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Die Straßen sind bei der Ankunft des historischen Kaufmannszugs in Seligenstadt dicht belagert.

Zeitreise

Historisch gewandet unterwegs

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250 Teilnehmer sind in Seligenstadt in Rokokokleidern auf alten Handelswegen unterwegs.

Es sind ganz besondere 340 Kilometer, die rund 250 Personen vom 1. Juni an auf sich nehmen: Zwei Wochen lang gehen sie auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. In historischen Gewändern marschieren und reiten sie von Augsburg aus auf alten Handelswegen Richtung Frankfurt, um am 15. Juni in Seligenstadt mit großem Brimborium empfangen zu werden. Der Arbeitskreis Kaufmannszug im Heimatbund Seligenstadt, eine Gruppierung von historisch begeisterten Bürgern, macht das Abenteuer einer Geleitsreise des 18. Jahrhunderts alle vier Jahre möglich.

Im März 2002 hatte der Seligenstädter Pferdehalter Stephan Sprey, der schon lange mit dem Pferdewagen im Fastnachtszug dabei ist, die fixe Idee, eine Planwagentour mit Freunden zu unternehmen und dabei den historischen Kaufmannszug so originalgetreu wie irgendmöglich nachzuempfinden. Er fand Mitstreiter im Heimatbund Seligenstadt, die zusagten, die Kostüme und auch einige Wagen bereitzustellen. Sprey besorgte sich auch selbst alte Leiterwagen, verwendete die Achsen und Räder und baute so zwei historische Planwagen auf. Am 31. Mai 2003 startete der erste Zug mit Kaufleuten und ihrem Geleit von Nürnberg Richtung Frankfurt.

Am 1. Juni geht der historische Kaufmannszug jetzt zum fünften Mal über die Bühne. Mit den Jahren ist der Trupp stark gewachsen, aus einst 50 Teilnehmern sind 250 geworden, aus 20 Pferden nun 44 und aus sieben Wagen nun 18 Fuhrwerke und Kutschen. „Kaufleute machen den geringsten Teil aus“, sagt Robert Wurzel, der zum zehnköpfigen Organisationsteam des Arbeitskreises Kaufmannszug gehört. Ganz nach historischem Vorbild sind nämlich auch viele Knechte und Mägde mit dabei, aber auch Reisende, die einst das sichere Geleit ausnutzten, sowie Soldaten zu Fuß und zu Pferd.

Die Teilnehmer tragen Kleidung, die sie sich entweder selbst genäht oder besorgt haben. „Aber keine Mittelalterkleider“, sagt Wurzel. „Das Gewand muss in die Zeit des Rokoko passen.“ Der Heimatbund unterhält auch selbst einen kleinen Fundus von Kostümen – vor allem für die Soldaten, deren Rüstungen gut und gerne 1000 Euro teuer sind.

Die Interessenten kommen in der Hauptsache aus Seligenstadt und der näheren Umgebung, aber es sind auch Pferdehalter und Fuhrleute aus Garmisch-Partenkirchen oder aus dem Bayerischen Wald dabei. Die Wegstrecke führt hauptsächlich über Feld-, Wald-, Wiesen- und Radwege, um dem schnellen motorisierten Straßenverkehr aus dem Wege zu gehen. Die Tagesetappen liegen zwischen 16 und 33 Kilometern.

Wer will, kann nur die erste oder die zweite Woche mitfahren, -reiten oder -laufen, viele sind aber beide Wochen mit dabei. Pro Woche sind 276 Euro Reisegebühr zu zahlen. „Die Fuhrleute, die die Teilnehmer transportieren, bekommen einen Sonderpreis“, sagt Wurzel. Dazu kommen dann noch Hotelkosten – sofern dieser Luxus gewünscht ist. 100 bis 110 Teilnehmer schlafen laut Wurzel aber in Lagern, Zelten oder auf den Fuhrwerken.

Das Orga-Team arbeitet im Hintergrund. Jeden Tag baut es das Lager auf und wieder ab, errichtet mobile Stallungen für die Pferde, besorgt das Futter. Ein eigener Küchentrupp betreibt die Lagerküche, wo es morgens Frühstück und mittags Wurst, Brot und Käse gibt. Ab und zu wird auch gegrillt. „Wir haben auch Sponsoren wie zum Beispiel Metzgereien, die vorbeikommen und die Mannschaft versorgen“, sagt Wurzel. Und an den jeweiligen Etappenorten, wo der Kaufmannszug mit großem Hallo begrüßt wird, locken abends Einladungen.

Wie anno dazumal führen die Kaufleute Waren mit – Filz- und Lederartikel sowie Seifen –, die sie an den Etappenzielen ausbreiten und zu einem symbolischen Preis verkaufen. Eine Gedenkmedaille wird ebenfalls angeboten.

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