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Ein Harvester arbeitet im Rodgauer Wald die riesigen Sturmschäden auf, die das Unwetter am 18. August 2019 verursacht hat.

Rodgau

Großaufräumen nach dem Sturm im Rodgauer Stadtwald

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Tausende abgeknickte Bäume werden derzeit aus den Waldabteilungen rund um Rodgau entfernt. Ein Unternehmen ist rund um die Uhr im Einsatz.

Maschinengeräusche dröhnen am Wasserwerk des Zweckverbands Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO) durch den sonst so stillen Rodgauer Wald. Ein Harvester – eine große Holzernte-Maschine – fällt, entastet, vermisst und schneidet dort in einem Arbeitsgang täglich 500 bis 600 Bäume, ein spezieller Holzschlepper bringt die zugeschnittenen Stämme zu den vorläufigen Lagerflächen. Die Stadt Rodgau lässt die Sturmschäden aufarbeiten, die ein Unwetter am 18. August des Vorjahres angerichtet hat.

Rodgau ist nicht die einzige Stadt, die das Sturmtief schwer getroffen hat. Auch durch Heusenstammer, Rödermärker, Seligenstädter, Langener und Dreieicher Waldgebiete zieht sich eine Schneise der Verwüstung. Rodgau ist jedoch die einzige Kommune, die eigenes Forstpersonal hat. Die vier städtischen Forstwirte hatten vorrangig Straßen und Wege zu den Trinkwasserbrunnen freigeschnitten und sorgen aktuell in Rodgau und in den Nachbarstädten für die Verkehrssicherung. Das heißt: Entlang der Bebauung und der Hauptwaldwege sowie an Freizeitanlagen entfernen sie Bäume, die eine Gefahr darstellen. 

Allein im Rodgauer Wald sind 50 000 bis 60 000 Festmeter Sturm- und Schadholz angefallen – eine Menge, die die Forstwirte alleine nicht aufarbeiten können. „Was wir normalerweise im Dreijahres-Zyklus einschlagen würden, haben wir durch den Sturm am Boden liegend“, sagt Peter Kämmerling vom städtischen Umweltamt. Mit Rückepferden ist den vielen abgeknickten Bäumen in den Waldabteilungen nicht beizukommen – ganz abgesehen davon, dass es für Mensch und Tier wegen des Windbruchs noch lebensgefährlich ist.

Die Stadt Rodgau besitzt 2000 Hektar Forst, sie hat damit den größten kommunalen Waldbestand im Kreis Offenbach. Zum Vergleich: Der Frankfurter Stadtwald umfasst rund 6000 Hektar. 


Die Kiefer ist der „Brotbaum“ im Rodgauer Stadtwald. 78 Prozent aller Bäume im Stadtwald sind Kiefern. Die Fichte ist durch den Borkenkäferbefall fast verschwunden. Nur 0,8 Prozent sind Fichten.

Viele Kiefern in den Randbereichen der Rodgauer Waldgebiete haben braune Baumkronen, sind vom Diplodiapilz befallen. Geschwächt durch die Hitze waren sie leichte Beute für den Pilz und werden nun ebenfalls mit dem Harvester gefällt. ann

Die Stadt hat mit der Forstwirtschaftsfirma Marco Müller aus Linsengericht deshalb einen Rahmenvertrag geschlossen. Das Unternehmen stellt den 350 PS starken Harvester und das Personal, das in zwei Schichten rund um die Uhr arbeitet, verkauft das Industrie-, Paletten- und Balkenholz dann auf eigene Rechnung.

Hessen Forst darf die Holzvermarktung nicht mehr für die Kommunen vornehmen. Rodgau hat deshalb mit 31 Städten und Gemeinden im Mai vorigen Jahres das Holzkontor Darmstadt-Dieburg-Offenbach gegründet. Die Anstalt des öffentlichen Rechts ist aber noch nicht arbeitsfähig. „Wir sind ziemlich auf uns allein gestellt“, sagt Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) bei einem Termin am ZWO-Wasserwerk.

„Das Holz darf nicht vergammeln“, begründet der Bürgermeister den Harvester-Einsatz, mit dem 500 Festmeter Holz pro Tag aufgearbeitet werden können. Die Baumkronen müssen aber liegen bleiben und verrotten, so Kämmerling, weil der Rodgauer Wald ökologisch und nachhaltig nach dem Gütesiegel des Forest Stewardship Council (FSC) bewirtschaftet wird. „In den Nadeln und feinen Ästen sitzen die Nährstoffe, die dem Wald nicht entzogen werden dürfen“, erklärt er. Außerdem sei das Kronholz „ein wunderbares Bruthabitat“.

Neue Baumsetzlinge werden erst nachgepflanzt, wenn alle Flächen geräumt sind und das endgültige Ausmaß des Sturmschadens festgestellt ist. Holzlesescheine dürfen die Revierförster aktuell nicht ausstellen. Wer aber glaubt, er könne sich am Sturmholz jetzt kostenlos bedienen, irrt: „Das ist Diebstahl. Auch dieses Holz gehört der Stadt Rodgau.“

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