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Ein Auto aus Afrika: Corinna Molitor und Hans Schmidt.

Ausstellung in Dreieich

Einfälle für Abfälle

Das Museum in der Dreieicher Burgruine zeigt ab Samstag, wie erfinderisch Not die Menschen machen kann.

Von Maurice Farrouh

Das Museum in der Dreieicher Burgruine zeigt ab Samstag, wie erfinderisch Not die Menschen machen kann.

Der Darm ist schwarz, glänzt und hängt an einem eckigen Magen mit Schraubverschluss. Es ist etwas unkonventionell, das Organmodell für den Biologieunterricht, aber es tut seinen Zweck. Die Darmschlingen bestehen aus alten Fahrradschläuchen, der Magen ist eine alte Ölflasche aus Plastik.

Gebaut hat das Modell Hans Schmidt aus Erzhausen, um Schulkindern im ländlichen Syrien die Funktionsweise der menschlichen Verdauung zu veranschaulichen. Es ist nur eines von vielen Dutzend Exponaten der neuen Schau „Kreative Einfälle für Abfälle“ im Dreieich-Museum, die am Samstag eröffnet. Das Konzept stammt von Museumsleiterin Corinna Molitor und Kurator Hans Schmidt.

Knapp 20 Länder hat Schmidt, mittlerweile pensionierter Lehrer der Ricarda-Huch-Schule, im Laufe seines Berufslebens bereist, um dort im Auftrag des Goethe-Instituts neue Methoden und Konzepte für den naturwissenschaftlichen Unterricht zu entwickeln. „Schon bei meiner ersten Reise nach Bolivien 1968 beeindruckte mich der Erfindungsreichtum der Menschen dort“, erzählt Schmidt. Weil es in der Schule, an der er dort arbeitete, keine Reagenzgläser gab, zeigte ihm ein bolivianischer Kollege, wie man aus Glühbirnen das Innenleben ausbaut und sie so zu Reagenzgläsern umfunktionieren kann. „Das war für mich ein Schlüsselerlebnis“, sagt Schmidt. Seitdem hat er zahlreiche, aus Alltagsgegenständen hergestellte Hilfsmittel für den Unterricht erfunden, wie zum Beispiel eine auf fünf Milligramm genaue Feinwaage aus Coladosen, einer Wäscheklammer und einer Fahrradspeiche.

Doch nicht nur seine eigenen Erfindungen hat der Pädagoge für die Ausstellung zusammengetragen. Von seinen Reisen hat er immer wieder Gegenstände mitgebracht, die Einheimische aus Abfall hergestellt haben. „Gerade die Kinder in Ländern der Dritten Welt sind unglaublich einfallsreich und kreativ“, sagt Schmidt und zeigt auf die Sammlung kunstvoll gefertigter Spielzeugautos, die Kinder aus Ländern des subsaharischen Afrika aus gefundenen Blechdosen, Plastikflaschen und anderem Abfall zusammengebaut haben.

Die Schau solle die Kreativität der Menschen in den Fokus rücken und so einen Kontrapunkt setzen zu dem im Westen vorherrschenden negativen Bild der südlichen Länder als Schauplatz von Krisen, Kriegen und Katastrophen, sagt Schmidt.

Die Ausstellung zeigt außerdem, wie Recyclingprodukte auch im Westen langsam „hip“ werden und dass in der Vergangenheit auch in Deutschland Menschen aus der Not heraus großen Einfallsreichtum entwickelt haben – nämlich nach dem Zweiten Weltkrieg. Da fanden die nicht mehr benötigten Stahlhelme der Wehrmacht neue Funktionen als Nacht- und Kochtöpfe, und Frauen nähten sich Blusen aus Fallschirmseide.

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