Diese beiden Radler schaffen es, den Schleusensteg zu überwinden, doch das trifft nicht auf alle zu. Rolf Oeser
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Diese beiden Radler schaffen es, den Schleusensteg zu überwinden, doch das trifft nicht auf alle zu. Rolf Oeser

Verkehr in Großkrotzenburg und Hainburg

Großkrotzenburg und Hainburg: Stufenfrei über den Main

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Bürger in Großkrotzenburg und Hainburg treten mit einer Unterschriftenaktion für einen barrierenfreien Schleusensteg ein.

Der Mann im roten Radlertrikot schultert sein Mountainbike und trägt es flotten Schrittes hinunter. Ihm begegnet ein älterer Herr, der sein schweres Pedelec auf der Kinderwagenspur mit mäßigem Kraftaufwand hinauf zum Steg bewegt. „Das Rad besitzt eine Steighilfe“, sagt er oben angekommen. Ganz so mühelos bewältigt ein Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen mit ihren E-Velos den Auf- und Abgang nicht. Herunter ist der Frau gar nicht geheuer, sie muss sich von ihrem Mann helfen lassen. Solche Situationen sollen bald Geschichte sein. Die Politik in Hainburg und Großkrotzenburg hat sich wieder einmal dem Thema barrierefreier Schleusensteg angenommen. Bürger haben zudem rund 2000 Unterschriften gesammelt, um ihre Forderung zu unterstreichen.

Mit Einstellung des Fährbetriebs im Jahr 1999 führt der kürzeste Weg über den Main zwischen Großkrotzenburg und Hainburg für Fußgänger und Radler über den Schleusensteg der Staustufe Krotzenburg. Doch der zwei Kilometer lange Umweg ist für manch einen nicht das eigentliche Hindernis, sondern es sind die Treppen am Steg. Die Schiebespur auf den Stufen verläuft im eher flachen Steigungswinkel und ist damit Velonutzern und Leuten mit Kinderwagen eine Hilfe. Ein Lastenfahrrad oder ein Bike mit Gespann sicher darauf zu bewegen, erfordert hingegen mehr Erfahrung. Für Rollstuhlfahrer oder Menschen, die auf eine Gehhilfe wie den Rollator angewiesen sind, bleibt der Steg nahezu unerreichbar.

Barrierefreier Schleusenüberquerung seit zehn Jahren ein Thema

Für die Grünen auf beiden Seiten des Flusses ist dieser Zustand nicht länger hinnehmbar. Immerhin beschäftigt das Thema barrierefreien Schleusenüberquerung die Gemeindevertreter in beiden Orten seit annähernd zehn Jahren. Im April 2019 hat es in den Ortsparlamenten wieder neuen Schwung bekommen, etwa mit einem Antrag der Hainburger Grünen. An der Unterschriftenaktion sollen sich die Bürger beider Orte gleichermaßen beteiligt haben.

Das Thema befindet sich nach einem Gespräch und Ortstermin bei beiden Kommunen „im Geschäftsgang“, berichtet der Großkrotzenburger Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos) auf der Gemeindeinternetpräsenz. Nunmehr gelte es, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Machbarkeit zu prüfen, so sein Amtskollege südlich des Mains, Alexander Böhn (CDU). Für ihn stellt sich die Frage: „Wie weit barrierefrei, etwa auch die Stegoberfläche?“ Die besteht aus einem Gitterrost.

„Der bauliche Aufwand wird zudem einen erhebliche Eingriff auf Hainburger Seite hinterlassen“, sagt Böhn. Nicht zuletzt, weil die Wohnbebauung dicht an die Staustufe reicht. Entsteht dort eine Rampe nach DIN-Norm 18040-1 mit bis zu sechs Prozent Neigungswinkel und Zwischenpodesten, könnte sich die Länge auf 130 Meter summieren, heißt es. Für Böhn wäre daher ein Aufzug auch eine Alternative.

Gleich welche Lösung, über die Kosten wird weder auf der eine, noch auf der anderen Main-Seite derzeit gesprochen. Bauroth bemerkt, dass bei aller Euphorie über staatliche Förderung, es auch eine Summe an Ausgaben geben werde, die Großkrotzenburg und Hainburg zu tragen hätten, etwa für Ausschreibung oder Genehmigungsverfahren.

Kein Geld ist vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Aschaffenburg zu erwarten, das für die Staustufe zuständig ist. „Für uns ist es ein technisches Bauwerk mit Zusatznutzen“, heißt es auf Anfrage. Die öffentliche Nutzung des gut 180 Meter langen und eineinhalb Meter breiten Stegs haben sich die Anliegerkommunen nach dem Schleusenausbau vor 50 Jahren per Vertrag gesichert. Das WSA sieht sich beim Umbau für einen barrierefreien Zugang nach heutigem Standard jedoch nicht in der Pflicht. Allerdings wird das WSA die Pläne der Gemeinden als Genehmigungsbehörde begutachten.

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