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Andreas Hartmann arbeitet in der Online-Redaktion der Frankfurter Rundschau.

Glosse

Grüß Gott, Dietzenbach

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In Dietzenbach ist eine Koalition der Höflichen geschmiedet worden. Senioren- und Ausländerbeirat fordern: Grüßt euch, ihr Dietzenbacher! Das gibt eine Arbeit, fürchtet Andreas Hartmann.

Es soll einmal Zeiten gegeben haben, in denen ging kein Herr ohne Hut aus dem Haus - den konnte er ziehen, wenn eine Dame vorbeispazierte, er konnte sich an die Krempe tippen, um flüchtig Hallo anzudeuten, und er konnte ihn sich ins Gesicht ziehen, wenn er sein Gegenüber übersehen wollte.

Heute folgt auf Höflichkeit bestenfalls noch Heiterkeit. Wir grüßen uns nur noch, wenn wir uns auf einsamen Almhütten begegnen, aber sicher nicht mehr - sagen wir mal - in Dietzenbach.

Doch das soll sich wieder ändern, und dafür ist nun eine Koalition der Höflichen geschmiedet worden. Senioren- und Ausländerbeirat fordern: Grüßt euch, ihr Dietzenbacher! "Ein Gruß, ein Kopfnicken oder ein freundliches Lächeln kostet nichts, nur ein bisschen guten Willen", werben Tilly Westenberger und Nicola Pengacevic in ihrem Aufruf. "Wir grüßen uns in Dietzenbach" soll die Aktion heißen.

Ja nun, jetzt wäre wohl die Gelegenheit, sich über so viel fröhliche Naivität lustig zu machen, oder? Immerhin hat Dietzenbach heute fast 35.000 Einwohner - da gäbe es eine Menge Hüte zu ziehen, wenn wir denn noch Hüte trügen. Einmal über den Europaplatz, 1000 Mal Hände geschüttelt - wie schnell wären wir versucht, lieber einen Umweg zu nehmen.

Trotzdem will Häme hier so ganz nicht passen. "Jeder Bürger der Stadt, egal ob groß oder klein, arm oder reich, Einheimischer oder Zugezogener kann bei dieser Idee mitmachen", heißt es in dem Aufruf. Was wäre, wenn... ? Grüetzi, Bonjour und Merhaba. Hola, Salam und How are you - Stoff zum Variieren gäbe es genug. Gar kein so alter Hut.

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