Arbeitsfläche bietet. Seit einem halben Jahr gebe es immer wieder Anfragen von Interessenten, sagt Hien.

In der ehemaligen Poststelle ist noch immer der Briefkasten befestigt.

Isarkies holt sich gerade Angebote ein, was ein Komplettabriss kosten würde. Sechs bis sieben Millionen Euro, schätzt Baustellenkoordinator Günter Meier. Den vorderen Teil der 15 Meter hohen Druckereihalle könnte man vielleicht stehen lassen, sagt Blaschke. „Das kommt auf die Mieter an, die sich auftun, und auf die Kosten.“ Der hintere Teil, in dem einst die Rotationsmaschinen standen, sei aber nicht mehr nutzbar. „Es gibt ein 800-Seiten-Gutachten zur Bauschadstofferhebung für das gesamte Gelände“, sagt Meier und blättert in einem dicken Aktenordner. „Typische baujahrsbedingte Altlasten, aber keine Chemie und keine Lösungsmittel“, murmelt er. Heißt: Schadstoffe wie Asbest und Glaswolle sind sehr wohl vorhanden und müssen mit Atemmasken separiert werden. Nur dann ist der Bauschutt so weit unbelastet, dass man ihn als Unterbau für eine neue Halle nochmals verwenden könnte. Ein Sicherheits- und Gesundheitskoordinator überwacht, dass alles mit rechten Dingen zugeht.

„Wenn alle Gebäude freistehend wären, wäre alles einfacher“, sagt Meier. Doch es sei einige Male angebaut worden, deshalb sei die Statik problematisch.

Bei einem Rundgang durch die noch nicht entkernten Gebäude wird dann auch klar, wie oft früher mehr Platz geschaffen wurde: Hinter einer Kellertür mit einem aufgeklebten Zettel „Archiv“ finden sich Regale, auf denen rund 500 Ordner mit alten Bauplänen lagern. Überhaupt stößt man immer wieder auf seltsam anmutende Relikte: In der ehemaligen Poststelle hängen noch die alten Briefkästen, in der Druckereihalle liegen Schuhe, die Flüchtlinge verloren haben, in der Brandmeldezentrale stapeln sich Kabel, Tastaturen, Drucker, Telefone und Computer, die der Zeitgeist längst überholt hat.

Die Vorgeschichte

Im Frühjahr 2013 wurde die Großdruckerei der Frankfurter Rundschau an der Rathenaustraße geschlossen.

Im September 2015 beschloss das Land, die Druckereihalle als Erstaufnahmeeinrichtung zu nutzen, und schuf dort Platz für bis zu 1000 Flüchtlinge.

Im Juni 2016 wurden die noch verbliebenen Flüchtlinge umverteilt, und das Gelände verwaiste.

Der Hotelier Ulrich Ferber, Ehemann der Schlagerkönigin Andrea Berg, erstand das Areal und verkaufte es im August 2017 an die Isarkies Wohn- und Gewerbegrund GmbH.

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