+
Sind geschäftlich und privat ein Paar: Piercer Axl und Tätowiererin Melanie.

Neu Isenburg

Harte Typen mit weichem Herz

Die Neu-Isenburg Tätowierer von Inky und Stretchy gehören wohl nicht zu den Leuten, die auf der Straße oft nach der Uhrzeit gefragt werden. Doch hinter den harten Schale steckt ein weicher Kern: Die Tätowiernadelen lassen sie auch für den guten Zweck summen.

Von Maurice Farrouh

Melanie und Axl sehen wild aus. Zutätowiert bis auf die Hände, mit Piercings im Gesicht und talergroßen Ringen in den weit gedehnten Ohrläppchen gehören die Inhaber des Tattoo- und Piercingstudios Inky und Stretchy nicht zu den Leuten, die auf der Straße oft nach der Uhrzeit gefragt werden – höchstens vielleicht vom Bürgermeister. Der kennt die beiden auffälligen Unternehmer und weiß, dass hinter der harten Schale der zwei Mittdreißiger in Wahrheit ein weicher Kern steckt.

„Wir können froh sein, solche engagierten Leute in der Stadt zu haben“, sagt Rathaus-Chef Herbert Hunkel über die Tätowierer von der Frankfurter Straße. Als die Stadt beim Open-Doors-Festival Geld für die medizinische Untersuchung von missbrauchten Kinder sammelte, ließ das Team von Inky und Stretchy für den guten Zweck die Tätowiernadeln summen. Im Akkord brachten die vier Tätowierer Tinte unter die Haut ihrer Kunden: Rund 50 Leute haben sich eines von drei für die Aktion entworfenen Motiven stechen lassen. Jeder zahlte mindestens 25 Euro. So kamen 1500 Euro zusammen, die an die Kinderschutzambulanz des Frankfurter Uniklinikums gegangen sind.

Damit zählt das Studio zu den größeren Geldgebern der Charity-Aktion, was auch bemerkenswert ist, weil anders als bei vielen Sponsoren des Festivals keine große Firma im Hintergrund steht. „Wem es selbst gut geht, der kann auch anderen Menschen helfen – besonders, wenn es um Kinder geht“, sagt Melanie, die genau wie Axl nur mit ihrem Vornamen angesprochen werden will. Neben dem Material wie Farben, Desinfektionsmittel und Maschinen stellten die Tätowierer für die Aktion vor allem ein gefragtes Gut zur Verfügung: ihre Zeit.

Der Laden brummt

Denn das Studio hat gut zu tun. Wer sich von Melanie tätowieren lassen möchte, muss anderthalb Jahre im Voraus einen Termin machen. So lange ist die gebürtige Saarländerin ausgebucht. Für ihre femininen und comicartigen Tätowierungen kommen sogar Kunden aus dem Ausland nach Neu-Isenburg. Auch ihre Kollegen, jeder mit seinem Spezialgebiet, haben lange Wartelisten.

„Das gibt uns als Selbstständigen eine gewisse Planungssicherheit“, sagt Axl. „Es setzt uns aber gleichzeitig unter Druck.“ Denn wenn einer der Tätowierer länger krank wird, stauen sich die Termine. Die Nachfrage zeigt es: Vier Jahre nach der Eröffnung ist Inky und Stretchy im Kreis der etablierten Studios in der Region angekommen. Inzwischen gibt es einen zweiten Laden in Offenbach, der auf Piercings spezialisiert ist.

Tätowiererin wollte Melanie schon werden, als sie selbst noch keine einzige Tätowierung hatte. „Ich habe immer gezeichnet und wollte etwas in dieser Richtung machen“, erzählt sie. Als sie während ihres Kunststudiums in Frankfurt einen Freund zum Tätowierer begleitete, hatte sie ihren Traumberuf gefunden. In dem Studio in Bockenheim, in dem sie als Angestellte ihre ersten Tattoos stach, lernte sie Piercer Axl kennen. Die beiden sind auch privat seit zehn Jahren ein Paar.

Auch wenn sie aussehen wie Rockstars pflegen Axl und Melanie einen eher bürgerlichen Lebensstil. Ihre Läden – benannt in Anlehnung an die Zeichentrickfiguren Itchy und Scratchy bei den „Simpsons“ – machen viel Arbeit. Ihre Wochenarbeitszeit schätzt Melanie auf über 70 Stunden. Für ein ausschweifendes Leben bleibt da keine Zeit. „Eigentlich sind wir ziemlich konservativ“, sagt Axl mit einem Augenzwinkern.

www.inkyundstretchy.com

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare