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Michaela Butz-Strohmeier und ihr Mann Bernhard Strohmeier gießen für ihre Saunagäste auch in der Nacht an Heiligabend auf. 

Rödermark

Heiligabend bei 90 Grad in Rödermark

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Die Saunaritter im Badehaus Rödermark heizen Weihnachtsmuffeln, Hitzefans und einsamen Menschen nach der Bescherung gehörig ein.

Heiligabend so verbringen, wie Gott uns schuf. Für viele unvorstellbar, für Saunafans in Rödermark das Größte. Jedes Jahr scharen Bernhard Strohmeier und Michaela Butz-Strohmeier, Betreiber der Sauna im Badehaus, am Abend des 24. Dezember Gleichgesinnte um sich und laden zum gemeinsamen Schwitzen ein. Und es werden immer mehr gute Freunde, einsame Seelen oder Weihnachtsmuffel, die in der Heiligen Nacht bei 70, 80 oder 90 Grad entspannen und Saunadüfte einatmen wollen.

Für die Strohmeiers fängt die Arbeit genau dann an, wenn andere in der Familie nach der Bescherung zusammensitzen oder die Kirche besuchen. Um 18 Uhr gibt es daheim die Weihnachtsgans, um 19.30 Uhr öffnet das Ehepaar, das 2015 die Saunaritter GmbH gegründet hat, die Tür zur Sauna im Erdgeschoss des Badehauses. Bis 1 Uhr nachts können die Gäste dann die drei Saunen, das Dampfbad und das Solebad benutzen. „Rund 30 Reservierungen haben wir schon“, freut sich Michaela Butz-Strohmeier und berichtet von 40 bis 60 Gästen, die in den vergangenen Jahren den Weg in die Sauna gefunden hätten. Es sei „ganz normaler Saunabetrieb“ am Heiligen Abend, sagt sie. Damit untertreibt sie aber. Denn die Besucher erwartet natürlich auch ein bisschen Weihnachtliches.

Sie betritt die Sauna beim Aufguss mit Nikolausmütze, im Hintergrund ist weihnachtliche Musik zu hören. Düfte wie Bratapfel, Glühwein oder Orange mit Zimt signalisieren auch der Nase, dass Weihnachten ist. „Es gibt aber auch Aufgüsse für diejenigen, die mit Weihnachten nichts am Hut haben oder schlechte Erinnerungen verbinden“, sagt die 47-Jährige, die im Hauptberuf ein Reisebüro im Stadtteil Urberach betreibt. Die Aufgießer arbeiteten am Heiligen Abend freiwillig, kämen mit ihrer Familie „zur gemütlichen Runde“ ins Badehaus, erklärt sie. Schließlich seien die Aufgüsse das Aushängeschild der Saunaritter: „Wir arbeiten mit natürlichen Ölen, Natursud, Birke und besonderer Wedeltechnik.“

Dann nur hinein: Die Tür der Sauna steht von 19.30 Uhr bis 1 Uhr an Heiligabend für jedermann weit offen.

„Vielleicht gibt es auch noch Glühwein zu trinken“, denkt Butz-Strohmeier laut über das Programm für den 24. Dezember nach. Auch in diesem Jahr hat sie wieder mit denen Mitleid, die daheim kein Weihnachtsessen bekommen: „Wir versorgen sie mit Würstchen und Kartoffelsalat.“ Offiziell ist die Küche aber geschlossen.

Bis zu 100 Kilometer Anfahrtsweg nehmen die Gäste für den besonderen Saunatermin in Kauf. „Wo sonst stellt sich der Besitzer hin und arbeitet an Heiligabend?“, fragt Butz-Strohmeier. In der Gewinnzone sind sie und ihr Mann mit der Öffnung an diesem Tag wahrscheinlich nicht. „Es lohnt sich erst, wenn 60 Leute kommen“, sagt sie. Es ist die soziale Ader, die das Ehepaar veranlasst, einsamen Menschen einen Zufluchtsort zu bieten, aber auch ihr Wunsch, mit liebgewonnenen Freunden Weihnachten zu feiern. Viele Saunagäste kennen sich nämlich seit Jahren, gehören dem Verein der Saunaritter an, der dort montags immer Heißsaunieren trainiert. Butz-Strohmeier trägt sogar den Weltmeistertitel.

Hintergrund: Die Stadt, aus der fast alle Weihnachtskugeln der Welt kommen, liegt in China

Das Ehepaar hatte die gleichnamige GmbH gegründet, um am 1. Oktober 2015 die Sauna im Badehaus zu übernehmen. Damals verpachtete die Stadt Rödermark die defizitäre Sauna mitsamt Wellnessbereich und Gastronomie. Mittlerweile sorgen zehn Angestellte, ein Großteil davon Minijobber, für schwarze Zahlen. „Wir haben eine andere Kostenstruktur, schaffen es, mit weniger Personal auszukommen“, erklärt Butz-Strohmeier.

In Finnland habe die Weihnachtssauna Tradition, sagt sie. Und sieht es als völlig normal an, dass nach der Bescherung geschwitzt wird. „Früher gab es viele Leute, die am Heiligen Abend noch weggingen – wenn auch in die Bar oder die Disco.“

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