Bürger, Nachbarn, Opfer

Langen Neue Stolpersteine dokumentieren Verbrechen der Nazis

Von MAURICE FARROUH

Im Pflaster der Langener Straßen erinnern 15 neue Stolpersteine an Opfer des Nationalsozialismus. Die Initiative "Stolpersteine für Langen" hat die Biografien der Deportierten, Misshandelten und Ermordeten recherchiert und Geld für die vierte Verlegungsaktion in Langen zusammengetragen. Am Donnerstag hat Stolperstein-Erfinder Gunter Demnig die Steine verlegt. Unter anderen haben Jugendliche der Dreieichschule, Konfirmanden der Johannesgemeinde und die Naturfreunde die Gedenkaktion mit Patenschaften finanziert. Insgesamt hat Demnig seit 2006 nun 67 Stolpersteine im Ort verlegt.

Besonders gut dokumentiert ist das Schicksal von Walter Rietig, an den der Stein vor dem Haus in der Wolfsgartenstraße 54 erinnert. Der 1906 in Breslau geborene Spengler war 1929 nach Langen gezogen, als er eine Anstellung bei Opel in Rüsselsheim bekommen hatte. Rietig fühlte sich der Arbeiterbewegung verbunden und gehörte wohl - so hat es die Initiative Stolpersteine recherchiert - einer illegalen Betriebsgruppe bei Opel an. Warnungen von Freunden, dass er sich damit in Gefahr begebe, nahm er nicht ernst. 1941 schwärzte ein Arbeitskollege ihn bei der Betriebsverwaltung der Deutschen Arbeiterfront an: Walter Rietig habe sich wiederholt regimekritisch geäußert. Am 13. Juli 1942 erschien die Gestapo bei Opel und verhaftete ihn.

Nach zweitägigem "Verhör" unterschrieb er ein Vernehmungsprotokoll, in dem er alle ihm zur Last gelegten Äußerungen zugab. Trotz Widerruf dieses Geständnisses vor dem Haftrichter, erließ dieser einen Haftbefehl wegen "landesverräterischer Feindbegünstigung in Verbindung mit der Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens".

Am 13. Oktober wurde Rietig in einem Sammeltransport nach Berlin gebracht und wenige Tage später "aus Gründen der Abschreckung" zum Tode verurteilt. Ein Gnadengesuch wurde abgelehnt. Am 22. Dezember 1942 wurde Walter Rietig im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee mit dem Fallbeil hingerichtet. Er hatte erst am Mittag seines Todestages von der geplanten Exekution erfahren. Von seiner Familie konnte er sich nur noch in einem letzten Brief verabschieden.

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