„Für mich ist das nichts Besonderes, nur weil ich eine Frau bin“: Katrin Rebell steht ihren Mann.

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Heusenstamm: „Man muss zeigen, dass man kein Püppchen ist“

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Katrin Rebell ist die erste Frau in einer Wehrführung im Kreis Offenbach. Mit der FR spricht sie über ihre Vorreiterrolle in der Feuerwehrspitze.

Sie ist die erste Frau in einer Wehrführung im Kreis Offenbach: Zusammen mit zwei Männern leitet die 31-jährige Katrin Rebell die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Heusenstamm. Die gelernte Fachinformatikerin ist Zugführerin, steuert das große Feuerwehrauto und ist bei Bränden mit Atemschutz an vorderster Front.

War es für Sie als Frau schwierig, diesen Weg zu gehen?
Natürlich muss man als Frau in der Feuerwehr bereit sein, anzupacken. Da ist man auch mal dreckig, da ist man auch mal ungekämmt, da bricht mal ein Nagel ab. Das muss man abkönnen. Aber ansonsten hatte ich nie Steine im Weg. Man braucht allerdings familiären Rückhalt, weil die Führungsposition in einem Ehrenamt ein enormer Zeitaufwand ist. Das ist bei uns aber relativ einfach, weil mein Freund, mein Vater und mein Bruder auch aktiv bei der Feuerwehr sind.

Mussten Sie nicht doppelt so gut sein, um an die Stelle zu kommen, an der Sie jetzt sind?
Das Gefühl hatte ich nicht. Natürlich muss man als Frau zeigen, dass man kein Püppchen ist, muss sich beweisen. Wenn man gezeigt hat, man will das, man macht das mit Freude, ist man genauso akzeptiert wie jeder Mann und kann seinen Weg gehen. Ich bin ja auch in der Wehrführung unserer Feuerwehr. Das ist ein Wahlamt. Wenn es da Vorbehalte gäbe, wäre ich von der Mannschaft nicht gewählt worden.

Es gibt also keinen Mann, der ein Problem damit hat, von einer Frau geführt zu werden?
Nein, bei uns klappt das sehr gut. So ein Führungsamt baut man sich ja mit einer entsprechenden Ausbildung auf. Ich habe damals den ersten Schritt zur Ausbildung als Gruppenführerin auch nur gemacht, weil ich das Gefühl hatte, dass die Mannschaft das mitträgt.

Was hebt Sie von anderen Frauen in der Feuerwehr ab?
Ich denke nicht, dass ich so was Besonderes bin. Auch die Männer in der Feuerwehr sind nicht alle Führungskräfte oder nicht alle Atemschutzgeräteträger. Jeder hat so seinen Schwerpunkt. Das ist aber eine Charakter- und keine Geschlechtersache.

Müssen Sie sich blöder Sprüche von Männern erwehren?
Natürlich kommt mal ein Spruch, aber der ist nicht unbedingt geschlechterbezogen. Ich glaube, dass wir in den Feuerwehren mit dem Umdenken, das in den letzten 15 Jahren stattgefunden hat, sehr weit sind – auch wenn Frauen in Führungsposition noch relativ selten sind. In der Bevölkerung ist aber noch Aufklärungsarbeit nötig: Wenn ich erzähle, ich bin bei der Feuerwehr und erledige die gleichen Aufgaben wie die Männer, dann ist das nicht die Antwort, mit der mein Gegenüber rechnet.

Katrin Rebell ist seit ihrem zwölften Lebensjahr bei der Freiwilligen Feuerwehr Heusenstamm, war erst in der Jugendabteilung und wechselte mit 17 Jahren in die Einsatzabteilung. Im Mai 2016 absolvierte sie den Lehrgang, um einen Zug und Einsatz zu leiten.

Am 2. November engagiert sich die 31-jährige Heusenstammerin erstmals sozial: Bei der Charity-Gala „Kleider machen Leute“ im Hotel Kempinski tauscht sie die Feuerwehruniform mit dem schicken Kostüm.

Der Erlös der Mode-Gala kommt der Leberecht-Stiftung für in Not geratene Kinder und deren Familien zu Gute. ann

Es gibt ja bei der Feuerwehr viele schwere Tätigkeiten. Was macht man denn, wenn man als Frau nicht die Muskeln dafür hat?
Im Einsatzfall reagiert der Körper mit einer Adrenalinausschüttung. Das macht vieles möglich. Im Einsatzfall gab es noch nichts, was ich aufgrund meines Körperbaus gar nicht hingekriegt hätte. Noch dazu sind wir im Trupp auch immer zu zweit. Im Übungsdienst sagen die Männer auch mal: Komm, lass mich das machen. Oder ich sage: Das ist mir zu schwer, kannst du mir helfen? So viel Selbsteinschätzung muss man haben.

Sind Sie selbst schon bei einem Einsatz gestört oder beleidigt worden?
Beleidigt worden bin ich noch nicht. Natürlich fangen Leute manchmal an, ihre Handys zu zücken oder das Flatterband der Absperrung zu ignorieren. Ich versuche dann, ein Machtwort zu sprechen. Wenn das gar nicht funktioniert, gebe ich die Verantwortung an die Polizei vor Ort ab.

Sie rufen also keinen Mann dazu, der dann ein Machtwort spricht?
Nein. Ich kann da relativ überzeugend auftreten. Ich übe die Funktion des Einsatzleiters aus und will auch so ernst genommen werden, als wäre ich ein Mann.

Sehen Sie sich als Vorbild für andere Frauen im Ehrenamt?
Ich mache das, weil ich das für mich für richtig halte. Ich glaube aber schon, dass ich so aufzeigen kann, was für Frauen geht.

Interview: Annette Schlegl

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