Kreis Offenbach

Finanzhilfe vom Staat

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Qualitätsstandards für Nachmittagsbetreuung gefordert.

Als vor Jahren zu seiner Zeit als Bürgermeister in Neu-Isenburg der erste Hort Nachmittagsbetreuung für Schüler angeboten hatte, gab es noch entsetzte Reaktionen von einigen Bürgern, erinnert sich Landrat Oliver Quilling (CDU). Denn alles, was Schulen betraf, war in Hessen ein vermintes Feld: Um die Frage, wie sehr der Staat in die Betreuung der Kinder eingreifen dürfte, wurde jahrzehntelang mit äußerster Heftigkeit von den politischen Parteien gekämpft.

Inzwischen hat die Realität der Arbeitswelt die Diskussion längst überholt, einzig die Frage einer verpflichtenden Ganztagsschule spaltet noch die Gemüter. Doch dass Nachmittagsbetreuung an Schulen überhaupt angeboten werden muss, ist unumstritten.

An allen Grundschulen im Kreis Offenbach wird Nachmittagsbetreuung angeboten, allerdings durch unterschiedliche Träger und mit unterschiedlichen Angeboten und -zeiten. In ihrer vergangenen Sitzung haben die Mitglieder des Kreistags den Weg frei gemacht, dass der Kreis wieder einen Teil der Kosten - genauer: ein Drittel - für die Betreuung übernimmt. Den Rest müssen die Kommunen tragen. Von 2001 bis 2011 galt schon einmal diese Regelung, wurde dann aber der schlechten Finanzlage wegen ausgesetzt.

Nachmittagsbetreuung Der Kreisist Träger von 86 Schulen, an allen 50 Grundschulen des Kreises gibt es Betreuungsangebote.

Momentangibt es eine Versorgungsquote von 46 Prozent an Nachmittagsbetreuungsangeboten, der Kreis strebt für die kommenden Jahre eine Quote von 85 Prozent an.

I m Jahr 2015hat der Kreis die gemeinnützige Gesellschaft Ganztagsbetreuung im Pakt (GiP) als Tochterunternehmen gegründet. Die GIP soll die privaten Trägervereine der Betreuung an den Schulen in Verwaltungs- und finanzangelegenheiten entlasten.

An zwölf Schulenverwaltet die GIP die Finanzierung des Betreuungasangebots, an zwei Schulen (Alfred-Delp-Schule in Seligenstadt und Käthe-Paulus-Schule in Mainhausen) ist die GIP Träger des Angebots.

Im Zuge der Wiedereinführung der Finanzbeteiligung möchte der Kreis sich nun auch verstärkt um die Qualität der Betreuung kümmern. „Wir möchten einheitliche Qualitätsstandards für die Nachmittagsbetreuung haben“, sagt Quilling. Denn bisher sei das Angebot durch die verschiedenen Trägervereine sehr unterschiedlich.

Als Dreh- und Angelpunkte macht Quilling vor allem zwei Dinge aus, die Mensen und die räumliche Einheit von Schule und Nachmittagsbetreuung. „Wir brauchen für alle Schulen funktionierende Mensen“, sagt der Landrat, dies werde ein Schwerpunkt der Investitionen der nächsten Jahre sein. Denn an einigen Schulen werde noch mit Behelfsküchen gearbeitet oder es fehlt an Speiseräumen, so dass die Schüler in den Betreuungsräumen oder Klassenzimmern essen müssen.

Auch dass längst nicht alle Schulen ihre Gebäude der Betreuung, etwa für Hausaufgaben in den dortigen Klassenräumen, zur Verfügung stellen, soll sich langfristig ändern. „Schule und Betreuung müssen enger zusammenwachsen“, sagt Quilling, nur so könne langfristig auch ein anderes Ziel angegangen werden, die Rhythmisierung des Schulangebots. „Es gibt Zeiten, in denen sich Schüler besser konzentrieren können. Da ist es sinnvoll, den Unterricht besser auf das Lernverhalten der Schüler abzustimmen“, sagt er. Dafür aber sei die räumliche Einheit von Schule und Betreuungsangebot unabdingbar.

Wie in einigen Kommunen, in denen der Haushalt nur mit Mühe genehmigt werden konnte, diese Überlegungen aufgenommen werden, bleibt abzuwarten. Quilling betont, dass aus den Fachabteilungen der Kommunen dazu positive Signale kämen, pädagogisch seien die Überlegungen nicht zu beanstanden. Quilling fordert , dass Bund und Land sich finanziell beteiligen.

„Wenn der gesetzliche Anspruch auf die Ganztagsbetreuung kommt, dürfen die Kosten nicht den Städten und Gemeinden überlassen werden“, sagt er. Anders als beim Anspruch auf einen Kitaplatz müssten Land und Bund frühzeitig für finanzielle Hilfen für Betreuung und deren Folgekosten sorgen.

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