Rödermark

Rödermark: Hilfe für Frauen ohne Hebamme

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Es gibt immer weniger Hebammen - aber die Zahl der Geburten steigt. Christiane Rasmussen vom Schillerhaus in Rödermark hat Hilfe für die Mütter im Wochenbett organisiert.

Ein Jahr lang hat es gedauert, bis Christiane Rasmussen, Projektkoordinatorin im Mehrgenerationenhaus Schillerhaus, drei Hebammen fand, die bereit sind, in Rödermark Mütter im Wochenbett zu beraten und zu betreuen. In der Stadt gibt es keine einzige praktizierende Hebamme mehr. Jetzt ist aber Hilfe in Sicht: Ab 28. Januar können Frauen ohne Hebamme Termine für eine Nachsorge-Sprechstunde vereinbaren, die in den Räumen des Familienzentrums Kita Liebigstraße stattfindet.

Aus eigener leidvoller Erfahrung heraus hat Rasmussen das Projekt initiiert: Im Jahr 2014 suchte sie ab der elften Schwangerschaftswoche eine Hebamme, fand aber keine mit freien Terminen. Anfang August 2014 konnte sie gerade noch einen Geburtsvorbereitungs-Crashkurs in einer Hebammenpraxis in Dieburg belegen, bevor im September die Tochter zur Welt kam. „Danach war es auch wochenlang nicht klar, ob die Hebamme aus dem Crashkurs meine Nachsorge übernehmen kann“, sagt sie. Die Frau sei damals schon heillos überlastet gewesen. Mittlerweile ist die Dieburger Hebammenpraxis geschlossen. Eine Hebamme aus Rödermark-Waldacker, die Rasmussen noch im November 2018 wegen der Nachsorge-Sprechstunde ansprach, praktiziert ebenfalls nicht mehr. „Wir hatten noch einmal E-Mail-Kontakt, danach kam nichts mehr“, sagt Rasmussen.

Die 41-Jährige gab aber nicht auf, versuchte, Hebammen im Umkreis vom Konzept einer Nachsorge-Sprechstunde in den Rödermarker Kita-Räumen zu überzeugen. Sie fand Tanja Bobrow aus Mainhausen, die nun ab 28. Januar nach Terminvergabe dienstags von 8 bis 10 Uhr in den Räumen der Kita Liebigstraße für Frauen im Wochenbett zur Verfügung steht. Ab 19. März kommt Jasmin Beissel aus Langen dazu, die dann donnerstags von 15 bis 18 Uhr im 1. Stock der städtischen Kita praktiziert. Im Sommer wird das Team mit Sarah Upgang aus Eppertshausen komplettiert, die bisher im Gesundheitszentrum GuFie ein Stillcafé anbot.

Terminvergaben

Terminvergabenerfolgen direkt über die Hebamme Tanja Bobrow, Tel. 0160-92190490, E-Mail: t.bobrow@gmx.de, sowie ab 19. März auch über Jasmin Beissel, Tel. 0159-05483816, E-Mail: jasmin.schiewer@gmail.com.

„Bobrow fand es gut, dass sie dank unseres Projekts nicht durch die Gegend fahren muss“, sagt Rasmussen – schließlich werden Mütter normalerweise nach der Geburt zu Hause im Wochenbett betreut. „So spart die Hebamme Zeit.“ Die beiden anderen Hebammen seien gerade in Elternzeit und sähen die Nachsorge-Sprechstunde als eine gute Gelegenheit, langsam wieder einzusteigen.

Das Trio wird Mütter ohne Hebamme rund ums Wochenbett beraten. „Sie zeigen beispielsweise, wie man das Baby badet, beraten in punkto Hygiene oder klären die Frauen über Stilltechniken auf“, sagt Rasmussen. Auch die wichtigsten Untersuchungen werden in den Räumlichkeiten in der Kita Liebigstraße durchgeführt. Die Hebammen kontrollieren etwa die Geburtswunden, überprüfen den Nabel des Säuglings und dessen Gewicht.

Gesetzlich krankenversicherte Mütter können bis zu zwölf Wochen lang in die Nachsorge-Sprechstunde in Rödermark kommen – so lange hat jede frischgebackene Mama dem Gesetz nach einen Anspruch.

Alle drei Hebammen sind selbstständig, rechnen ihre Leistungen über die Krankenkassen ab. Das Familienzentrum stellt die Räumlichkeiten für die Sprechstunde zur Verfügung, die Stadt hat den Kauf der Untersuchungsgeräte, wie beispielsweise eine Babywaage oder die Untersuchungsliege, finanziert. Das sonstige erforderliche Mobiliar kam aus dem Budget des Schillerhauses.

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