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Elfriede und Ekkehard Kühnel, Fans des hr-Sinfonieorchesters, vor ihrer Sammlung.

Rodgau

In 50 Jahren nur ein Konzert verpasst

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Das Ehepaar Kühnel in Rodgau-Weiskirchen lauscht mit Begeisterung dem hr-Sinfonieorchester. Die beiden haben 7300 Tonträger gesammelt, darunter viele Raritäten.

Wenn Elfriede und Ekkehard Kühnel aus Weiskirchen sich für etwas begeistern, sind sie sehr beständig: Die beiden sind nicht nur seit 51 Jahren verheiratet, sondern auch seit 50 Jahren eifrige Besucher des hr-Sinfonieorchesters. Dafür wurden sie jetzt vom Hessischen Rundfunk geehrt.

„Wir waren neulich wieder im Konzert und das ist wirklich ein fantastisches Orchester“, schwärmt Elfriede Kühnel. Auch für den aktuellen Gastdirigenten des Orchesters, Sakari Oramo, finden die beiden nur Lob. „Es ist unglaublich, wie viel Sensibilität er aus den Musikern herausgeholt hat.“

Bücher und Noten füllen Regalwände

Fünf Kisten mit den Konzertprogrammen aus 50 Jahren haben sie noch. 7300 Tonträger, darunter viele Raritäten, stehen sorgsam sortiert in Schränken und Bücherbords, dazu füllen Sekundärliteratur und Noten ganze Regalwände. Allein 22 Aufnahmen von Beethovens Eroica sind in verschiedenen Interpretationen im Fundus. „Da kann ich nicht widerstehen, wenn es wieder eine neue Aufnahme gibt“, sagt er, „jede ist ein bisschen anders und das gibt interessante Diskussionen.“

Eigentlich habe er an seinem 60. Geburtstag mit dem Sammeln aufhören wollen, sagt der 77-Jährige. „Aber da hat meine Frau geschimpft und gesagt: ’Wenn du damit aufhörst, bist du alt’.“

Wie die Begeisterung für das hr-Sinfonieorchester anfing, daran kann sich der frühere Kapellmeister Ekkehard Kühnel noch gut erinnern. Als junger Musikstudent in München verdiente er sich mit Klavierstunden Geld für neue Schallplatten dazu. „Für drei Klavierstunden konnte ich eine Platte kaufen.“ Dabei entdeckte er den amerikanischen Dirigenten Dean Dixon, von dem er gezielt alle Aufnahmen sammelte.

Musiker im Orchester wechseln

Als er nach Studienende eine Stelle als Ballettpianist in Frankfurt an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst antrat, fiel ihm an der Hauptwache eine Konzertankündigung des hr-Sinfonieorchesters ins Auge, bei der Dean Dixon dirigierte. Sofort kaufte er zwei Karten – der Beginn einer nicht endenden Leidenschaft für das Orchester.

Nur ein einziges Konzert haben die beiden in 50 Jahren versäumt. Mit steigendem Niveau der Aufführungen sei es aber immer schwerer geworden, an Karten zu kommen. „Hervorragende Musiker machen ja noch kein gutes Orchester“, sagt er, „das ist wie mit Rodgau. Sechs wunderbare Dörfer bilden noch keine richtige Stadt.“ Aber Dean Dixon sei es gelungen, in 13 Jahren als Dirigent ein Orchester von herausragender Qualität aufzubauen.

Zweimal erwischten die anfangs Kühnels keine Karten mehr. „Aber ich kannte den Konzertmeister, weil seine Tochter bei mir in der Ballettklasse tanzte“, schmunzelt er. Fortan wurden deshalb Abonnements gekauft.

In den 50 Jahren haben die Musiker alle gewechselt, die Kühnels blieben. „Manchmal sehen wir im Zuschauerraum noch einen ehemaligen Bratscher und einen früheren Kontrabassisten“, erzählen sie.

Auch die Proben zu den Sinfoniekonzerten besuchen beide gerne. „Ich finde das Feilen an den Stücken oft interessanter und spannender als die fertige Aufführung“, sagt Elfriede Kühnel.

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