Polizeibeamte waren am Donnerstagvormittag zur Beweissicherung an Bord der Fähre. 
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Polizeibeamte waren am Donnerstagvormittag zur Beweissicherung an Bord der Fähre.

Seligenstadt

Güterschiff rammt Fähre in Seligenstadt

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Mit 2,13 Promille hat ein Kapitän am Mittwochabend sein Güterschiff in die Mainfähre am Ufer von Seligenstadt gesteuert.

Ein Gütermotorschiff hat am Mittwochabend die Mainfähre in Seligenstadt gerammt. Gegen 21.20 Uhr stieß das Schiff, das unter deutscher Flagge mainaufwärts unterwegs war, mit der städtischen Wagenfähre zusammen, die das hessische Mainufer mit dem bayerischen verbindet. Der Grund für die Kollision: Der ausländische Kapitän war betrunken, hatte 2,13 Promille. Der Fährverkehr wurde am Donnerstagsvormittag ausgesetzt, konnte aber um 14.15 Uhr wieder aufgenommen werden.

Es hätte schlimmer kommen können: Der Unfall ereignete sich außerhalb der Betriebszeit der Fähre; sie lag zu dem Zeitpunkt festgezurrt am Seligenstädter Ufer. „Anwohner in zweiter Reihe haben den Krach der Kollision gehört und die Polizei sowie einen Bauhofmitarbeiter verständigt“, sagte der Erste Stadtrat Michael Gerheim (SPD), der sich am Donnerstagvormittag zusammen mit Beamten der Wasserschutzpolizei und den Bauhofleitern ein Bild vom Schaden machte.

Der Kapitän des Güterschiffs sei nach dem Zusammenstoß angefunkt worden, habe sich aber nicht zurückgemeldet, sagte Gerheim. Drei Kilometer weiter, an der Schleuse Kleinostheim, war Endstation; der Schleusenwärter wusste schon Bescheid.

Die Schadenshöhe könne noch nicht beziffert werden, sagte Marisa Schneider, Sachbereichsleiterin Schifffahrt beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg. Der Schaden fiel aber kleiner aus als befürchtet; auf seinem Weg nach Regensburg traf der betrunkene Kapitän die linke Seitenwand der Laderampe, die sich dadurch verschob. In ihrer Liegeposition ragt die Fähre rund zehn Meter in den Main hinein. Ein Problem war das bisher nicht, auch wenn der Fluss dort eine Kurve macht: Nachts strahlen nämlich weiße Positionslampen auf dem Führerstand.

„Die Rampe funktioniert, aber sie schleift“, sagte Gerheim bei der Besichtigung. Die Fähre habe außerdem leicht schräg gelegen, was für die Bootsführer morgens aber relativ unproblematisch zu beheben war.

Der Fährverkehr musste am Donnerstag zunächst einmal ruhen. Beamte der Wasserschutzpolizei waren zur Beweissicherung vor Ort, Experten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts mussten die Fahrtauglichkeit feststellen. „Die Rampe funktioniert so weit, dass man die Zufahrt zulassen kann“, sagte Schneider nach der Untersuchung.

Der Kapitän des Güterschiffs wurde in der Frankfurter Dienststelle der Wasserschutzpolizei festgesetzt, am Donnerstagmittag aber schon wieder entlassen. „Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt hat bestimmt, dass er sein Schifffahrtspatent nicht mehr zurückbekommt“, sagte Andreas Rieger, Pressesprecher der Hessischen Bereitschaftspolizei. Das Schiff liegt im Oberwasser der Schleuse, hat vorerst Weiterfahrverbot. Die Reederei hat eine neue Crew geschickt.

Anfang Juni 2019 war ein paar Kilometer mainabwärts die Mühlheimer Fähre havariert, als ein Steuerungsseil riss. Seitdem liegt sie im Frankfurter Osthafen. Zum 1. April soll ein neuer Pächter den Fährbetrieb aufnehmen.

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