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So sah vor eineinhalb Jahren der Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs für das riesige Wohngebiet Rodgau-West aus.  

Rodgau

Grobplanung fürs riesige Baugebiet in Rodgau-West steht

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Mindestens 30 Prozent bezahlbarer Wohnraum und bis zu 4,5 Geschosse - das sind nur einige der Kennzahlen für das neue Stadtquartier.

Das Baugebiet Rodgau-West, das Heimat für 4000 Neubürger sein soll, nimmt zumindest auf dem Papier schon mal Gestalt an: Seit April des Vorjahres hatte das Architekturbüro, das beim städtebaulichen Wettbewerb siegte, zusammen mit dem städtischen Bauausschuss einen Rahmenplan entwickelt. Am Montagabend entschieden die Stadtverordneten nun über die Zielvorgaben, die sogenannte erste Phase der Rahmenplanung. Diese Grobplanung soll den Bürgern in einer Informationsveranstaltung vorgestellt werden. Erst danach wird in einer zweiten Phase detailliert festgelegt, was auf dem fast 46 Hektar großen Areal in welcher Größe entsteht.

Die nun verabschiedete Grobplanung sieht für Rodgau-West einen Stadtteilplatz als zentralen Treffpunkt vor, eine Grundschule, Kitas, Nahversorger, Schallschutzmaßnahmen entlang der Rodgau-Ring-Straße, öffentliche Parks, ein engmaschiges Fuß- und Radwegenetz, zwei Bushaltestellen, Frisch- und Kaltluftschneisen, Regenwasserrückhaltung sowie Sammelmüllanlagen in Unterflursystemen. Die Haupterschließung soll über eine Quartiersstraße erfolgen, eine zentrale Mobilitätsstation mit Car-Sharing, Fahrradwerkstatt und Lastenradverleih soll dafür sorgen, dass in Rodgau-West möglichst wenig Autos unterwegs sind. Privates Parken soll ausschließlich in Quartiersgaragen möglich sein.

Der Vorschlag der CDU-Fraktion, auch abseits der Quartiersstraße und damit „in halbwegs fußläufiger Entfernung“ für Besucher und Gäste bewirtschaftete Parkflächen zuzulassen, fand keine Mehrheit – wie auch weitere Wünsche, die die Fraktion in einem Änderungsantrag formuliert hatte.

Um das neue Wohngebiet sozio-ökonomisch zu durchmischen, wollte die CDU höchstens 30 Prozent bezahlbaren Wohnraum durchsetzen – nicht mindestens 30 Prozent, wie in der Magistratsvorlage vorgesehen. Martina Sertic (FDP) argumentierte für die Viererkooperation aus SPD, Grünen, FDP und Rodgauer Liste, die Wohnraumnot dringe derzeit bis in die Mittelschicht vor, bezahlbarer Wohnraum werde auch in Rodgau immer mehr zum Problem. Deshalb seien mindestens 30 Prozent bezahlbarer Wohnraum nötig.

Auch die 4,5 Geschosse, die laut Magistratsvorlage in dem riesigen Baugebiet anteilig zulässig sind, waren der CDU ein Dorn im Auge. Bei nur 3,5 Geschossen könne man die eingepreisten 50 Wohneinheiten pro Hektar nicht einhalten, hatte der Magistrat argumentiert. „Im Bauausschuss bestand Konsens zu drei Geschossen plus ausgebautem Dachgeschoss“, ärgerte sich Max Breitenbach (CDU). Schließlich sei nur so zu verhindern, dass in Rodgau-West ein Satellit entstehe, der nicht zur sonstigen Bebauung in der Stadt passe. „Der Regionalverband Rhein-Main empfiehlt 45 bis 60 Wohneinheiten pro Hektar“, sagte Breitenbach. 60 Wohneinheiten gelten für Oberzentren, für Mittelzentren seien 45 Wohneinheiten angedacht.

Martina Sertic berichtigte ihn: Die 45 Wohneinheiten pro Hektar dürften nicht unterschritten werden, erklärte sie, sonst seien die Pläne rechtswidrig. „Eine kompakte und flächensparende Bauweise wird künftig überall notwendig sein“, war sie sich sicher. Und wenn man Einfamilienhäuser zulasse, sei man gezwungen, an anderer Stelle dichter und höher zu bauen. Somit gäbe es auch keinen Raum für eine Stadt- oder Kulturhalle, die in Rodgau fehlt und von der CDU gewünscht war. „Wir müssen sonst noch dichter und höher werden“, so Sertic.

Mit der Stimmenmehrheit der Viererkooperation wurde der CDU-Änderungsantrag schließlich abgeschmettert.

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