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Langen

Große Arbeit ist beendet

  • Sigrid Aldehoff
    VonSigrid Aldehoff
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Bis zum Spätsommer sollen die letzten Termine der Stolper-Initiative Langen dauern. Danach löst sie sich nach acht Jahren oft mühsamer Recherchen auf.

Adolf Helfmann gratuliert zunächst der Mutter zum Geburtstag, erkundigt sich nach seinen Kindern, bevor er zu seinem existenziellen Anliegen kommt: „Mein körperlicher Zustand ist grauenhaft“, schreibt der politische Gefangene am 7. Oktober 1943 aus dem Untersuchungsgefängnis in der Frankfurter Hammelgasse heim nach Langen. „Ich bin abgemagert, dass ihr einen Schrecken bekämt, wenn ihr meinen Körper sehen würdet.“ Dem an Tuberkulose Erkrankten wird die ihm zustehende Milchration verweigert, er bittet die Familie „um persönliche Vorsprache bei Dr. Rühl oder dem Gesundheitsamt Offenbach“.

Gut zwei Monate später ist Helfmann tot, gestorben am 25. Dezember 1943, vermutlich ließ man ihn verhungern. Seine Familie konnte ihm nicht helfen, weil das Schreiben aus dem Gefängnis nicht weitergeleitet wurde und erst 70 Jahre später wieder auftauchte. An Helfmann wird nun bei der letzten Stolpersteinaktion in Langen erinnert, ebenso an den prominenten Arbeiterführer Albert Kuntz und an die zehn Opfer der NS-Euthanasie.

Bis zum Spätsommer dauern die letzten Termine der Stolperstein-Initiative Langen. Anschließend wird sie sich nach acht Jahren oft mühsamer Recherchearbeit auflösen. „Wir gehen davon aus, dass wir mit dieser letzten Aktion dann alle Opfer, die für einen Stolperstein infrage kommen, auch gefunden haben“, sagen Herbert Walter und Martina Hoffmann-Becker von der Initiative. Gemeinsam mit Rainer Elsinger und Rosemarie Steffens informierten sie jetzt über den Abschluss der Arbeiten.

Mit der Gedenktafel am Friedhof hat die Initiative das Dilemma gelöst, dass zum einen für drei der Genannten bereits Stolpersteine verlegt wurden, zum anderen oftmals der letzte Wohnort der Ermordeten nicht bekannt ist. „Die meisten starben in Hadamar. Dort wurden auch ihre Akten vernichtet“, sagt Herbert Walter. Die Stolperschwelle erinnert nur anonym an die 24 Frauen und 18 Männer aus Langen, die zwischen 1934 und 1938 zwangssterilisiert wurden. Die Gründe dafür waren vielfältig. So wurde häufig bei Menschen, die sich nicht regelkonform verhielten, die von den Nationalsozialisten erfundene Diagnose „sozialer Schwachsinn“ als „Erbkrankheit“ vermerkt. Die Nachkommen wehrten sich oft noch heute dagegen, dass ihr Name damit in Verbindung gebracht werde, sagt Hoffmann-Becker.

Insgesamt, so sagt sie als Fazit der jahrelangen Recherchen, arbeite heute eine neue Generation von Archivaren, die Nachforschungen deutlich besser unterstützten. So sei auch der Brief von Adolf Helfmann nach 70 Jahren im Hessischen Staatsarchiv in Darmstadt aufgetaucht und den Nachfahren zugestellt worden.

Der Mann war wegen Hochverrats angeklagt, als er im Untersuchungsgefängnis starb. Sein Vergehen: Er hatte 1943 im Kollegenkreis am deutschen Sieg gezweifelt. Ein Spitzel denunzierte ihn und elf weitere Menschen. Seine Familie hatte selbst nach dem Krieg nicht erfahren, weshalb der Ehemann und Vater angeklagt war. Sein Stolperstein wird in der Karlstraße 10 verlegt.

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