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Kinder beschäftigen sich beim marokkanischen Kulturverein mit dem Koran.

Neu-Isenburg

Glaubensstarke Porträts

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Die Fotografin Anja Thomé präsentiert ihre Arbeit in der Stadtbibliothek

Es sind unterschiedliche Gesichter – mit europäischen, asiatischen, afrikanischen oder orientalischen Zügen. Intensive Blicke nehmen den Betrachter gefangen. Der Eindruck verstärkt sich noch, liest man die Statements, die den Bildern beigegeben sind. „Die Wissenschaft ist ein unendlich kleiner Punkt auf einem Kreis, den wir niemals ganz mit Punkten füllen können“, steht da etwa. Oder „Jesus ist der Liebhaber meiner Seele“. Aber auch „im Koran finde ich die kraftgeladenen Prinzipien des Lebens“.

Anja Thomé, amtierende Stadtfotografin, hat Menschen unterschiedlicher Herkunft nicht nur vor ihre Kamera geholt, sondern ihnen auch Aussagen über ihr religiöses Empfinden entlockt. „Glaube ist Vielfalt“ steht als Motto über der Reihe von Schwarz-Weiß-Porträts, die jetzt in der Stadtbibliothek gezeigt werden.

Die 45-jährige Thomé leitet im Hauptberuf eine Krabbelstube. Fotografieren ist ihr leidenschaftlich betriebenes Hobby. In Neu-Isenburg präsentiert sie ihre Arbeiten nun erstmals einem breiteren Publikum.

Zum Glauben hat die Tochter eines katholischen Kirchenmusikers unmittelbaren Bezug – so wählte sie diesen Aspekt für ihren Blick auf die Menschen der von multikultureller Vielfalt geprägten Stadt. Über Kirchengemeinden und Moscheevereine trat sie mit ihren Protagonisten in Kontakt – aber auch einfach so, auf der Straße. „Es war nicht einfach“, resümiert sie ihre Arbeit. Die Ergebnisse haben sie dann „wirklich beeindruckt“.

„Mich interessiert das Persönliche“, sagt Thomé. „Warum glauben die Menschen, was bedeutet es für ihr Leben?“ Das herauszufinden, war Anlass intensiver Gespräche. Zum Beispiel mit Erika Volz von der Evangelischen Stadtmission. „Ich weiß, ich werde von Gott geführt“, sagt die fast 90-Jährige und strahlt dabei eine heitere Ruhe aus, die ansteckend wirkt.

„Wir fanden diese Idee gut“, sagt Abdel Rahali. Er ist Vorsitzender des Marokkanischen Kulturvereins. Unter dessen Mitgliedern, in erster Linie arabisch sprechende Muslime, fand Anja Thomé ebenso Menschen, die sich auf sie und ihr Thema einließen wie bei der türkisch-islamischen Gemeinde. „Wir sollten Religion nicht aus dem öffentlichen Leben verdrängen“, meint deren zweiter Vorsitzender, Salih Özkan. „Wir wollen so Transparenz zeigen, uns der Öffentlichkeit stellen.“

Seit dem jahr 2005 kürt das Forum zur Förderung von Kunst und Kultur jährlich einen Stadtfotografen. Der solle die Stadt „unter einem bestimmten thematischen Schwerpunkt erlebbar machen“, beschreibt der Vorsitzende des Forums, Theo Wershoven die Aufgabe.

Zu sehen sind die Fotografien von Anja Thomé bis zum 30. Juni in den Räumen der Stadtbibliothek, Frankfurter Straße 152.

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