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Geistesblitze zur Kinorettung

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Von: Annette Schlegl

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Rund 25 Bürger sammeln Ideen zum Kino. Sollte nur die Hälfte der Vorschläge erfolgreich sein, dürfte es wohl kein Problem sein, die erforderlichen 48 000 Euro für die Digitalisierung aufzubringen.

Zusehends füllt sich die Pinnwand im Kolleg des Dietzenbacher Bürgerhauses mit gelben Klebezetteln, auf denen jede Menge Einfälle prangen. Zeitweise kommt Ralf Spiegel von der Stadtmarketing-Agentur mit dem Schreiben gar nicht nach, so schnell sprudeln die Geistesblitze, die rund 25 Bürger zur Rettung ihres Kinos haben. Sollte nur die Hälfte der Vorschläge erfolgreich sein, die in der ersten Ideenwerkstatt geboren werden, dürfte es wohl kein Problem sein, die erforderlichen 48 000 Euro für die Digitalisierung aufzubringen und Kinoerlebnisse in der Kreisstadt auf Jahre hinaus zu sichern.

Kinofans schauen in Dietzenbach in die Röhre. Die Leinwand des Open-Air-Kinos im Waldschwimmbad bleibt in diesem Sommer dunkel, weil der Projektor nur analoge 35-Millimeter-Filme spielen kann, die aber im Filmverleih nicht mehr zu haben sind, weil die digitale Technik allerorten Einzug gehalten hat. Das kommunale „Kino D“ im Bürgerhaus ist sogar schon seit Monaten zu, weil der Brandschutz nicht mehr ausreichend ist. Und auch dort ist die Vorführtechnik veraltet, muss ein digitaler Projektor her.

Die Stadt kann kein Geld geben, weil sie unter dem Schutzschirm steht. Aber sie hat bei Bund und Land Quellen für Fördergelder angezapft. Christoph Zens-Petzinger, der Leiter der Stadtmarketing-Agentur, spricht von bis zu 50 Prozent an Landeszuschüssen, die für die Digitalisierung fließen könnten. Gespräche mit Sponsoren, die bereit wären, etwa ein Drittel der Kosten zu finanzieren, wurden ebenfalls schon angekurbelt. Auch die Bürger sind schon sensibilisiert: „Rund 3000 Kontakte“, so Zens-Petzinger, registrierte die Stadtmarketing-Agentur auf die Meldung, dass in diesem Jahr kein Open-Air-Kino angeboten werden kann.

Die Mischung macht’s an diesem Abend bei der ersten Ideenwerkstatt: Junge Leute kommen mit Unkonventionellem, ältere Semester mit Bewährtem. Eine Seniorin möchte in den Geschäften der Kreisstadt die gute alte Sparbüchse wieder aufleben lassen. Ein Teil des Verkaufserlöses des Dietzenbacher Adventskalenders könnte in die Kinorettung fließen, lautet ein anderer Vorschlag. Gewerbetreibende, Vereine und den Lions-Club will man um Unterstützung bitten, das Thema soll in Schulen und Seniorenheime getragen werden. Auch kulinarisches Kino wäre durchaus eine Option.

Die Jugend bringt Themenabende an, wie zum Beispiel „sämtliche Star-Wars-Filme“. So könnten Kosten gespart werden, weil diese Streifen billiger zu haben sind als topaktuelle Kassenschlager. Auch ausländische Filme sind angedacht. Sie könnten zukünftig Teil des Volkshochschulprogramms sein.

Die Kinorettung sollte sich nicht allein auf Dietzenbach beschränken, sind sich die Anwesenden einig. Die Heusenstammer sollen mit ins Boot geholt werden, befindet ein Teenager, weil es dort nur dreimal Sommerkino gibt. „Über die Stadt hinaus bis nach Frankfurt gehen“, will ein Mann in der vordersten Reihe.

Die Gründung eines Fördervereins wünscht sich die ältere Generation – „als analoge Form des Crowdfundings“. Das ist das Metier des 28-jährigen Timo Hellmund, der diese mögliche Geldbeschaffung auf Facebook angeregt hat. Er hat schon jede Menge Erfahrung mit Crowdfunding, und erklärt, dass jedermann so per Internet gezielt Projekte unterstützen kann und dafür auch materielle oder immaterielle Gegenleistungen erhält. Die Finanzierungslast für die Kinorettung könnte so auf viele Schultern verteilt werden. Bis zur nächsten Ideenwerkstatt will Hellmund ein entsprechendes Konzept ausarbeiten.

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