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Der leerstehende Schleckermarkt in der Forsthaus-Galerie.
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Der leerstehende Schleckermarkt in der Forsthaus-Galerie.

Zwangsversteigerung

Forsthaus-Galerie wird zwangsversteigert

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Der Besitzer findet offenbar nicht genügend Mieter für die Gravenbrucher Immobilie, die inzwischen ziemlich marode ist.

Barbara Schultz, Zwangsverwalterin der großenteils leerstehenden „Forsthaus-Galerie“ in der Gravenbrucher Ortsmitte, klingt verbittert, wenn sie von ihrer vergeblichen Suche nach neuen Mietern berichtet. Dem einen ist die Immobilie zu groß, dem anderen zu klein, und der Zustand der Anlage ist zudem beklagenswert.

„Der Besitzer hat alles vergammeln lassen. Er hatte vollkommen überzogene Vorstellungen davon, was diese Immobilie wert ist“, sagt Schultz. „Die Substanz ist aufgrund der mangelnden Pflege des Daches vollkommen marode. Aber 1500 Quadratmeter Dachfläche saniert man nicht, wenn man darunter keine Mieter hat. Der Tengelmann ist sogar einsturzgefährdet.“

Der Supermarkt steht seit 2010 leer, als die Tengelmann-Läden in der Region größtenteils von Rewe übernommen wurden – aber eben nur größtenteils. In Gravenbruch hinterließ die Schließung eine empfindliche Lücke. Nur noch der Discounter Netto ist hier vertreten. Anwohner klagen, dass es etwa frisches Fleisch nur noch auf dem Wochenmarkt gebe. „Tengelmann und Rewe fehlen“, sagt einer.

Stadtteil vom Reißbrett

Gravenbruch ist ein Stadtteil vom Reißbrett, der in den 60er und 70er Jahren sehr exklusiv und einst sogar der angeblich kinderreichste Ort Deutschlands war. War die Lage mitten im Wald nahe der Autobahn damals geschätzt, zeigen sich heute, wo immer mehr Menschen kein Auto haben, auch die Nachteile: Vor allem am Wochenende fahren nur wenige Busse, und die Fahrradwege nach Offenbach oder Neu-Isenburg sind in einem erstaunlich schlechten Zustand. Wer hier nicht mobil ist, ist auf die Nahversorgung deshalb dringend angewiesen. „Mir sagen viele Nachbarn, ich solle ihnen etwas mitbringen, wenn ich mal nach Frankfurt fahre“, sagt eine Anwohnerin.

Die Geschäfte im Stadtteil konzipierten die Planer beim Bau der Siedlung hauptsächlich in zwei großen Blöcken, der „Forsthaus-Galerie“ und der „Ladengalerie am Forsthaus“, die nicht miteinander verwechselt werden dürfen. Während die Ladengalerie im Besitz der Liegenschaftsverwaltung Rosenthal-Gelley in einem guten Zustand ist, steht die Forsthaus-Galerie unter Zwangsverwaltung. Noch in diesem Jahr solle das Areal zwangsversteigert werden, sagt Schultz.

Neue Konzepte sind dafür offenbar schwer zu finden, zumal sich wohl kaum ein Kunde zufällig hierher verirrt. „Egal, wo Sie anfragen, von A wie Aldi bis Z wie Zooladen, geht es nur noch nach einem einzigen Kriterium, nämlich Kaufkraft“, klagt Schultz. Zwar ist die Bevölkerungszahl von Gravenbruch inzwischen wieder auf über 5000 gestiegen, doch seien darunter viele ärmere Familien, sagen Ladenbesitzer. Die Kaufkraft steige mitnichten.

Spezialläden und Feste

Dabei ist die Mischung an Geschäften in der „Ladengalerie am Forsthaus“ durchaus interessant: Zu dem Spezialanbieter „Ryan Sport“, der Dart-Zubehör verkauft, kommen Kunden aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet, Hessens erste Hundewaschanlage arbeitet hier, und die Ladenbesitzer bemühen sich, mit Festen und Sonderaktionen Kunden zu werben. Trotzdem ist auch hier der Schwund greifbar: Soeben hat eine Apotheke zugemacht, und auch das Fischgeschäft gibt es nicht mehr.

Man dürfe nichts beschönigen, sagt die Optikerin Silvi Michenfelder, die eine Augenoptik in der Ladengalerie besitzt, die seit 1970 besteht. „Ich habe die leise Hoffnung, dass sich die Struktur ändert, aber dabei spielt die Attraktivität der Läden eine große Rolle. Von meinem Geschäft in Gravenbruch kann ich jedenfalls schon lange nicht mehr leben.“

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