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Gunter Demnig, der Ideengeber der Initiative, hat gestern in der Bahnhofstraße elf Stolpersteine zur Erinnerung verlegt.
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Gunter Demnig, der Ideengeber der Initiative, hat gestern in der Bahnhofstraße elf Stolpersteine zur Erinnerung verlegt.

Dietzenbach

Aus der Heimat verjagt

  • Christoph Manus
    VonChristoph Manus
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Elf Stolpersteine erinnern seit gestern an zwei jüdische Familien in Dietzenbach. Sie mussten vor dem Nazi-Terror fliehen.

Generationen lang sind die Wolfs Dietzenbacher. Beide Familien betreiben erfolgreich Handel, wohnen mitten im Ort. Doch als der Nazi-Terror immer unerträglicher wird, bleibt den beiden jüdischen Familien keine andere Wahl mehr, als aus ihrer Heimat zu fliehen.

An das Schicksal der früheren Nachbarn erinnern nun elf Stolpersteine. Drei der mit Messingplatten besetzten Steine gegen das Vergessen hat der Kölner Künstler Gunter Demnig gestern vor etwa 40 Bürgern vor der Buchhandlung Bernshausen verlegt. Auf der anderen Straßenseite, im noch heute stehenden Haus Bahnhofstraße 13, lebte einst Max Wolf mit seiner Frau Johanna und der Tochter Irma und handelte sehr erfolgreich mit Agrar-, Futter- und Düngemitteln. Einer der bestsituierten Bürger Dietzenbachs sei Wolf gewesen, sagte Horst Schäfer, der an einer Broschüre über die jüdischen Familien in Dietzenbach arbeitet. Doch nachdem die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kommen, hat er kaum noch Einkünfte. Fünf Jahre später muss er sein Geschäft aufgeben.

Nach dem Krieg wird Wolf zudem über Schüsse auf sein Haus berichten. Auch ein Umzug nach Frankfurt hilft der Familie nicht, dem Naziterror zu entkommen. Max Wolf wird in der Pogromnacht vom 9. November nach Buchenwald verschleppt. Später gelingt ihm, mit seiner Frau in die USA zu fliehen, in die sich schon seine Tochter Irma, zuvor Leiterin des Kinderhorts am Frankfurter Philantropin, gerettet hatte.

Hermann Wolf, ein wie sein Namensvetter durchaus erfolgreicher Viehhändler, lebte mit seiner Frau Emma und den Kindern Julius, Klemi, Irene, Alfred, Ria und Bertha im Haus Bahnhofstraße 71, vor dem Demnig gestern acht weitere Stolpersteine verlegte. Auch der sehr fromme, über Dietzenbach hinaus angesehene Mann musste, wie Edith Conrad von der Gruppe Aktives Gedenken gestern berichtete, nach dem Boykott jüdischer Geschäftsleute sein Gewerbe aufgeben. Nach mehreren Jahren in Frankfurt flüchtete die Familie, um in die Vereinigten Staaten zu gelangen. Vater Hermann überlebte die Überfahrt allerdings nicht mehr. Er wurde in Kuba beigesetzt.

Artus Rosenbusch von der Gruppe Aktives Gedenken hob gestern hervor, dass es gelungen sei, die Stolpersteine mit Spenden zu finanzieren. Die Geldgeber würden als eine Art Pate für die Steine fungieren. Finanziell engagiert haben sich die Linke, die FDP, die Freien Wähler, die Christusgemeinde und die Gemeinde St. Martin sowie Angela Keim, Volker und Norbert H. Kern und Dörte Siedentopf.

„Ich bin froh, dass wir dazu beitragen, einen Punkt der Erinnerung zu setzen“, sagte Johannes Barton, Pfarrer der Gemeinde St. Martin, gestern. Die Stolpersteine könnten beim Begreifen und Verstehen helfen.

Der Offenbacher Rabbiner Mendel Gurewitz, der für die Verstorbenen das jüdische Totengebet sprach, lobte die Verlegung der Stolpersteine sehr. Sie gebe Hoffnung für die Zukunft der jüdischen Gemeinde in Deutschland.

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