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Keine Wasserkraft und damit auch keine Fischtreppe an der Krotzenburger Staustufe.

Hainburg

Krotzenburger Staustufe ist eine Einbahnstraße für Fische

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Die Krotzenburger Schleuse in Hainburg bleibt noch jahrelang ein Hindernis für die Fischpassage, obwohl das Projekt seit mehr als zehn Jahren auf Eis liegt.

Flussabwärts von Bayern nach Hessen geht es immer. Da macht die Krotzenburger Staustufe, die im Hainburger Ortsteil Klein-Krotzenburg quer über den Main verläuft, den Fischen wenig Probleme. Einmal in Hessen angekommen, gibt es für Barsch, Wels & Co. aber kein Zurück mehr. Sie können nicht vom Unter- ins Oberwasser gelangen, weil an dem Wehr eine Fischtreppe fehlt. Eigentlich war diese Fischaufstiegsanlage schon vor Jahren geplant. Doch bisher ist nichts passiert – und es wird wohl auch noch Jahre dauern, bis etwas passiert.

Fische haben einen Wandertrieb. Doch mainaufwärts ist die Krotzenburger Staustufe, die Anfang der 80er Jahre gebaut wurde, für die Tiere ein unüberwindbares Hindernis: Sie schaffen es nicht, den Höhenunterschied von gut zwei Metern zu bewältigen.

2008 hätte sich alles zum Besseren wenden sollen. Da hatten mehrere Privatfirmen großes Interesse an der Krotzenburger Schleuse, wollten dort ein Wasserkraftwerk entstehen lassen und sollten laut Wasserrahmenrichtlinie für die ökologische Durchgängigkeit von Fließgewässern auch eine Fischtreppe anlegen. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg schrieb den Einbau in die bestehende Schleuse aus, und die Firma Juwi aus Wörrstadt bei Mainz erhielt den Zuschlag. Das Unternehmen, das als Windenergie-Pionier galt, wollte 20 Millionen Euro investieren, versprach die Vorlage eines Genehmigungsantrags inklusive Fischtreppe.

Firma Juwi baut kein Wasserkraftwerk an Hainburger Staustufe

2010 hieß es, der Baubeginn des Wasserkraftwerks sei für 2011 vorgesehen. Die Firma Juwi habe auch verschiedene Varianten mit dem Regierungspräsidium Darmstadt als Genehmigungsbehörde diskutiert, heißt es von Seiten des hessischen Umweltministeriums. Im Dezember 2014 habe ein Projektmitarbeiter in Hainburg auch noch die Planung für das Wasserkraftwerk vorgestellt, erinnert sich Bürgermeister Alexander Böhn (CDU). Doch dann wurde es still um die geplante Stromgewinnung und damit um die Fischtreppe.

„Juwi hat das Großprojekt zurückgegeben“, sagt Dietmar Droste von der Wasserstraßenüberwachung am Wasser- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg. Für das rheinland-pfälzische Unternehmen, das mittlerweile umstrukturiert wurde und Personal abbauen musste, habe sich das Wasserkraftwerk nicht mehr gelohnt – obwohl es für die Planung schon sehr viel Geld ausgegeben hatte. „Die Auflagen sind so hoch geworden, dass sich das Projekt nicht mehr rechnete“, so Droste. Auch die rückläufige Entwicklung beim Einspeisegesetz von Strom aus regenerativen Energien sei schuld. Und die Fallhöhe von im Mittel 2,40 Metern – die geringste, die es im Main gibt – sei schon von Anfang an schwierig gewesen. Fallhöhe und Wassermenge bestimmen die erzeugte Energie. Darüber hinaus sei das Wasserkraftpotenzial im Main „schon ziemlich ausgenutzt“, ergänzt Droste. Er persönlich glaubt nicht mehr an einen neuen Interessenten.

„Wenn da kein Wasserkraftwerk mehr hinkommt, werden wir irgendwann selbst den Fischpass für den Aufstieg herstellen müssen“, sagt er. Doch das wird seiner Aussage nach noch Jahre dauern. Denn da die ökologische Durchgängigkeit noch an über 230 Bauwerken hergestellt werden muss, hat die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes eine Prioritätenreihung für staugeregelte Flüsse festgelegt. „Und da sind die Main-Staustufen, die dem Rhein am nächsten liegen, die ersten“, sagt Dietmar Droste.

Pilotprojekt in Eddersheim genießt Priorität

Darüber hinaus genießt ein Pilotprojekt in Eddersheim bei Hattersheim am Main Priorität – als eines von deutschlandweit sieben Forschungsprojekten. „Da sollen für die Fischpassage vier Einstiege hin. Man will ausprobieren, welche Fische welchen Einstieg nehmen“, so der Beamte. Es gebe nämlich nicht nur größere und kleinere, sondern auch schwimmstärkere und leistungsschwächere Fische.

Laut Hainburgs Grünen ist die Staustufe Krotzenburg auf hessischer Seite das einzige Main-Hindernis, das Fische nur in eine Richtung überwinden können, Sie hatten sich an die Landtagsabgeordnete Katy Walther (Grüne) gewandt hatten, um Bewegung in die Sache zu bringen. Das stimme aber nicht, widerspricht Droste. An der Staustufe Mühlheim gebe es ebenfalls keinen Fischpass.

Zumindest ein barrierefreier Zugang zum Schleusensteg könnte doch mit Landesmitteln gefördert werden, gaben die Grünen ihrer Landtagsabgeordneten noch mit auf den Weg. Derzeit führt eine Treppe mit Fahrradrampe zum Wehrsteg hinauf. Doch auch das ist problematisch: „Der barrierefreie Aufgang wäre sehr lang“, sagt Bürgermeister Böhn, und rechnet vor: „127 Meter bei einer Steigung von sechs Prozent.“ Das Wasser- und Schifffahrtsamt würde sich einer solchen Rampe oder einem Aufzug jedenfalls nicht verschließen, sagt Droste.

Die Staustufe

1920 wurde die Staustufe Krotzenburg bei Flusskilometer 63,85 erbaut und 1983 durch einen Neubau (Wehr mit Schleuse) ersetzt. Sie ist damit die jüngste Anlage im Main.

Ein Wehrsteg überquert den Main und verbindet den Hainburger Ortsteil Klein-Krotzenburg (Kreis Offenbach) mit der Gemeinde Groß-Krotzenburg (Main-Kinzig-Kreis).

Die nächsten Wasserkraftwerke sind mainabwärts in Mühlheim bei Mainkilometer 53 und mainaufwärts in Kleinostheim bei Kilometer 78.

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